„Espero verles pronto por aquí en México“

Kiel, 19.05.2010

„Espero verles pronto por aquí en México“ heißt soviel wie: "Ich hoffe, Euch bald hier in Mexiko begrüßen zu können“ und ist ganz ernst gemeint von Fabian Wenzel. Der BWL-Student ist begeistert von seinem Auslandssemester an der Alliant International University in Mexico City und wünscht sich, dass noch viel mehr Studentinnen und Studenten die weite Reise nach Mexiko auf sich nehmen, um eine ganz andere Facette des Studiums kennenzulernen.
Warum er sich für einen Auslandsaufenthalt entschieden hat und wie er mit der anderen Kultur umzugehen weiß, berichtet er Vera Nick.

VN: Warum haben Sie sich für einen Auslandsaufenthalt an der Alliant International University in Mexiko entschieden?

FW: Bereits mit 17 Jahren lebte ich für zehn Monate als Austauschschüler in El Paso/Texas (USA), der Grenzstadt zu Mexiko. Meine Gastfamilie war hispanischer Abstammung und nahm mich öfter mit über die Grenze. So entstand der erste Kontakt zu dem Land. Während meines Bachelorstudiums brachte mich mein Auslandssemester nach Sydney und ein weiteres Praxissemester nach Barcelona. Das Tolle daran: Wenn man erst einmal mit dem Reisen angefangen hat, bekommt man nicht mehr genug davon. Es ist wie eine Sucht. Da ich meine Spanischkenntnisse im alltäglichen Umgang mit der Sprache weiter vertiefen wollte, entschied ich mich für einen zweiten Aufenthalt in einem spanischsprachigen Land.

VN: Was studieren Sie derzeit mit welchem Ziel?

FW: Ich studiere im dritten Semester Betriebswirtschaftslehre (Master) mit der Hoffnung, mein Studium einschließlich Master-Thesis und Kolloquium in der Regelstudienzeit bis Anfang 2011 abgeschlossen zu haben. Der Auslandsaufenthalt wird mir neben dem Master-Abschluss zusätzlich einen US-amerikanisch anerkannten MBA-Titel bescheren.

VN: Wie sieht Ihr Studienalltag im Ausland aus?

FW: Meine MBA-Kurse finden hier alle abends von 18 bis 21 Uhr statt. Da ich in diesem Semester auch zweimal die Woche einen Spanischkurs an der Hochschule belege, bin ich so insgesamt vier Mal die Woche vor Ort. Obwohl es auch eine kleine Bibliothek an der Hochschule gibt, schreibe ich die Hausarbeiten zu Hause. Im Gegensatz zur FH Kiel müssen wir kursabhängig circa alle zwei Wochen eine Hausarbeit abgeben, in der viel Wert auf die eigene Reflektion mit dem Thema gelegt wird. Auch Zwischenprüfungen sind hier an der Tagesordnung. Das leichtere Studienniveau relativiert den hohen Workload allerdings.

VN: Wie kommen Sie mit den anderen Kommilitonen in Mexiko zurecht?

FW: Der Kontakt an der Hochschule ist sowohl zu den Kommilitoninnen und Kommilitonen als auch zu den Lehrkräften sehr familiär. Da wir insgesamt, die Bachelor-Studierenden eingeschlossen, nur circa 80 Studenten sind, kenne ich die meisten anderen MBA-Studenten persönlich. Die Kurse setzen sich meist aus vier bis sechs Studenten zusammen. So ist es möglich, sich näher kennenzulernen. Da die Hochschule inmitten des touristischen Innenstadtviertels liegt, lassen wir nach den Kursen den Abend öfters bei einer Michelada (typisch mexikanisch: Bier mit Limonade und Salz) in gemeinsamer Runde gemütlich ausklingen.

 

VN: Was haben Sie bisher Lustiges erlebt?

Ein Besuch in einem typisch mexikanischen Markt in Oaxaca, in dem beim Schlendern zwischen Chilis, frischem Obst und allerhand Kunsthandwerk plötzlich Nenas „99 Luftballons“ im Radio ertönte, ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Auch DJ-Ötzi wurde hier an einem Abend in einem Club angespielt. Das war so unerwartet, dass man einfach nur schmunzeln kann.

VN: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

FW: Ich versuche, so viel wie möglich vom Land und den Leuten kennenzulernen. Manchmal spielen meine mexikanischen Freunde den Touristenführer. Über Ostern waren wir ein paar Tage in Yucatán, haben uns Mérida und die berühmten Maya-Städte „Chichén Itzá“ und „Uxmal“ angeguckt und ich war zum ersten Mal in einem „cenote“ (Wasserloch) und im Golf von Mexiko baden - schon toll, dass man so etwas neben dem Studium erleben darf. Auch mit der Uni waren wir mittlerweile schon zweimal am Wochenende unterwegs. Im Bundesstaat Michoacán haben wir in einem Naturpark die alljährlichen Massenansammlungen der Monarch-Falter bewundert und in natürlichen Schwefelquellen gebadet. In Jalcomulco im Bundesstaat Veracruz haben wir uns zum Wildwasser-Rafting in die Fluten gestürzt und sind im Dschungel an steilen Felswänden geklettert. Der nächste Ausflug nach Puerto Vallarta findet zum Semesterabschluss statt und wird sogar von der Uni gesponsert.

 

VN: Was fasziniert Sie an Mexiko City? Was gefällt Ihnen weniger?

FW: Das Faszinierende an Mexico City ist einfach ihre Vielfalt. Es gibt hier so viel zu erleben und zu entdecken. Steht man oben auf dem Berg im Park „Chapultepec“, hat man einen wahnsinnig beeindruckenden Blick über die Stadt im Tal und die beiden schneebedeckten Vulkane Popocatéptl und Iztaccíhuatl im Hintergrund. Ich hätte auch nie erwartet, dass Mexico City eine so grüne Stadt ist. Neben den unzähligen Möglichkeiten für Freizeitgestaltungen (Museen, Theater, Kino, Konzerte mit internationalen Stars, etc.) bietet die Stadt viele kleine Stadtteile wie „Coyoacán“ oder „Tlapan“, die an die frühe Kolonialzeit erinnern und mit ihrem Dorfplatz im Zentrum und den vielen Restaurants zum Bummeln und Staunen einladen.
Auch die typisch mexikanische Art, unter freiem Himmel Essen zuzubereiten, hat mich beeindruckt. An fast jeder Straßenecke findet man hier Stände, an denen frische Köstlichkeiten zubereitet werden.

Weniger schön ist leider die Schere zwischen Arm und Reich, die einem tagtäglich auffällt. Obdachlose auf der Straße, kleine Kinder und Frauen, die betteln oder für wenig Geld ihre Taschentücher, Kaugummis und Zigaretten verkaufen wollen. Auch nachts sind mir schon kleine Kinder begegnet, die mit ihren Eltern in der U-Bahn kleine Almosen verkaufen. Auf der anderen Seite findet man Stadtteile mit luxuriösen Wohnungen, Restaurants, Hotels und Leuten, die von ihrem Chauffeur vorgefahren werden.

 

VN: Insgesamt klingt es aber trotzdem so, als würden sie jedem einen Aufenthalt in Mexiko empfehlen können?

FW: Ja, das ist auch so. Ich kann einen Auslandsaufenthalt in Mexiko nur empfehlen. Das Land ist sehr vielfältig, die Natur unglaublich beeindruckend, die Leute sehr herzlich und offen, Mexico City sicher und aufregend, die Uni familiär und lehrreich und die Studiengebühren im Vergleich zu den USA ein Witz.

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert