„Der Bereich Produktion hat mich schon immer begeistert, weil hier Mensch, Technik und Betriebswirtschaft eng zusammenspielen."

Kiel, 22.03.2010

„Der Bereich Produktion hat mich schon immer begeistert, weil hier Mensch, Technik und Betriebswirtschaft eng zusammenspielen“, erklärt Prof. Dr. Jörg Schmütz. Vertretungsweise hat er die Professur für „Fertigungstechnologie“ bereits im vergangenen Wintersemester übernommen, seit dem 1. März 2011 ist er am Fachbereich Maschinenwesen fest eingestellt.

KJ (Katja Jantz): Was verbinden Sie mit Kiel?  

JS (Jörg Schmütz): Kiel – als Pulsgeber Schleswig-Holsteins und der Ostseeregion – ist für mich eine junge, lebendige Stadt mit einem beeindruckenden Hochschul- und Kulturangebot sowie tollen Freizeitangeboten in einer reizvollen landschaftlichen Umgebung.  

Selbstverständlich verbinde ich mit der Stadt auch die vielfältige Industrie in Norddeutschland, die teils maritim geprägt ist, aber auch viele andere Facetten hat.  

Meine Familie stammt aus dem Raum Kiel und mein Vater hat an der Ingenieurschule am alten FH-Standort in der Legienstraße studiert.

KJ: Warum haben Sie sich für die FH Kiel entschieden?  

JS: Ich durfte bereits im Wintersemester die Lehrveranstaltungen der Fertigungstechnik in Vertretung durchführen und konnte in dieser Zeit viele Eindrücke sammeln.  

Für die FH Kiel sprachen an erster Stelle die gute Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen an der Hochschule und im Institut für CIM Technologietransfer sowie die interessierten, aufgeschlossenen Studierenden, die ich für produktionsnahe Berufe begeistern möchte.   

Auch die Ausstattung mit dem Werkzeugmaschinenlabor im Gebäude 12 und dem CIMTT ist für eine Fachhochschule bemerkenswert.

KJ: Was wollen Sie den Studierenden vermitteln?  

JS: Neben Fachkenntnissen auf dem Gebiet der Fertigungstechnik und Produktionsplanung/-steuerung möchte ich den Studierenden praxisnahes Wissen über die Abläufe in einem Unternehmen vermitteln, um ihnen den Berufseinstieg zu erleichtern.  

Prozesse in Industrieunternehmen sind heutzutage komplex und hochgradig vernetzt. Es ist mir wichtig, den Studentinnen und Studenten aufzuzeigen, dass beispielsweise die Abläufe in Entwicklung, Produktion und Einkauf eng zusammenhängen und ein Unternehmen nur dann Erfolg haben kann, wenn es die gesamte Prozesskette beherrscht. Deshalb muss auch der Konstrukteur schon wissen, was in der Fertigung oder beim Lieferanten mit seiner Zeichnung geschieht und wie sich Produktänderungen auf die gesamte Prozesskette auswirken.  

KJ: Warum haben Sie das Studium der Produktionstechnik gewählt?  

JS: Der Bereich Produktion hat mich schon immer begeistert, weil hier Mensch, Technik und Betriebswirtschaft eng zusammenspielen. So bestimmen Investitionsentscheidungen in eine bestimmte Fertigungstechnologie mit über den wirtschaftlichen Erfolg eines Produktes oder Unternehmens. Ohne gut ausgebildete, hoch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nützt aber die beste Technologie nichts und deshalb sind Qualifizierung und Führung immer ganz wesentliche Erfolgsfaktoren in der Produktion.    

Diese Gründe haben mich dazu bewogen, an der Universität Bremen Produktionstechnik zu studieren, und mich im Hauptstudium auf den Schwerpunkt Fertigungstechnik zu spezialisieren.

KJ: Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer bisherigen Tätigkeiten?  

JS: Schwerpunkt meiner Promotion im Fachgebiet Fertigungsverfahren der Uni Bremen war die Fertigung hochpräziser, optischer Oberflächen durch spezielle zerspanende Verfahren (Diamantdrehen, -fräsen, Schleifen, Polieren). Diese benötigt man beispielsweise zur Herstellung von Spiegeln, Linsen, Teleskopen, medizinischen Augenimplantaten, Solarzellen oder Kameras.  

Danach war ich sieben Jahre lang im Produktionsressort der BMW AG tätig. Dort habe ich zunächst verschiedene Montageabschnitte in der Produktion des 1er/3er BMWs im Werk Regensburg geleitet –  später war ich über mehrere Jahre Projektleiter für die Einführung eines „schlanken“ Produktionssystems in der Fahrzeugmontage. Die vergangenen beiden Jahre durfte ich die Produktionsstrategie für das weltweite BMW-Produktionsnetzwerk als Vorstandsreferent für Strategieentwicklung, Zielemanagement und Wettbewerbsanalyse mitgestalten.  

Von BMW aus bin ich als Bereichsleiter in den Maschinen- und Anlagenbau gewechselt und habe dort die administrativen Prozesse einer großen mechanischen Fertigung geleitet. Ich war verantwortlich für die gesamte Prozesskette vom Vertrieb über die Auftragssteuerung, die Arbeitsvorbereitung bis hin zur Logistik und zum Lieferanten. Zu dieser Funktion gehörte auch die Einkaufsleitung für bestimmte Warengruppen sowie die Investitionsplanung für drei Werke in Deutschland und Osteuropa.

KJ: Wie würden Sie einem Fachfremden Ihr Arbeitsgebiet erklären?  

JS: Es behandelt alle Prozesse, die aus einem Pulver, einer Schmelze oder aus einem Rohmaterial ein Produkt in Form eines geometrisch definierten Körpers entstehen lassen. Viele dieser Prozesse finden sich auch im Haushalt, wie beispielsweise das Zerschneiden eines Papierblattes. Für die industrielle Fertigung müssen diese Abläufe beschrieben und verstanden werden.  

Darüber hinaus umfasst mein Lehrgebiet die Planung und Steuerung einer Produktion. Hierbei legt man fest, mit welchem Werkzeug in welcher Weise und an welchem Ort ein Prozess durchgeführt wird. Zudem sind Rohmaterialien und Produkte so zu steuern, dass sie gegebenenfalls weltweit zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Am Ende der Prozesskette erhält der Kunde termingerecht genau das Produkt, das seinen Anforderungen entspricht.

KJ: Was erwarten Sie von Ihrem zweiten Semester an der FH Kiel?  

JS: Ich möchte meine Lehrveranstaltungen weiterentwickeln, die Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung und den anderen Fachbereichen kennenlernen und erste Projekte in der anwendungsbezogenen Forschung initiieren. Ich freue mich auf die Studierenden und den Semesterbeginn.

Kurzbiographie  

seit Oktober 2010 Professor für „Fertigungstechnologie“ am Fachbereich Maschinenwesen der FH Kiel  

2008 bis 2010 Bereichsleiter für Technologie- und Produktionsservice bei der Baltic Metalltechnik GmbH (HAUNI Maschinenbau AG) in Hamburg-Bergedorf  

2006 bis 2008 Referent für Strategieentwicklung, Wettbewerbsanalyse und Zielemanagement im Vorstandsressort Produktion der BMW AG, München  

2004 bis 2006 Inhouse-Consultant und Projektleiter für die Einführung eines „schlanken“ Produktionssystems in der Fahrzeugmontage, BMW AG, Werk Regensburg

2003 Promotion zum Dr.-Ing. der Produktionstechnik  

2001 bis 2004 Leitung verschiedener Montageabschnitte für den 1er/3er BMW, BMW AG, Werk Regensburg  

1996 bis 2001 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Fertigungsverfahren der Universität Bremen  

1996 Diplom im Studiengang Produktionstechnik an der Universität Bremen, Zweitstudium im Studiengang Wirtschaftswissenschaften

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert