„Schiffe bauen, Ja! Schiffe fahren, Nein!“

 

Seit 48 Jahren befasst sich Prof. Dipl.-Ing. Lothar Dannenberg vom Fachbereich Maschinenwesen der Fachhochschule Kiel nun schon mit dem Schiffbau. Mit Erfolg, für seine Arbeit wurde ihm kürzlich der K.E.R.N-Preis für Maritime Technologie 2007 verliehen. Grund für uns, ihn an dieser Stelle einmal ausführlicher vorzustellen.

 

Am liebsten wäre er ja Kapitän geworden und es fällt nicht schwer, sich Professor Lothar Dannenberg auf der Brücke eines Containerschiffs vorzustellen, die Pfeife in der Hand. Das Element Wasser hat ihn schon als Jungen fasziniert. „Ich bin viel Boot gefahren, habe mir Flöße selber gebaut, aus Schilf, die dann zwei Tage lang schwammen und dann untergegangen sind, weil sich das Floß voll Wasser gesogen hat.“

Der Traum von der weiten Welt geht nicht in Erfüllung, Lothar Dannenberg ist nämlich farbenblind, kann rot und grün nicht unterscheiden. Dann eben Schiffbau, nach Lehre, Ingenieursschule und zwei Jahren Arbeit auf einer Werft, studiert der gebürtige Ostpreuße an der Technischen Universität Berlin Schiffstechnik, arbeitet anschließend am Institut für Mechanik der TU und spezialisiert sich auf experimentelle und analytische Spannungsanalysen und CAD-Entwicklungen von Freiformflächen. Dann ein Richtungswechsel, Lothar Dannenberg geht nach Rüsselsheim, um in der Automobilindustrie zu arbeiten. Doch da meldet sie sich wieder, die Sehnsucht nach der See. „Ich bin jeden Tag zur Arbeit über den Rhein gefahren und mich gefreut, wenn ich da wenigstens ein Binnenschiff gesehen habe.“  

Da kommt ein Angebot aus dem hohen Norden genau richtig. Lothar Dannenberg zieht vom Rhein an die Kieler Förde und beginnt bei der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (HDW) U-Boote zu konstruieren. „Das war eine interessante Tätigkeit“, schwärmt Dannenberg im Rückblick, „weil ich da den ganzen Bereich des Schiffsbaus abgedeckt habe, von der Konstruktion, Festigkeit, Hydrodynamik, Material bis hin zur Akustik.“ 1996 dann wieder ein Neuanfang, Lothar Dannenberg wechselt an die Fachhochschule Kiel, in den Fachbereich Maschinenwesen. „Ich habe mich immer für den Austausch zwischen Forschung und Industriepraxis interessiert und hatte auch Lust dazu, meine reichen Erfahrungen aus der Praxis in die Lehre einzubringen.“  

Von seinen Studentinnen und Studenten erwartet Professor Dannenberg vor allem eins: Über den Tellerrand zu schauen und etwas zu wagen. „Mein Lieblingsspruch bei den Vorlesungen ist: Es ist einfacher, sich hinterher zu entschuldigen, als vorher um Erlaubnis zu fragen. Das ist einfach besser, auch für die eigene Entwicklung. Diese Freiheiten sollte man sich im Berufsleben immer nehmen, das habe ich auch immer gemacht.“

Und so sucht und findet der Ingenieur immer neue Herausforderungen. Mittlerweile entwickelt er Rotorblätter für große Windenergieanlagen und befasst sich mit der Gründung von Offshore - Windenergieanlagen. Dem Schiffbau hat er aber nicht abgeschworen und bearbeitet zahlreiche Forschungsaufträge von der Industrie, Werften und Bootsbauern, vor allem in seinem Spezialgebiet Faserverbundwerkstoffe. „Ich bin auch der Einzige in Schleswig-Holstein, der dieses Fach überhaupt lehrt. Die Berechnungen sind sehr viel aufwendiger, man muss andere Konstruktionsprinzipien beachten und das muss erst mal in die Köpfe rein.“

Genug zu tun also für den Schiffbauingenieur, der übrigens kein eigenes Boot hat. „Sie kennen doch den Spruch: „Das ist wie unter der kalten Dusche zu stehen und Hundert-Euro-Scheine zu zerreißen“, wehrt er ab. Stattdessen sitzt er lieber - sicher und trocken - in seinem Büro und tüftelt, zum Beispiel für die Meeresforscher vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar). Unter der Regie des Forschungs- und Entwicklungszentrum der Fachhochschule Kiel GmbH erstellen die Projektpartner zunächst eine Machbarkeitsstudie für das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium. Am Ende soll ein neues U-Boot konstruiert und gebaut werden, das Nachfolgemodell des Forschungstauchboots JAGO, dem einzigen bemannte Forschungstauchboot Deutschlands. „JAGO kann bis zu 400 Meter tief tauchen und Geomar möchte jetzt ein Forschungsfahrzeug, das bis zu tausend Meter Wassertiefe tauchen kann. Allerdings bei gleichem Gewicht und gleicher Größe und das ist die Herausforderung.“ Da ist Lothar Dannenbergs ganze Erfahrung gefragt und es ist ihm anzusehen, dass es ihn reizt, das Unmögliche möglich zu machen. Das U-Boot wird ihn noch eine Weile beschäftigen, auch wenn er doch eigentlich am 31. August 2008 in Pension gehen soll.

Kiel, 22.10.2007

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert