Lernen fürs Leben: Das European Project Semester (EPS)

Kiel, 29.06.2010

Er lerne sehr gern, erzählt Nicolas Pueppke mit einem schüchternen Lächeln – Lernen sei sogar das, was ihn an seinem Studium „Civil Engineering“ (Bauingenieurwesen) am besten gefiele. Normalerweise macht er das an der Michigan Technology University in Houghton, USA. Was also möchte Nicolas Pueppke hier in Kiel?

Er lernt – und zwar fürs Leben. Der 21-Jährige weiß genau, dass ein erfolgreich abgeschlossenes Studium allein längst nicht mehr Garantie für beruflichen Erfolg ist: Praxisbezüge, Fremdsprachenkenntnisse und Soft Skills sind mittlerweile ein Muss in jedem Lebenslauf. An seiner Universität in Houghton sind Praxiserfahrungen im Lehrplan allerdings nicht ausdrücklich vorgesehen. „Wir müssen uns selbst darum kümmern, beispielsweise durch Internships oder Praktika. Bisher hatte ich noch nichts in der Art gemacht“, erzählt Nicolas Pueppke.

Nicolas Pueppke
Hat das EPS für sich entdeckt: Nicolas Pueppke

Und um das zu ändern, machte sich der Amerikaner schlau und entdeckte auf der study abroad-Website seiner Uni ein passendes „Allround-Paket“ für seine Zwecke: das European Project Semester (EPS) . Aufgeteilt in Teams setzen Studierende aus aller Welt ihr theoretisches Wissen in einem dreimonatigen Industrieprojekt in die Tat um – meist in einem fremden Land, z. B. im norwegischen Oslo, im französischen Tarbes oder im spanischen Valencia.

Nicht gerade unattraktive Orte, warum also hat sich Nicolas Pueppke für Deutschland und damit für Kiel entschieden? „Ich bin die Sprache gewohnt, und der Fachbereich Maschinenwesen der FH Kiel ist der einzige deutsche Standort für EPS“, erklärt er in fast akzentfreiem Deutsch. Der dunkelhaarige Student ist zweisprachig aufgewachsen: Seine Mutter stammt aus der Nähe von Düsseldorf, sein Vater ist gebürtiger Amerikaner. Im Alltag hier - in der Stadt oder im Studentenwohnheim - spricht er gern mit den Einheimischen. Das trainiere ganz gut, findet er.

Projektsprache ist jedoch Englisch. Gemeinsam mit vier internationalen Kommilitoninnen und Kommilitonen arbeitete Nicolas Pueppke seit Mitte März am Projekt „Linoprint“, einem Innovationsprojekt für Digitaldruck der Heidelberger Druckmaschinen AG. Speziell in den Bereichen Wettbewerb, Vertriebskanäle und Marketingmaterial sollte das Team das Unternehmen unterstützen.

Wolfgang Boppel und Nicolas Pueppke
Beim wöchentlichen Treffen: Wolfgang Boppel und Nicolas Pueppke (rechts)

Dank der vierwöchigen Vorbereitung in Projektmanagement, Marktforschung oder Marketing konnte sich die Gruppe weitgehend selbstständig organisieren. „Wir haben einen Projektplan ausgearbeitet und uns aufgeteilt. Ich habe zum Beispiel mit zwei anderen Excel-Tools erstellt, zur Kalkulation des Tintenverbrauchs digitaler Druckmaschinen“, erklärt Nicolas Pueppke. „Die beiden übrigen Teammitglieder waren für eine Analyse des Internetauftritts und der Distributoren, der Großhändler, zuständig.“ Per E-Mail und bei den wöchentlichen Treffen standen Prof. Dr. Sönke Schmidt vom Fachbereich Maschinenwesen und Wolfgang Boppel, Kontaktmann bei Linoprint, den Studierenden immer mit Rat und Tat zur Seite.

Über der spannenden Arbeit sind die vergangenen Monate schnell verflogen: Offiziell ist das diesjährige EPS nun vorbei. Besonders viel Spaß hatte Nicolas Pueppke an der Teamarbeit, auch wenn es manchmal schwierig war, alle Vorschläge unter einen Hut zu bringen. Aber gerade diese Erfahrung sei für seine berufliche Zukunft sehr wichtig, weiß der Student. Ein bisschen mehr Zeit für die Aufgaben hätte er sich gewünscht: „Dann hätten wir es noch besser machen können. Die Tools beispielsweise sind zwar so ziemlich fertig, aber noch nicht richtig getestet.“

Vor gut einer Woche hat das Linoprint-Team dem Projektpartner seine Ergebnisse vorgestellt, die Nacht davor haben alle durchgearbeitet. Doch die harte Arbeit hat sich gelohnt, das Unternehmen war sehr zufrieden: „Unsere Analyse ihrer Website ist super angekommen - da soll nun viel verändert werden. Und die Tools werden, glaube ich, sehr hilfreich sein. Auch wenn nicht all unsere Vorschläge umgesetzt werden, haben wir auf jeden Fall einen guten Eindruck gemacht“, freut sich Nicolas Pueppke.

Und wie sieht sein Resümee der vergangenen sechs Monate aus, hat sich der Sprung über den großen Teich für ihn gelohnt? „Auf jeden Fall. Wenn ich noch einmal die Chance habe, im Ausland zu studieren, werde ich sie nutzen. Ich habe gute Freunde gefunden und sehr viel für meine berufliche Zukunft gelernt.“

Katja Jantz




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  Diese Seite wurde zuletzt am  12.01.2018  aktualisiert