Prof. Dr. Rolf Schulmeister
Was müssen wir über Unterschiede im Studienverhalten wissen, besonders im Selbststudium?
Wahrscheinlich ist keiner von uns Lehrenden der Meinung, alle Studenten sind gleich. Und doch lehren wir häufig so, als wären sie es. Manchmal bleibt uns auch nichts anderes übrig, die Rahmenbedingungen diktieren es uns.
Dennoch ist es sinnvoll, sich über die Verschiedenheit der Studierenden zu informieren, vor allem über ihr unterschiedliches Studienverhalten und besonders beim Selbststudium. Denn manchmal gelingt es uns mit dem Wissen im Hintergrund, andere Methoden zu wählen und differenzierte Zugänge zum Lehren und Lernen zu finden.
Was macht die Diversität der Studierenden aus? Der Vortrag geht auf Forschungen zu einigen lernrelevanten Variablen ein, die die Diversität der Studierenden ausmachen: Motivation, Kognition und Lernstile, Mediennutzung und Selbstorganisationskompe-tenz. Und er geht auf Erkenntnisse ein, die wir aktuell im Projekt ZEITLast zum unterschiedlichen Verhalten der Studierenden im Selbststudium gefunden haben.
Warum ist die Diversität der Studierenden ein wichtiges Thema? Sie hat Folgen für die Gestaltung des Unterrichts, die von der Rücksicht auf differierende Lernerfahrungen bis zur Gestaltung von Lehrmethoden reichen.
Dipl.-Ing. Wibke Derboven, Prof. Dr. Gabriele Winker
Studienkonflikte und Studienabbruchgründe in den Ingenieurwissenschaften – Welche Vorschläge für gute Lehr-/Lernumgebungen lassen sich daraus ableiten?
Gut die Hälfte der Studienanfänger_innen in den Ingenieurwissenschaften verlässt das Studium ohne Abschluss. Um Antworten auf die Frage nach den Ursachen zu finden, haben wir in einer geschlechtersensitiven Studie zunächst 40 Studienabbrechende der großen technischen Universitäten in Deutschland interviewt und anschließend 700 Studienabbrechende per Fragebogen befragt. Deutlich wurde, dass die Gestaltung der Lehre einen hohen Einfluss auf die Studienabbruchquote hat.
Der Vortrag stellt eine aus unserer Studie erarbeiteten Typologie von Studienabbrechenden vor und leitet daraus Konsequenzen für die Gestaltung der Lehr- und Lernumgebung technischer Studiengänge ab. Unsere Gestaltungsvorschläge werden auch vor dem Hintergrund des Diskurses zum lebenslangen Lernen reflektiert.
(Vortrag als Flash-Film)
Dr. Sabine Hoidn
Lernkompetenzen an Hochschulen fördern
Kontinuierliche gesellschaftliche Veränderungen, die rasante Ausbreitung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die Herausforderungen der heutigen Wissensgesellschaft tragen dazu bei, dass die Förderung der Lernkompetenz als Schlüsselkompetenz für ein lebenslanges Lernen immer wichtiger wird. Dieser Beitrag stellt einen Bezugsrahmen zur Lernkompetenzförderung an Hochschulen vor, der auf der Basis von explorativen Fallstudienuntersuchungen an einer deutschen, amerikanischen und schweizerischen Hochschule entwickelt wurde. Es werden Lernkompetenzanforderungen ausgewiesen sowie am Beispiel eines eigenen universitären Seminars Möglichkeiten zur instruktionalen Unterstützung und Förderung von Lernkompetenzen aufgezeigt.
(Vortrag als Flash-Film)
(Präsentation des Vortrags zum Download)
Dr. Birgit Szczyrba und Susanne Gotzen
Educational Diversity: Diversität nutzen – Kompetenz entwickeln.
