„Studierende sehe ich als Kundinnen und Kunden.“

Kiel, 19.05.2011

„Studierende sehe ich als Kundinnen und Kunden“, sagt Prof. Dr. Peter Franke. Was das für seine Lehre bedeutet, hat der neue Dozent am Fachbereich Wirtschaft Katja Jantz erzählt.

KJ (Katja Jantz): Was verbinden Sie mit Kiel?  

PF (Peter Franke): In Kiel bin ich aufgewachsen, daher verbinde ich natürlich eine Menge Erinnerungen mit der Stadt. Es hat sich viel verändert in den mehr als 20 Jahren, die ich anderswo verbracht habe. Kiel hat sehr gewonnen, finde ich.

Am schönsten ist nach wie vor, dass man hier überall dicht am Wasser ist, und dass Wasser und Luft ständig in Bewegung sind. Das passt zu meiner Disziplin, der Logistik, in der es darum geht, einen möglichst stetigen Fluss von Material und Informationen herbeizuführen. Stillstand ist in der Logistik das Schlimmste, was man sich vorstellen kann.

Peter Franke
Hat in London Economics studiert: Prof. Dr. Peter Franke

KJ: Warum haben Sie an der London School of Economics studiert?  

PF: Nach England bin ich gegangen, weil mir schien, dass man in Deutschland als Studierender auf ziemlich verlorenem Posten steht. Das Studium in England versprach, weniger anonym zu sein.

Internationale Wirtschaftszusammenhänge haben mich immer schon interessiert, deshalb war es für mich fantastisch, an der LSE bei den Großen des Faches studieren zu dürfen. Bei Christopher Pissarides, der letztes Jahr den Nobelpreis erhalten hat, habe ich z. B. Makroökonomik gelernt.

KJ: Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer bisherigen Tätigkeiten?  

PF: Eigentlich fühle ich mich in eigentlich allen Bereichen der Logistik zu Hause, in Forschung, Lehre und Beratung. Besonderes Interesse habe ich an der Logistik in der Kleinserien- und Einzelproduktion. Die hier zu meisternden Herausforderungen sind ganz andere als z. B. in der Automobilindustrie. Mein Doktorvater sagte einmal zu mir: „Kleinserie ist nicht sexy – alle wollen große Serien.“ Es ist aber zu beobachten, dass auch Hersteller großer Serien in Folge höherer Kundenorientierung zunehmend kleinere Serien bestimmter Bauteile benötigen. Daher glaube ich, dass sich die Beschäftigung mit Kleinserien lohnt. Abgesehen davon gibt es viele Produkte, die absolut sexy sind, obwohl sie in kleinen Serien oder in Einzelproduktion hergestellt werden. Z. B. Roboter oder Schiffe.

Ein anderer Schwerpunkt meiner Arbeit ist und bleibt die Beschäftigung mit dem Logistik-Dienstleistungsmarkt, der Gegenstand meiner Promotion war. In der Vergangenheit habe ich in vielen Projekten mit Logistik-Dienstleistungsunternehmen Entwicklungsstrategien und Konzepte erarbeitet.

KJ: Wie würden Sie einem Fachfremden Ihr Arbeitsgebiet erklären?  

PF: Im Kern geht es um den Transport, den Umschlag und die Lagerung von Waren. Die Logistik befasst sich mit der Planung, Steuerung und Kontrolle aller informatorischen und physischen Prozesse, die unternehmensintern und unternehmensübergreifend damit zusammenhängen. Die Bedeutung der Logistik steigt seit Jahren durch die wachsende Globalisierung, durch immer kürzere Produktzyklen und immer komplexere Produkte.    

Aus Sicht der Forschung sind heute vor allem die Möglichkeiten spannend, die uns die Informationstechnik gibt, um globale Warenströme besser zu steuern, z. B. durch den Einsatz von intelligenten Containern, die Auskunft über den Zustand der Ware liefern können. Große Herausforderungen bedeuten auch immer höhere Sicherheitsanforderungen und eine gesteigerte Umweltfreundlichkeit unserer Logistik. 

KJ: Warum haben Sie sich für die FH Kiel entschieden?  

PF: Hier kann ich in idealer Weise mein Wissen und meine Erfahrungen aus der Forschung und der Praxis weitergeben. Die Rahmenbedingungen für die Lehre sind hervorragend. Und ich hatte auf Anhieb das Gefühl, dass ich mich unter den Kolleginnen und Kollegen wohl fühlen und mit ihnen gemeinsam in Forschung und Lehre gut zusammenarbeiten kann.

KJ: Was wollen Sie den Studierenden vermitteln?  

PF: Ich sehe sie als Kundinnen und Kunden, die an ihrer eigenen Transformation vom wissenshungrigen zum wissenden Wesen mitarbeiten. Aber zunächst als Kunden und deshalb werde ich in meinen Vorlesungen versuchen, praxisrelevantes Logistikwissen anhand von möglichst vielen Fallstudien und Simulationen zu vermitteln. Darüber hinaus hoffe ich, dass ich es schaffe, den Studierenden Spaß an der Thematik zu vermitteln, sie neugierig auf mehr zu machen und sie so zu motivieren, sich selbst mit dem Thema weiter zu beschäftigen, sodass sie ihre Transformation beschleunigen.

KJ: Was erwarten Sie von Ihrem ersten Semester an der FH Kiel?  

PF: Ich erwarte eine ganze Menge Arbeit, denn ich hatte zwischen meiner Berufung und dem Beginn der Veranstaltungen nicht viel Zeit, das Semester vorzubereiten. Und ich bin gespannt, wie die Zusammenarbeit mit den Studierenden läuft. Ich freue mich auf Feedback!

Kurzbiographie    

seit März 2011 Professor für Supply Chain Management am Fachbereich Wirtschaft der FH Kiel  

2006 – 2010 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin, Promotion  

2003 – 2006 Geschäftsführer der Unternehmensberatung PFPC KG, Berlin

2001 – 2003 Gruppenleiter im Einkauf der Rolls-Royce Deutschland Ltd. & Co. KG, Dahlewitz bei Berlin

1995 – 2001 Unternehmensberater bei der ZLU Zentrum für Logistik und Unternehmensplanung GmbH, Berlin

1994 – 1995 Masterstudium an der London School of Economics

1991 – 1994 Bachelorstudium an der London School of Economics




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  Diese Seite wurde zuletzt am  03.04.2018  aktualisiert