Die Fachhochschule Kiel hat die Lizenz zum Funken

Kiel, 07.07.2010

Was verbindet einen Astronauten mit Holger Schukies, Henrik Pfeifer und Lars Dieckmann von der Fachhochschule Kiel? Ganz klar: Der Amateurfunk.

Dipl.-Ing. Holger Schukies, Funkamateur Henrik Pfeifer und Funkamateur Lars Dieckmann
Die drei Funker der Fachhochschule Kiel auf dem Dach des Gebäudes 6

Vor etwa 25 Jahren wurde vom Fachbereich Informatik und Elektrotechnik die Funk-AG an der FH Kiel gegründet. Mit dem Rufzeichen „DL0FHK“ war von da an eine weltweite Verbindung möglich. Heutzutage sind an der Hochschule drei Funker aktiv: Dipl.-Ing. Holger Schukies, seit 2001 zuständig für die Clubstation sowie Funkamateur Henrik Pfeifer, Student der Informationstechnologie und Internet und Funkamateur Lars Dieckmann, der E-Technik studiert.

Wenn die Zeit es erlaubt, treffen sich die Funker unter dem Dach des Gebäudes 6. An den Wänden der Clubstation hängen eine Landkarte von Deutschland sowie eine Weltkarte. Über dem Clubraum auf dem Dach ist eine Solaranlage und eine kleine Windkraftanlage installiert, die als einzige Stromzufuhr die Funker mit der nötigen Energie versorgen können.

Postkarten
Bunte Postkarten von Amateurfunkern aus aller Welt

Wer meint, die Funkerei sei reine Spinnerei und habe mit einer Hochschule nichts zu tun, der irrt: „Das Funken ist eine praktische Erprobung der Theorie, die hier unterrichtet wird“, so Schukies. Den Diplomingenieur reizt das Funken nicht nur, weil sich die Technik immer weiterentwickelt: „Es ist erstaunlich, mit welch kleinen Mitteln eine Verbindung aufgebaut werden kann. Mit Leistungen im Handybereich können wir europaweit funken. Knapp 10 Watt und einige Meter Draht als Antenne reichen oft aus um den Atlantik zu überqueren. Das Funken funktioniert direkt, ohne Server und ohne Internet.“

Den drei Amateurfunkern stehen für ihr Hobby alle Geräte zur Verfügung, von Messmitteln, Antennen bis zu den Funkapparaten: „Wir kommunizieren über Sprechfunk, Tastfunk und Datenfunk. Die Spielarten sind hier unbegrenzt. Man kontaktet und redet mit anderen Menschen. Das Tolle dabei ist, dass jeder Funker den anderen versteht, denn eigentlich wird sich mit einem Sprachengemisch aus Deutsch, Französisch und Englisch verständigt. Ansonsten nutzt man Abkürzungen, um sich auszutauschen. So kann beispielsweise mit einem Chinesen eine Unterhaltung aufgebaut werden - der weiß dann sofort, was man möchte“, so Student Henrik Pfeifer.

Henrik Pfeifer und Lars Dieckmann
Henrik Pfeifer und Lars Dieckmann starten einen allgemeinen, weltweiten Anruf

Die Funkkürzel bestehen entweder aus Buchstaben oder aus Zahlen. So bedeutet „55“ das Übersenden von besten Grüßen und „99“, bitte Verschwinden. Frauen tauschen „88“ aus und übersenden damit liebe Grüße und Küsschen.

Beschreibt Pfeifer die Arbeit eines Amateurfunkers, dann braucht er nur wenige Worte: „Man setzt sich hin, die Kopfhörer auf und dreht an den Frequenzen - wie an einem Radioknopf. Dann wird geschaut, ob eine Station einen allgemeinen Anruf startet oder man sucht sich eine freie Frequenz und startet selbst einen allgemeinen, weltweiten Anruf. Jetzt muss nur noch auf eine Antwort gewartet werden und das kann manchmal länger dauern.“

Zurzeit bessern sich die Funk-Wetterbedingungen für Fernverbindungen, da die Ausbreitungsbedingungen von den Sonnenflecken abhängen und sobald das Sonnenfleckenmaximum erreicht ist, viel Sonnenwind- also Partikelstrahlung auf die Erde kommt, die die obersten Atmosphärenschichten auflädt – vergleichbar mit einem Hohlspiegel, der Funkwellen reflektiert. Schukies ist begeistert von der Rechweite, die man dadurch erlangen kann: „Das Weiteste, was ich mal geschafft habe, war es, mich selbst zu hören. Unglaublich, denn das geht dann einmal um die Erde.“ 

Die Stromversorgung im Nebenraum
Die Stromquelle: Hier sammelt sich der Strom der Solaranlage und der kleinen Windkraftanlage, um dann die Funkgeräte mit dem nötigen Strom zu versorgen

„Freaks benutzen den Mond, Polarlichter oder die Venus als Reflektor und haben Antennen dafür im Garten. Mit der richtigen Ausrüstung kann alles genutzt werden“, wirft Pfeifer ein.

„Es ist toll, dass auf der anderen Seite ein Bäcker sitzen kann, den das interessiert, oder auch ein Astrophysiker. Jeder deutschsprachige Astronaut hat nebenbei noch ein Amateurfunkrufzeichen. So soll zum Beispiel der letzte vergessene Astronaut, der bei dem Zusammenbruch der Sowjetunion noch oben war,  viele Informationen über Amateurfunk erfahren haben. Durch seine Kontakte in der Rufliste konnte er auf dem Laufenden gehalten werden und überhaupt erst Einzelheiten erfahren, was geschehen war. Insgesamt war er wohl rund ein Jahr dort oben“, schmunzelt Schukies.

Den Astronauten haben die Funker noch nicht angetroffen – dafür sind  aber persönliche Kontakte bei regelmäßigen Treffen des Ortsverbandes mit Funkern aus ganz Schleswig-Holstein entstanden. Ansonsten treffen sich die Funkamateure z.B. beim Field-Day. „Der Field-Day ist Wettbewerb und Übung zugleich, da 24 Stunden lang Funkbetrieb ohne Stromnetz getätigt werden muss. Bei dem 11. Europatag der Schulstationen konnte Henrik Pfeifer mit DL0FHK in diesem Jahr den 3. Platz erzielen. Ansonsten heißt es unter Funkern immer: ´Wir sind alle Freunde, die sich nur noch nicht gesehen haben`“, verabschiedet sich Holger Schukies.

Zu der Homepage der drei Funkamateure der FH Kiel gelangen Sie hier

Vera Nick




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  Diese Seite wurde zuletzt am  23.06.2017  aktualisiert