Erfolgreich ist, wer kompetent mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten umgehen kann, also auch über methodische, soziale und persönliche Kompetenzen verfügt. Studierenden mit unterschiedlichsten Bildungshintergründen, Lernbiografien, Kulturen und Altersgruppen ist eins gemeinsam: wenn sie sich ihrer Kompetenzen bewusst sind und diese gezielt verbessern, fällt ein erfolgreiches Studium und der spätere Start ins Berufsleben leichter. Darauf soll sich auch die Lehre ausrichten, denn Lehre ist nicht mehr nur fachliche Wissensdarbietung sondern Lernbegleitung und Kompetenzerwerbsförderung vor dem Hintergrund verschiedener Fachkulturen.
Um die Entwicklung der überfachlichen Kompetenzen zu unterstützen, hat die FH Köln KomPASS entwickelt - einen Selbsttest und ein Entwicklungsinstrument für Studierende. Er soll die Studierenden dabei unterstützen, ihre Schüsselkompetenzen zu erkennen und weiter zu entwickeln. Der KomPass bietet dazu folgendes an:
· Kompetenzcheck - Ein Test zur Analyse von Kompetenzen (methodische, soziale, persönliche)
· Kurzanleitung, wie man gezielt an den eigenen Kompetenzen arbeiten kann
· Materialien, um diesen Prozess zu dokumentieren
Darüber hinaus unterstützt insbesondere die Einbindung des KomPASS in die Lehre die individuelle Kompetenzentwicklung der Studierenden. Seit diesem Jahr werden dazu Lehr/Lernszenarien entwickelt, erprobt und evaluiert.
Wie die Lehrenden der FH Köln als Begleiter der Kompetenzentwicklung unterstützt und beraten werden, zeigt das Projekt LUPE (Lehren und Prüfen exzellent). LUPE arbeitet mit Lehrenden einzeln oder in Teams am kompetenzorientierten „Semesterbogen“:
· Anfang und Ende gehören zusammen: Kompetenzorientierte Lehrzielformulierung und Prüfungsformen, die Kompetenzen abbilden können
· Was liegt auf dem Weg?: Lernarrangements, die die Kompetenzen herausfordern und in Etappen sichtbar machen
KomPASS und LUPE sind Bestandteil des Programms Educational Diversity, das die Unterschiede und Vielfalt ihrer Studierenden und Lehrenden begrüßt und für die Kompetenzentwicklung nutzt (www1.educational_diversity.de).
André Nowakoswski
BEvaKomp – Kompetenzorientierte Lehrevaluation
Der Kompetenzerwerb in relevanten Bereichen ist eine zentrale Frage im Rahmen zukünftiger Qualitätssicherung der Hochschullehre. Durch die Einführung eines Deutschen Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen (DQR) wird dieser Fokus noch verstärkt. Ziel ist es, Gleichwertigkeiten und Unterschiede von Qualifikationen transparenter zu machen. Dabei berücksichtig der DQR hinsichtlich der Fach‐ und Personalkompetenzen acht Niveaustufen, welche zur Erlangung einer Qualifikation erforderlich sind (Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen, 2010).
Im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin wurde das Berliner Evaluationsinstrument für selbsteingeschätzte studentische Kompetenzen (BEvaKomp) entwickelt (Braun, Gusy, Leidner, Hannover, 2008) ‐ ein Instrument, das den Kompetenzzuwachs der Studierenden durch den Veranstaltungsbesuch abbildet. Die Einschätzungen der Studierenden beziehen sich dabei auf die Erhebung mit sogenannten Ergebnisdaten, die den Outcome erfassen und somit den Erfolg einer Lehrveranstaltung widerspiegeln. Die Kompetenzzuwächse werden über Selbsteinschätzungen der Studierenden erhoben, wodurch der individuelle Nutzen der Lehrveranstaltung direkt erfragt wird. Da Kompetenzen im Handlungsvollzug erworben und durch soziale Interaktion erweitert werden, wird durch die Erhebung des Kompetenzerwerbes der Lernprozess selbst evaluiert. In diesem Beitrag wird diskutiert, wie deckungsgleich der BEvaKomp mit den Zielen des DQR ist und vor allem, ob und wie das BEvaKomp bei der Organisation der Modulplanung/der Modulhandbücher berücksichtigt werden kann. Dazu werden die Kompetenzbereiche des BEvaKomp vorgestellt und mit denen im DQR verglichen. Zudem wird diskutiert, wie Lehrende und Qualitätssicherungsbeauftragte Hinweise erhalten, welche Kompetenzen in der Hochschullehre relevant sind.
Literatur:
Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen (2010). Vorschlag für einen Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen. URL:
www.deutscherqualifikationsrahmen.de/SITEFORUM [08.02.2011]
Braun, E., Gusy, B., Leidner, B. & Hannover, B. (2008). Kompetenzorientierte Lehrevaluation ‐ Das Berliner Evaluationsinstrument für selbsteingeschätzte, studentische Kompetenzen (BEvaKomp). Diagnostica, 54 (1), 30‐42.
Dr. Christiane Metzger
Keine Zeit im Bachelorstudium? Auf der Suche nach der angemessenen studentischen Workload
Viele Studierende der BA-/BSc-Studiengänge klagen über eine hohe Arbeitsbelastung. Sind die an die Studierenden gerichteten Anforderungen erfüllbar? Wieviel Zeit wenden sie wirklich für ihr Studium auf? Welche Faktoren tragen zur subjektiv empfundenen Belastung bei? Wie kann man das Selbststudium besser in die Präsenzlehre integrieren?
Im Workshop werden Ergebnisse des BMBF-Projekts ZEITLast vorgestellt, das die Studierbarkeit – insbesondere die Workload – von BA-/BSc-Studiengängen untersucht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Studien dieser Art wurden die Daten nicht durch Befragungen, sondern durch Zeitbudget-Analysen erhoben: Die Probandinnen und Probanden halten über fünf Monate eines Semesters täglich in einem Online-Erfassungsbogen fest, für welche Studientätigkeit sie wieviel Zeit aufwenden. Darüber hinaus werden im Rahmen von ZEITLast hochschuldidaktische Interventionen entwickelt und erprobt, die Möglichkeiten für die Verbesserung von Lehr- und Studienbedingungen in Bezug auf Lehrorganisation, Methodik, Didaktik und Prüfungswesen aufzeigen.
In der Diskussion können die Ergebnisse zum Anlass genommen werden, eigene Erfahrungen mit den „Bolognabedingungen“ – insbesondere in Bezug auf die Workload – auszutauschen und Perspektiven für die Weiterentwicklung der eigenen Lehre zu eröffnen.
Hannah Leichsenring
Studienbezogene Vielfalt der Studierenden und ihre Folgen
Es wird mittlerweile viel darüber geredet, dass neue Zielgruppen – beruflich Qualifizierte, Kinder von Nicht-Akademikern, Menschen mit Migrationshintergrund – für ein Studium gewonnen werden müssen; allerdings gibt es bisher in Deutschland nur wenig Erfahrung damit, wie eine Hochschule sich auf solche Zielgruppen einstellen kann. Zudem zeigt sich, dass die Merkmale, nach denen die neuen Zielgruppen definiert werden, nur bedingt überhaupt studienrelevant sind – oftmals sind es Folgewirkungen solcher äußeren Merkmale, die ebenso für ganz andere Personen relevant werden können: Bspw. nur in Teilzeit studieren zu können, unzutreffende Erwartungen an das Studium und an sich selbst zu richten, Schwierigkeiten bei der Zielfindung oder Berufsorientierung zu haben, die Leistungsanforderungen zu unterschätzen usw.
In Anlehnung an Vincent Tintos Konzept der Adaption an das Studium wurde im Projekt „Vielfalt als Chance“ (Hochschule Bremen, Universität Bremen, Hochschule Hamm-Lippstadt, Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, TU München, Hochschule Ruhr West, Hochschule Zittau/Görlitz; Leitung: CHE Consult im Auftrag der Bertelsmann Stiftung) der Fragebogen QUEST entwickelt, der drei verschiedene Aspekte beleuchtet: erstens verschiedene soziometrische Merkmale der Studierenden (z.B. Bildungsgrad der Eltern, soziale Herkunft, Migrationshintergrund uvam.); zweitens bestimmte psychometrische Merkmale der Studierenden, die für die Anpassung an die Situation im Studium wichtig sind (z.B. Zielorientierung, Identifikation mit dem Studium, Erwartungen an das Studium) und drittens die Einschätzung der Studierenden von besonderen Merkmalen ihrer eigenen Hochschule (z.B. besondere Angebote für studierende Eltern, Beratungsangebote, unterstützende Einrichtungen).
Der Vortrag erläutert einige zentrale Ergebnisse der Befragung und weist auf, welche Möglichkeiten Hochschulen haben, die Anpassung an die Situation im Studium zu erleichtern.
(Vortrag als Flash-Film)
Prof. Dr. Isabel Zorn
Digitale Medien in der Hochschullehre – Abwägungen zwischen Aufwand und didaktischem Mehrwert
Die Möglichkeiten der Lehre mit Digitalen Medien werden allseits verkündet, es mehren sich jedoch auch Stimmen, die den hohen, kaum honorierten zusätzlichen Aufwand anmahnen.
Der Vortrag geht auf aktuelle Studien zu Gründen und Mehrwert des Einsatzes verschiedener Digitaler Medien ein. Ein Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung der neuartigen und überraschenden Effekte ihres Einsatzes bei gleichzeitiger Perspektive auf die Vermeidung nutzlos erhöhten Aufwands. Beispiele aus der Lehrpraxis werden ebenso vorgestellt wie die Handhabung verschiedener kleiner Softwares, die kostenlos für jede/n nutzbar sind und die beispielsweise die Seminarorganisation unterstützen, die Beteiligung der Studierenden erhöhen oder die zu einer erhöhten Effektivität der Nutzung der Präsenzzeit führen können.
(Vortrag als Flash-Film)
Dr. Peter Wex
Kompetenzorientierte Prüfungen
Derzeit werden etwa 11 Millionen Modulprüfungen pro akademischem Jahr von etwa 1,1 Millionen Studierenden (Bachelor, Master) absolviert. Mit jedem Modulabschluß wird bescheinigt, dass der Absolvent fachliche und überfachliche Kompetenzen erworben hat. Mit welchen Prüfungsformen insbesondere die Sozialkompetenzen und personalen Kompetenzen erfasst und festgestellt werden, erschließt sich häufig nicht.
In der deutschsprachigen Bildungsforschung spielt die „richtige“ Prüfungsform eine untergeordnete Rolle. Im Gegensatz dazu sind im angelsächsischen Raum die Zusammenhänge zwischen Lernergebnis, Lehrmethode und Leistungsmessung intensiv erforscht worden (Moon, Biggs). Dort haben die spezifisch herausgearbeiteten Beschreibungen der learning outcomes und ihnen zugeordnet die spezifische Prüfungsform eine entscheidende Bedeutung im Prüfungsgeschehen. Vergleicht man diese Beschreibungen der Lernergebnisse mit den Kompetenzbenennungen in den deutschen Modulen, so wird man oft feststellen müssen, dass den Modulen eine Zuordnung von klar definierten Kompetenzinhalten fehlt. Erworbene und bescheinigte Kompetenzen bilden sich dabei als das Ergebnis von gebündelten, einzelnen Lernergebnissen ab.
Eine gute Lehre im Bologna – Prozeß könnte im Hinblick auf ein transparentes und nachvollziehbares Prüfungsergebnis befördert werden, indem
a) die überfachlichen Kompetenzen ausführlicher und konkreter in Richtung von Lernergebnissen beschrieben und geeignete Methoden der Leistungsbeurteilung entwickelt werden
oder
b) die überfachlichen Kompetenzen außerhalb der Fachmodule entwickelt, gelehrt und geprüft werden, sei es in besonderen Ausbildungsabschnitten oder als Teil einer Abschlussprüfung.
Fazit: Kompetenzen kann man nur prüfen, wenn man zuvor eindeutig formuliert hat, welchen Inhalt die zu erwerbenden Kompetenzen haben.
(Vortrag als Flash-Film)
