Ingenieurinnen gesucht - Frauenpower in der Maschinenhalle

Kiel, 16.06.2009

„DrivIng – Käfer `82“ – unter diesem Motto restaurieren Studentinnen des Fachbereichs Maschinenwesen seit einigen Monaten einen VW Käfer Mexico, Baujahr 82.  Im Projekt können die Studentinnen semesterübergreifend ihr theoretisches Wissen praktisch anwenden und ihre Kompetenzen vertiefen. Aber vor allem fungieren sie als Botschafterinnen für ihren Fachbereich. Denn Technik macht Spaß und ist auch etwas für junge Frauen.

„Ingenieurinnen gesucht“, so stand es Anfang des Jahres auf Plakaten an der Kieler Fachhochschule. Geworben wurde für ein Projekt, an dem sich ausschließlich Frauen beteiligen sollten. Es gilt, einen alten VW Käfer Mexico zu restaurieren – ein Vorhaben, für das sich schnell acht angehende Ingenieurinnen begeistern konnten , unter ihnen auch Franziska Theis. „Bei diesem Auto gibt es eine Menge zu lernen und noch mehr zu schrauben“, dachte sich Theis und meldete sich an. Dabei spielte für sie auch eine Rolle, dass sich keine Männer bewerben durften – das ist Teil des Konzepts: „Das Bild von Technik ist in unserer Gesellschaft immer noch männlich geprägt“, erklärt Marike Schmeck, im Projekt zuständig für die Teambildung. „Dabei ist längst ein Wandel eingetreten - Technik ist keine reine Männersache mehr, sondern ein Berufsfeld, für das sich immer mehr Frauen interessieren.“

Einen Mann gibt es dann doch im Team, Prof. Dr. Sönke Schmidt. Er hatte die Idee zum Projekt, beschränkt sich aber während der Restaurierung auf Unterstützung bei allzu kniffeligen Problemen. Von seiner Familie stammt auch der Käfer, der für einen symbolischen Preis von einem Euro gekauft wurde.

Etwas vergessen und ziemlich angestaubt stand das gute Stück in einer Scheune in Probsteierhagen. „Eigentlich lief gar nichts mehr“, erinnert sich Franziska Theis, die als Erste hinter dem Lenker Platz nehmen durfte. Sie konnte den Wagen sogar einige Meter weit fahren – wenn auch nicht aus eigener Kraft. „Die Anderen haben geschoben“, lacht sie. Auf einem Trailer ging es dann erst einmal zum Waschen und anschließend in die Maschinenhalle der FH. „Da durften wir gleich loslegen und alles abbauen“, so Theis.

Inzwischen haben die Frauen ganze Arbeit geleistet. Wer jetzt einen Blick in die verglaste Halle wirft, entdeckt dort nur noch die blanke Karosse des Käfers – sämtliche Teile vom Motor über die Polster bis zu den Armaturen haben die Frauen inzwischen demontiert. Damit nachher auch wieder alles an seinen angestammten Platz kommt, musste  vorgesorgt werden. „Dafür haben wir eine eigene Logistikbeauftragte“, sagt Aileen Vorwerg. „Jedes Teil wird nach dem Ausbau fotografiert und beschriftet und anschließend nach Themenbereichen sortiert in Kisten verpackt.“, erklärt sie weiter.

Dort werden die Teile jedoch nicht lange liegen. Auf die Demontage folgen die Funktionsprüfungen, alles wird noch einmal genau unter die Lupe genommen. „Erst dann können wir sehen, welche Ersatzteile wir brauchen“, weiß Vorweg. Anschließend wird die Karosse sandgestrahlt und nach der Lackierung geht es an den Wiederaufbau.

Dafür haben sich die Acht einen ehrgeizigen Zeitplan gesteckt. In zweieinhalb Monaten soll der Käfer in neuem Glanz erstrahlen, denn am 28. August findet die Museumsnacht statt und Tausende besuchen wieder den Campus der Fachhochschule. Ein perfekter Zeitpunkt, um den Wagen zu präsentieren und von den Erfahrungen zu berichten. „Mal sehen, ob wir das schaffen“, sagt Theis und macht sich wieder an die Arbeit.

Autor: Michael Neubauer

Zum Seitenanfang

Druckversion

  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert