Kim Buttenschön promoviert in England

 

„Ein Traum war es schon…“

 

Mit Optik hatte Kim Buttenschön ja eigentlich nie etwas am Hut, Informatik schon, das fand sie in der Schule spannend, aber Optik hat sie nie interessiert. Doch während ihres Mechatronik-Studiums an der Fachhochschule traf sie auf Prof. Ulrich Sowada, und der kann sich für Optik sehr begeistern. Sprühen und brennen müsse man für sein Fach, sagt er und das konnte er offensichtlich auf Kim Buttenschön übertragen. Sowada nutzte seine Kontakte und schickte seine Studentin für ein Praxissemester nach Glasgow, gefördert über das Erasmus-Programm. Am Institut für Photonics schrieb die gebürtige Kielerin ihre Diplomarbeit, und das machte sie offenbar so gut, dass sie gleich eine Promotionsstelle angeboten bekam. „Das war eigentlich immer ein Traum von mir, aber ich hätte es mir nie träumen lassen, dass er wahr wird“, freut sich die diplomierte Mechatronikerin.  

Eine Promotion in Deutschland wäre nicht möglich gewesen

Da ihr Doktorvater die Uni wechselt, wird Kim Buttenschön an der Universität Durham am Institut für Biophysik (BSI) promovieren. Dort, im Nordosten Englands, soll sie ein Gerät entwickeln, mit dem die Medikamentenverteilung im Körper überwacht werden kann, ohne in den Körper einzugreifen. Dies soll optisch über Beobachtungen des Augenhintergrundes geschehen. Ein anspruchsvolles und zukunftsweisendes Thema. Wäre so etwas auch in Deutschland möglich gewesen? Kim Buttenschön winkt ab. Hierzulande, erklärt sie, wäre sie vielerorts schon an den Zugangsvoraussetzungen für eine Promotion gescheitert und mit ihrem Notendurchschnitt von 1,8 durchs Raster gefallen. „Ich kannte auch jemanden mit Fachhochschuldiplom, der hat versucht eine Promotionsstelle zu finden. Aber er hat es nicht geschafft und schließlich aufgegeben. Und er hatte sogar bessere Noten als ich“, erklärt sie.

Prof. Sowada kennt dieses Problem, und es ärgert ihn. Man könne doch nicht stur nach den Noten gehen, sondern müsse den Menschen als Ganzes betrachten, ist er überzeugt. Ohnehin würde es Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen in Deutschland unnötig schwer gemacht zu promovieren. Längst schicke er deshalb besonders begabte Studierende ins Ausland, vorzugsweise nach England. Kim Buttenschön ist nicht die erste, der Sowada den Weg nach Glasgow geebnet hat. Am dem Institut, an dem sie ihre Diplomarbeit geschrieben hat, promoviert noch ein zweiter Student von ihm.  

Praxisorientiertes FH-Studium ist ein echter Vorteil

„Die kennen da den Unterschied zwischen Uni und Fachhochschule gar nicht“, bestätigt Kim Buttenschön. „Denen hat mein Abschluss gereicht, und sie freuen sich über meine praktischen Erfahrungen als FH-Absolventin. Ich habe schon ein Labor von innen gesehen und kann optische Konstruktionen aufbauen. Das haben manche Uniabsolventen nicht gelernt, da habe ich wirklich einen Vorteil.“

Nach ihrer Stippvisite in der alten Heimat wird Kim Buttenschön im November nach England zurückkehren. Dreieinhalb Jahre rechnet sie für ihre Promotion. Ob sie danach wieder zurückkommen wird, kann sie noch nicht sagen. „Ich finde Schleswig-Holstein sehr schön und kann mir eigentlich nicht vorstellen, für immer weg zu bleiben, aber wenn ich im Ausland eine interessante Stelle angeboten bekäme, würde ich sicher nicht nein sagen.“

Das kann Ulrich Sowada gut nachvollziehen. Auch er hat im Ausland studiert und gearbeitet. Die Bedingungen für die Forschung, so seine Erfahrung, sind in England oder den USA viel besser als in Deutschland. Hier, in Deutschland, hat er schon einmal acht Jahre warten müssen, bis sein Forschungsauftrag letztendlich abgelehnt wurde, weil gerade kein Geld dafür da war. Es sei also kein Wunder, wenn junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Deutschland den Rücken kehren würden. Dass er daran im Fall vom Kim Buttenschön auch seinen Teil dazu beigetragen hat, ficht ihn nicht an. „Ich denke nicht darüber nach, dass jemand Deutschland verloren geht. Ich finde, das ist eine wunderbare Erfahrung, die man unbedingt nutzen sollte.“


Kiel, 23. Oktober 2008

Zum Archiv

Zum Seitenanfang

Druckversion

  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert