„Schließlich sind die Schleswig-Holsteiner ganz einfach sympathische Menschen - da kann eigentlich nichts schief gehen.“

Kiel, 10.06.2010

„Schließlich sind die Schleswig-Holsteiner ganz einfach sympathische Menschen - da kann eigentlich nichts schief gehen.“ Prof. Dr. Albrecht Mährlein, seit dem 01. März 2010 Professor für Agrarökonomie, ist ein waschechter Norddeutscher und mag sowohl die Nähe zu einer Großstadt als auch die zum Meer.

KJ (Katja Jantz): Was verbinden Sie mit Kiel?

AM (Albrecht Mährlein): Zuerst einmal viele nervige Fahrten auf der A1 und auf der A7 mit langen Staus vor dem Elbtunnel - und hohen Spritkosten. Das ist aber selbstverständlich nur auf die Zeit beschränkt, bis ich mit meiner Familie den Wohnsitz in die Nähe von Rendsburg verlegt habe. Ansonsten mögen meine Frau und ich sowohl die Nordsee als auch (speziell meine Frau) die Ostsee, sodass wir Kiel vor allem mit der Lage am Meer verbinden. Grundsätzlich halte ich es speziell aus kultureller Sicht auch immer für vorteilhaft, nicht allzu weit von einer Großstadt entfernt zu leben. Daher bin ich sowohl auf Kiel als auch auf Rendsburg gut zu sprechen. Und schließlich sind die Schleswig-Holsteiner ganz einfach sympathische Menschen - da kann eigentlich nichts schief gehen.

KJ: Warum haben Sie sich für die FH Kiel entschieden?

AM: Ich bin durch und durch Norddeutscher, eine andere Lage kam nicht in Betracht. Kiel bzw. Osterrönfeld hat sich für mich aber letztlich aus zwei ganz einfachen Gründen ergeben: Zum einen habe ich bereits seit einigen Jahren einen Lehrauftrag an der CAU, der mir sehr viel Spaß macht, und zum anderen war hier an der FH ganz einfach die Professur ausgeschrieben. Es gab für mich nicht viel zu überlegen.

KJ: Was wollen Sie den Studierenden vermitteln?

AM: Mir liegt viel daran, ihnen zu zeigen, dass ein solides Grundlagenwissen unerlässlich ist. Wenn Grundlagen fehlen, ist es immer sehr schwierig, sich an kompliziertere Dinge heranzuwagen und diese zu verstehen.

Insgesamt möchte ich die Studierenden durch meine Lehrveranstaltungen motivieren, sich mehr für die Ökonomie zu interessieren, denn letztlich dreht sich am Ende doch alles (leider) nur um das liebe Geld. Und es ist schade, wenn betriebliche Existenzen aufgrund fehlenden Wissens um wirtschaftliche Zusammenhänge in Gefahr geraten.

KJ: Warum haben Sie Ihr Studium gewählt?

AM: Ich bin auf dem elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und habe - gemeinsam mit meinen Geschwistern - bis weit in die Zeit des Studiums hinein leidenschaftlich an der Bewirtschaftung mitgewirkt. Im Grunde stand nie eine andere Studienrichtung als die der Agrarwissenschaften zur Diskussion. Daran hat auch die Tatsache nichts ändern können, dass ich nicht als Hofnachfolger in Frage kam (ich habe zwei ältere Brüder), denn mir war bereits sehr früh bekannt geworden, dass den „Agrariern“ auch außerhalb der praktischen Landwirtschaft ein weites Betätigungsfeld offen liegt.

KJ: Wie lautet das Thema Ihrer Dissertation?

AM: „Einzelwirtschaftliche Auswirkungen von Naturschutzauflagen“. Mitte der 1980er Jahre begann eine Welle an Naturschutzgebietsausweisungen. Da in Naturschutzgebieten die landwirtschaftliche Flächenbewirtschaftung an Bewirtschaftungsbeschränkungen gebunden ist, ergaben sich für von Schutzgebieten betroffene Landwirte wirtschaftliche Verluste, die entschädigt werden mussten. Das Thema ist auch heute noch brandaktuell.

KJ: Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer bisherigen Tätigkeiten?

AM: Durch meine intensive Beschäftigung mit der Thematik „Extensivierung der Landwirtschaft aus Gründen des Naturschutzes“ hatte ich in eine Marktlücke im Bereich des Sachverständigenwesens erschlossen. Nach meiner Zeit als Hochschulassistent konnte ich mich also ohne Probleme als landwirtschaftlicher Gutachter selbstständig machen. Seit 1997 war ich hauptberuflich als Sachverständiger (öffentlich bestellt und vereidigt) für landwirtschaftliche Bewertungen tätig.

Nach meinem Weggang von der Universität Göttingen habe ich parallel zu meiner überwiegenden Selbstständigkeit zudem durchgehend an verschiedenen Forschungsprojekten mitgearbeitet und hierbei die Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Naturschutz vertreten. Eines der Projekte läuft derzeit noch unter meiner Mitwirkung, allerdings im letzten Projektjahr.

KJ: Wie würden Sie einem Fachfremden Ihr Arbeitsgebiet erklären?

AM: Mein Arbeitsgebiet ist die Agrarökonomie mit der speziellen Ausrichtung auf Unternehmensführung, Management und Taxation (Bewertung). Grundsätzlich umfasst die Agrarökonomie die drei Schwerpunkte Agrarpolitik, Marktlehre und landwirtschaftliche Betriebslehre. Meine Bereiche beziehen sich auf die Betriebslehre, d. h. auf die Ebene des einzelnen Betriebes.

Ich möchte die Studierenden zum einen darauf vorbereiten, landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich so „durchleuchten“ zu können, wie es für Handwerks- oder Gewerbebetriebe bereits seit langem eine Selbstverständlichkeit darstellt. Sie sollen also lernen, eine vollständige Betriebsanalyse durchzuführen, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Verbesserungsbedarf und betriebliche Wachstumsschritte bewerten und planen zu können. Zum anderen sollen die Studierenden aber auch die heute obligatorischen Managementfähigkeiten vermittelt bekommen, die sie benötigen, um bspw. als Verwalter, Arbeitsgruppen- oder Abteilungsleiter tätig werden zu können.

Erwiesenermaßen besteht gerade auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft der größte „Nachholbedarf“ bei den Betriebsleitern. Es warten also noch erhebliche Einkommensreserven in den Betrieben darauf, erschlossen zu werden.  

KJ: Was erwarten Sie von Ihrer ersten Zeit an der FH Kiel?

AM: Ich habe als Hochschulassistent und als Lehrbeauftragter bereits Erfahrungen mit der Lehre und weiß, dass Lehrveranstaltungen, die man völlig neu ausarbeiten muss, mit einem Arbeitspensum verbunden sind, das leicht unterschätzt wird. Deswegen rechne ich erst einmal damit, dass sehr viel Arbeit auf mich zukommt. Da mir die Lehre grundsätzlich aber sehr liegt, freue ich mich schon auf die Vorlesungen und darauf, auch Fächer zu unterrichten, die bisher nicht mein Schwerpunkt waren.

Und durch den sich für mich ergebenden Wechsel von Niedersachsen nach Schleswig-Holstein wird sich mein „Horizont“ sicherlich nicht zu meinem Nachteil erweitern...

Kurzbiographie

seit März 2010 Professor für Agrarökonomie mit dem Schwerpunkt Unternehmensführung und Agrarmanagement an der FH Kiel

seit 2007 Durchführung eines Lehrauftrages an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel; Lehrveranstaltung „Grundlagen der Taxationslehre“

seit 2000 Selbstständiger landwirtschaftlicher Sachverständiger mit eigenem Büro in Dötlingen-Neerstedt (Niedersachsen)

1998 – 2000 Mitarbeiter im ldw. Sachverständigenbüro K.-D. Stock, Neuss

1997 – 1998 Mitarbeiter im Referat „Umweltrecht und Umweltrechtspolitik“ des Deutschen Bauernverbandes in Bonn (Volontariat)

1989 – 1997 Wissenschaftlicher Assistent am Forschungs- und Studienzentrum für Veredlungswirtschaft Weser-Ems des Fachbereichs Agrarwissenschaften der Universität Göttingen in Vechta; in dieser Zeit regelmäßige Durchführung der betriebswirtschaftlicher Lehraufträge („Ökonomie der Tierproduktion“ und „Ökonomie der pflanzlichen Produktion“)

1989 Abschluss des Promotionsverfahrens / Thema der Dissertation: „Einzelwirtschaftliche Auswirkungen von Naturschutzauflagen“

1985 – 1989 Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Doktorand) am Institut für Agrarökonomie der Georg-August-Universität Göttingen, Abt. Landwirtschaftliche Betriebslehre, Lehrstuhl Prof. Dr. Manfred Köhne

1984 – 1985 Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Dr. Manfred Köhne, Universität Göttingen

1979 – 1984 Studium am Fachbereich Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen: Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus / Abschluss: Diplom- Agraringenieur

1977 – 1979 Ausbildung zum Landwirt (ldw. Lehre)

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert