"Die Vielfalt an Berufs- und Lebenserfahrungen unter den Studierenden begeistert mich."

Kiel, 10.05.2010

„Die Vielfalt an Berufs- und Lebenserfahrungen unter den Studierenden begeistert mich“, freut sich Prof. Dr. Christiane Micus-Loos. Seit dem 1. April 2010 zeigt sie den Studierenden am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit wie sich Theorie und Praxis gegenseitig bedingen und fühlt sich dabei jetzt schon heimisch.

KJ (Katja Jantz): Was verbinden Sie mit Kiel?

CML (Christiane Micus-Loos): Vor allem Kindheitserinnerungen an Familienurlaube an der Ostsee.

KJ: Warum haben Sie sich für die FH Kiel entschieden?

CML: Für mich besteht die Attraktivität der Professur hier an der Fachhochschule Kiel in der Verknüpfung der beiden Bereiche Theorien Sozialer Arbeit und Theorien der Frauen- und Geschlechterforschung.

KJ: Was wollen Sie den Studierenden vermitteln?

CML: Ich möchte den Studierenden nicht nur grundlegende Kenntnisse feministischer Theorie, Theorien der Geschlechterforschung, qualitativer Sozialforschung sowie Sozialer Arbeit vermitteln, sondern ihnen aufzeigen, wie sich Theorie und Praxis wechselseitig bedingen und bereichern.

Christiane Micus-Loos
Studierte Sozialpädagogin: Prof. Dr. Christiane Micus-Loos

KJ: Warum haben Sie Ihr Studium gewählt?

CML: Ich habe an der Universität Osnabrück Diplom-Sozialpädagogik mit den Schwerpunkten Soziologie und Psychologie studiert. Für mich bot der Studiengang die ideale Möglichkeit, meine Erfahrung in verschiedenen sozialpädagogischen Praxisfeldern im Licht sozialpädagogischer, erziehungswissenschaftlicher, psychologischer und soziologischer Erkenntnisse zu reflektieren.

KJ: Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer bisherigen Tätigkeiten?

CML: Meinen Forschungsschwerpunkt bildet die Auseinandersetzung mit der Kategorie „Geschlecht“ hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Subjektwerdung. Fragen von Erziehung, Sozialisation und Bildung, Theorien der Aggression und Gewalt sowie historische Analysen von Familienstrukturen und Generationenbeziehungen spielen hierbei eine große Rolle. Die Analyse weiterer Kategorien sozialer Ungleichheit und Marginalisierung (z. B. Ethnizität, Rasse, Sexualität, Klasse / Schicht, Nation, Alter, Religion) ist mir dabei ein wichtiges Anliegen.

Ein weiterer Fokus meiner wissenschaftlichen und auch praktischen Arbeit liegt auf dem Thema „Familiale Gewalt“. Seit mehreren Jahren biete ich Weiterbildungen in diesem Bereich an. In den 1990er Jahren habe ich in Osnabrück einen „Runden Tisch“ von Mitgliedern sozialpädagogischer Einrichtungen, der Justiz und Polizei mit dem Ziel mitbegründet, auf Basis bestehender Gesetze und Ressourcen eine koordinierte Intervention auf kommunaler Ebene zu erreichen.

Neben meiner wissenschaftlichen Qualifikation habe ich eine dreijährige Ausbildung zur Logotherapeutin nach Viktor E. Frankl absolviert.  

KJ: Wie würden Sie einem Fachfremden Ihr Arbeitsgebiet erklären?

CML: In meinem Arbeitsfeld „Gender und Theorien Sozialer Arbeit“ geht es darum, Erkenntnisse der Frauen- und Geschlechterforschung mit denen aus der Theorie und Praxis Sozialer Arbeit zu verbinden. Ich will dies am Beispiel gewaltbereiter Jugendlicher konkretisieren:

Auf der Ebene der Diagnose und Analyse des Phänomens gilt es zu beachten, dass Männer gewalttätiger sind als Frauen, Mädchen und Jungen unterschiedliche Formen der Gewaltausübung wählen und geschlechterdifferente Motive und Wahrnehmungen bezüglich der Gewalt existieren, die durch geschlechtsspezifische Sozialisationserfahrungen und Zuschreibungsprozessen zu erklären versucht werden.

Für die Ebene der Präventions- und Interventionsmöglichkeiten ist die Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht unerlässlich, wie die Erfahrungen mit geschlechtersensiblen und –reflektierenden Konzepten von Jugendarbeit zeigen.

Schließlich ist es auf der Ebene der Profession bedeutsam, sich der eigenen Geschlechtsrollenbilder im Hinblick auf Jugendgewalt bewusst zu werden sowie gesellschaftliche Zuschreibungen im Handlungsfeld „Jugendgewalt“ zu reflektieren.

KJ: Was erwarten Sie von Ihrem ersten Semester an der FH Kiel?

CML: Ich bin sehr gespannt auf die Herausforderungen und das vor mir liegende Sommersemester. Die Vielfalt an Berufs- und Lebenserfahrungen unter den Studierenden begeistert mich, und ich freue mich auf weitere gute Zusammenarbeit, in denen es uns gelingt, Theorie und Praxis wechselseitig als Bereicherung zu erfahren.

Auch der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen sehe ich mit Freude entgegen. Die herzliche Aufnahme am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit vermittelt mir bereits jetzt ein Stück „Heimat“.

Kurzbiografie  

seit April 2010 Professorin für „Gender und Theorien Sozialer Arbeit“ an der Fachhochschule Kiel

2010 Habilitation: „Konstruktionsprozesse generativer Identitäten im Spiegel deutschen autobiographischen Schrifttums des 20. Jahrhunderts“

2001 - 2010 wissenschaftliche Assistentin am Institut für Allgemeine Pädagogik der Humboldt-Universität zu Berlin / Gender Studies

2000 - 2001 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Osnabrück im Bereich der Frauenforschung

1999 - 2000 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Osnabrück, Vertretungsstelle für den Schwerpunkt „Schulische Bildungs- und Lernprozesse“

1997 - 2000 Dissertation im Fach Allgemeine Pädagogik / Frauenforschung: „Aggression und Geschlecht. Geschlechterunterschiede in Aggressionsformen und Aggressionsphantasien. Theorieansätze und eine empirische Studie“

1991 - 1996 Diplomstudium der Pädagogik an der Universität Osnabrück mit Schwerpunkt Sozialpädagogik, Nebenfächer: Psychologie und Soziologie

1994 - 1997 Ausbildung zur Logotherapeutin (Logotherapie nach Viktor E. Frankl am Süddeutschen Institut)




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  Diese Seite wurde zuletzt am  12.01.2018  aktualisiert