Gegen den Wind

Kieler Studierende nehmen am „Racing Aeolus“ in Den Helder/Niederlande teil

Das Windauto - hier noch ohne Karosserie

15. 08. 2008

Im Oktober 2007 schlug die Stunde Null für das Kieler „Baltic Thunder“-Team. Damals erfuhr Professor Dr. Peter Alois Schaffarczyk vom „Racing Aeolus“, das in diesem Jahr erstmalig vom 20. bis 23. August in Den Helder/ Niederlande stattfinden wird. Ziel des Wettbewerbs ist es, mit einem ausschließlich mit Windenergie betriebenen Fahrzeug möglichst schnell gegen den Wind zu fahren. Eine Herausforderung, die den Mathematiker und Windenergieexperten der Fachhochschule Kiel so faszinierte, dass er ein Master-Projekt an seiner Hochschule ausschrieb, um beim Wettbewerb dabei zu sein. Begeisterte Maschinenbaustudierende waren an der FH Kiel schnell gefunden, Bianca Stich zum Beispiel, Master-Studentin des Fachbereichs Maschinenbau.

„Dann kam halt die große Frage, wie machen wir es. Wir wollten es mechanisch, wir sind ja Maschinenbauer, Professor Schaffarczyk wollte es aber vernünftig geregelt haben und hat an der Technischen  Fakultät der Uni angefragt und so sind wir zu unseren E-Technikern gekommen. Die haben uns dann innerhalb von 24 Stunden ein Konzept vorgelegt, zu dem wir nicht ‚Nein’ sagen konnten, und so ist es ein Gemeinschaftsprojekt geworden.“

Die Kieler setzen als einziges der sechs gemeldeten Teams auf einen Elektromotor, der von einem dreiflügeligen Rotor angetrieben wird. Der Rotor hat einen Durchmesser von 2 Metern und ist 2 Meter hoch. Das ist die maximale Fläche, die bei dem Rennen zum Einsatz kommen darf. Um die Flügel besonders leicht zu bauen, entscheiden sich die Studierenden für Kohlefaser als Werkstoff. Der Motor ist eine High-Tech-Eigenkonstruktion, er ähnelt den Motoren von Solarfahrzeugen und weist eine hohe Effizienz auf. Die Energie, die durch den Rotor aus dem Wind gewonnen wird, wird über einen Generator in elektrische Energie umgewandelt. Diese Energie wird in einen sogenannten Zwischenkreis gespeist und dort so lange gespeichert, bis sie an das Vorderrad, also an den Motor, abgegeben wird. 

Bei der Konstruktion des Rotors wird das „Baltic Thunder“-Team von dem norddeutschen Forschungsnetzwerk „CE-Wind“ unterstützt. Geld und Sachmittel kamen aus der Industrie. Bei ihrer Sponsorensuche rannten die Studierenden offene Türen ein, insgesamt konnte das „Baltic Thunder“-Team rund 120.000 Euro sammeln. Das Fahrgestell z.B. wurde zum größten Teil auf der Lindenau Werft in Kiel gebaut, ein erfahrener Schweißer und zwei Auszubildende standen den Studierenden eine Woche lang zur Verfügung. Die Rotorblätter wurden mit Hilfe der Firma ACT gebaut.

Die ersten Testfahrten absolvierte das Kieler Windauto auf dem Kieler Flughafen. Zur vollsten Zufriedenheit, ins Rennen in der kommenden Woche geht das Team jedenfalls mit viel Zuversicht. Doch wie die Platzierung auch immer ausfällt, gewonnen haben die Studierenden in jedem Fall. Sie habe einen innovativen Antrieb entwickelt, ihr theoretisches Wissen angewendet und erweitert, Erfahrungen in der Projektplanung gewonnen, Kontakte zu Unternehmen geknüpft und durch die intensive Arbeit in den vergangenen Monaten ist aus den Studierenden verschiedener Hochschulen und Fachrichtungen ein echtes Team entstanden.

Professor Dr. Sönke Schmidt leitet das Labor für Fahrzeugtechnik an der FH Kiel. Gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Schaffarczyk und Professor Friedrich Wilhelm Fuchs von der Universität Kiel hat er das „Baltic Thunder“-Team gecoacht und unterstützt. Er ist sehr stolz auf „seine“ Studierenden:  „Es gibt nichts, worauf sie zurückgreifen können. Sie können den Rotor in dieser Größe nirgendwo kaufen, sie kriegen so ein Fahrzeug, wie wir es brauchen, nirgends und das gilt auch für den Antriebsstrang. Das macht das Thema so komplex und deshalb ist es eigentlich auch ein Wunder, was die Studierende hier vollbracht haben in der Zeit.“

Elf Teams hatten sich zunächst zum Wettbewerb angemeldet, übrig geblieben sind sechs. Ein weiterer Beleg für die herausragende Leistung der Studierenden. Neben dem „Baltic Thunder“-Team schicken die Fachhochschule Flensburg, die Universität Stuttgart, die Technische Universität Dänemark, das Zentrum für Erneuerbare Energiequellen Griechenland (CRES) und das Forschungszentrum für Energie der Niederlande (ECN) vom 20. bis zum 23. August ihre Windautos ins „Racing Aeolus“ Rennen. Die Kulisse im kleinen Nordseestädtchen Den Helder dürfte beeindruckend ausfallen. Im selben Zeitraum findet in Den Helder ein internationaler Wassersportwettbewerb statt: Die „Tall Ship Races“. Zu diesem Event erwarten die Veranstalter über 300.000 Besucherinnen und Besucher.  

Weitere Informationen unter: www.baltic-thunder.de

Ein Foto zum Download finden Sie unter
www.fh-kiel.de/fileadmin/Data/presse/baltic-thunder.jpg

Kontakt:
„Baltic Thunder“-Team
Bianca Stich 
Tel.: 0179 5457146
E-Mail: bianca.stich(at)cimtt.fh-kiel.de oder
bianca.stich(at)student.fh-kiel.de 




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