„Ich hoffe, dass ich viele junge Leute bei ihrer Studienfachwahl unterstützen kann."

Kiel, 21.06.2010

 „Ich hoffe, dass ich viele junge Leute bei ihrer Studienfachwahl unterstützen kann“, sagt Anna-Maria Utzolino. Die neue Mitarbeiterin der Zentralen Studienberatung freut sich über die positive Stimmung auf dem Campus und auf ihre neue Aufgabe.

KJ (Katja Jantz): Sind Sie eine echte Kieler Sprotte?

AMU (Anna-Maria Utzolino): Nein, nicht direkt. Ich wurde nicht hier in Kiel geboren, bin aber Schleswig-Holsteinerin. Groß geworden bin ich gewissermaßen im Wasser, nämlich auf der Nordseeinsel Föhr.

Anna-Maria Utzolino
Arbeitet gern mit erwachsenen Menschen: Anna-Maria Utzolino

KJ: Sie haben zunächst eine Ausbildung als Erzieherin absolviert und danach an der FH Kiel – damals noch in der Diesterwegstraße - Sozialpädagogik studiert. Welches Ziel hatten Sie vor Augen?

AMU: Das Gute am Beruf der Sozialpädagogin sind die zahlreichen Möglichkeiten mit vielen verschiedenen Menschen unterschiedlicher Altersstufen zu arbeiten. Meine Studienschwerpunkte waren „Gesundheit und Rehabilitation“ sowie „Soziale Arbeit mit Frauen“. Ich wollte immer gerne mit erwachsenen Menschen arbeiten.
Im Anschluss an mein Studium habe ich aber zunächst ein Jahr Berufspraktikum an einer Grundschule absolviert, und dabei auch den erforderlichen Verwaltungsteil. Direkt danach habe ich dann einen sehr guten Job in der Wohnungslosenhilfe gefunden.

KJ: Worin bestand Ihre Arbeit mit den wohnungslosen Menschen?

AMU: Ich habe mich für einen kirchlichen Träger damit befasst, Menschen in besonderen sozialen Lebenslagen durch stationäre, individuelle Hilfen gesellschaftlich zu reintegrieren beziehungsweise zu integrieren. Bei meiner Arbeit habe ich gesehen, wie schnell man aus einer relativ normalen Biografie gesellschaftlich abrutschen kann. Die Personen, die ich betreut habe, waren nicht ausschließlich wohnungslos. Meist gibt es eine ganze Problembündelung aus verschiedenen Bereichen: Armut, Langzeitarbeitslosigkeit, Mangel an Gesundheit, psychische Probleme, Suchtmittelabhängigkeit, Verschuldung und Straffälligkeit. Inhaftierte Menschen beispielsweise haben natürlich Schwierigkeiten sich aus der Justizvollzugsanstalt heraus eine Wohnung zu suchen. Häufig sind diese dann direkt nach ihrer Entlassung erst einmal zu uns in die stationäre Einrichtung gekommen.

KJ: Welcher Aspekt dieser Arbeit war für Sie besonders wertvoll?

AMU: Es hat mich tief beeindruckt wie Menschen so schwierige Lebensverhältnisse überhaupt aushalten können. Für mich war ganz besonders wichtig zu sehen, dass man mit geeigneten Hilfen eine deutliche Verbesserung der Situation dieser Menschen erreichen kann.

KJ: Gibt es ein besonders schönes Ereignis aus dieser Zeit, das Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?

AMU: Eine sehr wichtige Hilfsmöglichkeit liegt in der Förderung der beruflichen Situation oder der Ausbildungsperspektiven der Betroffenen. Mir ist ein Mann im Gedächtnis geblieben, der 38 Jahre alt war und Analphabet. Er hatte als Kind keine Gelegenheit, schulisch voranzukommen, musste zu Hause sehr viel helfen und seine kranke Mutter pflegen. Niemand hat sich um seine Ausbildung gekümmert und ihm geholfen. Er hatte den ganz großen Wunsch, noch lesen und schreiben zu lernen.
Meine Aufgabe war es unter anderem, für ihn die Kostenträgerschaft einer solchen Alphabetisierungsmaßnahme zu organisieren, seine im Gegenzug natürlich, dort regelmäßig hinzugehen und zu üben. Und er hat es geschafft. Heute liest er regelmäßig die Zeitung und möchte nun eine Ausbildung machen. Das ist ein sehr schönes Erfolgserlebnis.

Grundsätzlich gibt es in diesem Bereich gute und viele Erfolgserlebnisse, man darf nur die Ziele nicht zu hoch hängen. Kleine Etappen sind aber durchaus zu schaffen, und das ist sehr wichtig.

KJ: Was hat Sie dazu bewogen, an die FH Kiel zu wechseln?

AMU: Ich habe diese wichtige und schöne Arbeit 13 Jahre lang gemacht und verspüre einfach den Wunsch, jetzt einmal etwas Neues zu machen. Dabei kann ich hier gut an meine bisherige Tätigkeit anknüpfen, denn so weit davon weg sind die neuen Aufgaben gar nicht. Es geht bei Problemen immer darum herauszufinden, welche Fähigkeiten und Wünsche jemand hat und dann einen Weg zu finden, diese Ziele zu erreichen.

KJ: Welche Aufgaben übernehmen Sie im Team der Zentralen Studienberatung?

AMU: Ich bin als Diplom-Sozialpädagogin eingestellt und übernehme beispielsweise die Beratung für Studierende - bei persönlichen Problemen, Studienfachwechsel, Motivationsschwierigkeiten oder bei Gedanken an einen Studienabbruch. Die Studentinnen und Studenten rufen hier an, um sich einen Beratungstermin für ein persönliches Gespräch zu sichern.
Zu meinen Aufgaben gehört auch eine Orientierungsberatung für Studieninteressierte, also z. B. Schülerinnen und Schüler aus den Abgangsklassen. Ein weiterer Bereich ist die Konzeption und Durchführung von Informationsveranstaltungen wie Schulbesuchen, Studieninformationswochen und Messeständen, zum Beispiel auf der „nordjob“ in Kiel und Neumünster.

KJ: Was gefällt Ihnen bei Ihrer Arbeit hier bisher am besten?

AMU: Die positive Stimmung hier auf dem Campus. Alle sind nett und gut gelaunt, und ich habe den Eindruck, dass es den Studierenden hier sehr gefällt - das ist einfach schön.

KJ: Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche Zukunft?

AMU: Ich wünsche mir eine gute Zusammenarbeit mit den neuen Kolleginnen und Kollegen und mit den vielen Studierenden. Und ich hoffe, dass ich viele junge Leute bei ihrer Studienfachwahl unterstützen und ihnen bei persönlichen Problemen weiterhelfen kann.

KJ: Draußen scheint heute so schön die Sonne. Was machen Sie am Wochenende, wenn sich das Wetter hält?

AMU (lacht): Ich esse Erdbeeren und denke nicht an die Arbeit.




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  Diese Seite wurde zuletzt am  29.10.2014  aktualisiert