"Steuergesetze unterliegen einem ständigen Wandel"

Kiel, 21.11.2012

„Steuergesetze unterliegen einem ständigen Wandel“, sagt Dr. Sylvia Bös. „Ich möchte, dass die Studierenden komplexe Steuerrechtsfälle auch dann noch lösen können, wenn sich die Gesetze geändert haben.“ Seit dem 1.Oktober 2012 ist sie Professorin für „Bilanz- und Unternehmenssteuerrecht“ am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Kiel. Davor arbeitete Dr. Bös als Steuerberaterin.

Jana Tresp (JT): Sie haben BWL mit dem Schwerpunkt Steuerwesen in Worms studiert. Wie kamen Sie dazu?

Sylvia Bös (SB): Ich habe BWL mit Schwerpunkt Steuerwesen an der FH Worms studiert, weil ich meine im Rahmen der Ausbildung zur Steuerfachgehilfin (heute: Steuerfachangestellte) erworbenen Kenntnisse vertiefen wollte. Mir hat die Ausbildung gut gefallen."

JT: Wie würden Sie Laien Ihr Arbeitsgebiet erklären?

SB: Im steuerberatenden Beruf beschäftige ich mich zum einen mit Jahresabschlüssen von Unternehmen verschiedener Rechtsformen und den dazugehörigen Steuererklärungen. Zum anderen bin ich in der Gestaltungsberatung tätig. Das heißt, wenn beispielsweise aus einer GbR eine GmbH werden soll, erläutere ich der Unternehmerin/dem Unternehmer, wie sie/er am wenigsten Steuern zahlen muss. Das sind die zwei großen Felder der Steuerberatung.

JT: Was haben Sie gemacht, bevor Sie an die FH Kiel gekommen sind?

SB: In den vergangenen Jahren habe ich als Steuerberaterin in einer Steuerberatungsgesellschaft in Erfurt gearbeitet.

JT: Wie kamen Sie an die FH Kiel?

SB: Seit meinen ersten Lehrveranstaltungen während meiner Assistenzzeit an der TU Ilmenau wollte ich Hochschullehrerin werden. Danach stellte sich für mich nur noch die Frage: Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie? Die Fachhochschule verbindet in idealer Weise Theorie mit Praxis, was mir sehr gut gefällt.

Speziell für die Fachhochschule Kiel sprach, dass es hier einen Schwerpunkt Revision und Steuerlehre gibt. Außerdem habe ich mich sowohl im Bewerbungsprozess als auch im Fachbereich Wirtschaft von Anfang an sehr wohl gefühlt. Deswegen freue ich mich sehr, dass ich jetzt hier bin.

JT: Was möchten Sie den Studierenden vermitteln?

SB: Da gibt es vieles. Die Steuergesetze unterliegen einem ständigen Wandel. Daher ist es meine Aufgabe, den Studierenden das Steuersystem zu vermitteln und ihnen so ein Grundgerüst mitzugeben. Denn das System bleibt in der Regel gleich, es ändern sich nur Einzelheiten in Paragraphen. Ich möchte, dass sie in der Lage sind, komplexe Steuerrechtsfälle zu lösen und zwar auch dann noch, wenn sich Gesetze geändert haben.

JT: Wie sieht die Praxis im Studiengang „Bilanz- und Unternehmenssteuerrecht“ aus?

SB: Auf jeden Fall anders als zum Beispiel in der Chemie, wo die Theorie in Lehrbüchern und die Praxis im Labor stattfindet. Ich löse mit meinen Studierenden Fälle, die so auch in der Praxis vorkommen. Zum Beispiel: Der steuerpflichtige XY kommt in Ihre Steuerberatungskanzlei und möchte von Ihnen seine Einkommensteuererklärung machen lassen. Er möchte wissen, wie viel Steuern er nachzahlen muss und schildert Ihnen folgende Sachverhalte usw. Das ist zwar ein Fall aus dem Lehrbuch, unterscheidet sich jedoch grundsätzlich nicht sonderlich von der Realität.

Kurzbiografie

 

Seit Oktober 2012 Professorin für Bilanz- und Unternehmenssteuerrecht an der FH Kiel

2010-2012 Steuerberaterin in einer Steuerberatungsgesellschaft in Erfurt

2009-2012 Dozentin an Berufsakademien in Thüringen

2009/2010 Steuerberaterprüfung

2003-2008 Promotion zum Thema „Handels- und steuerrechtliche Behandlung von Sachdividenden“ an der TU Ilmenau

1998-2002 Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Steuerwesen an der FH Worms

1996-1998 Ausbildung zur Steuerfachgehilfin

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert