Teacher of the Year – Prof. Thiemer auf dem Siegertreppchen!

Kiel, 11.10.2011

Studierende des Hochschulverbunds Virtuelle Fachhochschule (VFH), unter dessen Dach auch der Fachbereich Wirtschaft seine Online-Studiengänge anbietet, haben ihre „Teacher of the Year“ gekürt. Wählen konnten sie unter 280 Lehrenden, von denen sie in den vergangenen beiden Semestern (Wintersemester 2010/11 und Sommersemester 2011) unterrichtet wurden. Prof. Dr. Andreas Thiemer vom Fachbereich Wirtschaft schaffte es gleich im ersten Anlauf auf den dritten Platz. Prof. Doris Weßels sprach mit ihrem Kollegen darüber, welche besonderen Herausforderungen und Ansprüche die Onlinelehre an die Dozentinnen und Dozenten stellt.

DW (Doris Weßels): Wie haben Sie dieses Ergebnis erlebt – haben Sie insgeheim damit gerechnet oder kam es für Sie völlig überraschend?

AT (Andreas Thiemer): Mit einem solchen Ergebnis kann und darf man nicht rechnen. Für mich kommt diese Ehrung schon überraschend, weil ich erst seit zwei Semestern in einem Online-Studiengang unterrichte. Umso mehr freue ich mich natürlich über das positive Feedback meiner Studierenden, das mir zeigt, dass sich die Mühe bei der Gestaltung und Betreuung der Kurse lohnte und ich mich wohl auf dem richtigen Weg befinde.

DW: Womit konnten Sie Ihrer Einschätzung nach so eindrucksvoll „punkten“?

AT: Für die Motivation von Online-Studierenden ist es sehr wichtig, dass sie ihre virtuelle Lernumgebung als „lebendig“ erfahren und ihre Dozenten dort auch aktiv sind. Eine Möglichkeit ist, immer mal wieder Diskussionen in den Foren anzustoßen, aktuelle Fallbeispiele einzubringen und zusätzliche Übungen bereitzustellen. Im besten Fall gelingt es auch, etwas von der eigenen Begeisterung für das Fachgebiet an die Studierenden weiterzugeben.

Der Mentor eines Kurses sollte auf Anfragen und Probleme rasch reagieren und dabei auf die typischen Lernzeiten der „Onliner“ Rücksicht nehmen, also die Abendstunden und das Wochenende. Von Anfang an ist auf Transparenz zu achten, was Prüfungsanforderungen, Lernziele und Organisation angeht. Ich glaube, all diesen Ansprüchen bin ich einigermaßen gerecht geworden.

DW: Welche besonderen Herausforderungen müssen in der Online-Lehre von Dozenten bewältigt werden? Gibt es Chancen und Vorteile gegenüber der Präsenzlehre?  

AT: Ein Online-Studiengang bietet die große Chance, interessierte und interessante Menschen für ein Studium zu gewinnen, die sonst aus beruflichen oder familiären Gründen nicht vor Ort an unserer FH studieren könnten. Die Anfangsmotivation dieser Studierenden ist sehr hoch, aber die Anforderungen des Studiums werden von ihnen auch oft falsch eingeschätzt. Umso wichtiger ist es, die Onlinestudierenden als Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer nicht sich selbst zu überlassen.

Als Mentor eines Kurses muss ich deshalb auch die Funktion eines Betreuers erfüllen. Die Voraussetzungen in unserer Online-Lehre sind dafür recht gut. Die Zahl der Teilnehmenden ist überschaubar und alle kennen sich von Anfang an in jedem Kurs mit Namen. Als Dozent kann ich Lernverhalten und -erfolge der einzelnen Studierenden daher gut mit verfolgen und zuordnen. Ein Beispiel: Student X oder Studentin Y hat sich in der ersten Semesterhälfte durch Beiträge im Diskussionsforum und das Bearbeiten von Übungsaufgaben hervorgetan. Seit drei Wochen herrscht aber absolute Funkstille. Mit einer kurzen Mail frage ich dann mal nach, ob es ein Problem gibt und biete ein Gespräch an. In der Präsenzlehre kommt ein solches Gespräch meist erst zustande, wenn die Studierenden in der Klausur durchgefallen sind und ihnen das Wasser schon bis zum Hals steht.

Ein wesentlicher Vorteil der Online-Lehre ist es, dass jeder Studierende das zu ihm passende Lerntempo selbst vorgibt. In den Videokonferenzen kommen dann alle zusammen und vertiefen und diskutieren gemeinsam den erarbeiteten Stoff. Meine Erfahrung ist es, dass die meisten gut vorbereitet in diese Meetings gehen.

In den klassischen Präsenzveranstaltungen der Grundlagenfächer sieht es eher etwas anders aus. Dort neigen die Studierenden dazu, erst mal abzuwarten, was in der Lehrveranstaltung passiert, um den Stoff dann nachzubereiten. Das gestaltet gemeinsames Lernen manchmal etwas zäh.

DW: Was empfehlen Sie Kolleginnen und Kollegen für die Vorbereitung oder den Einstieg in die Online-Lehre?

AT: Mir hat es sehr geholfen, dass ich schon für die Präsenzlehre unser E-Learningsystem Moodle genutzt und damit experimentiert habe. Die Grundfunktionen von Moodle sind schnell erlernt und ich nutze auch nicht jede technische Spielerei. Wichtig ist es, den Kurs von Anfang an so einzurichten, dass Kommunikation und Austausch von Dateien möglichst wenig über bilaterale E-Mails läuft, sondern über Foren, Chats, Video-Meetings, Umfrage- und Aufgaben-Tools. Sonst verliert man rasch die Übersicht und der Arbeitsaufwand wird enorm.

Bei technischen Problemen hilft zuverlässig das kompetente Oncampus-Team. Natürlich stehe ich selbst auch gerne bei Fragen zur Verfügung und freue mich auf einen Erfahrungsaustausch mit den Kolleginnen und Kollegen.

DW: Was ist denn nun Ihr Favorit – Präsenz- oder Online-Lehre?

AT: Da möchte ich beides nicht missen; gerade die Kombination macht doch die Lehre spannend und abwechslungsreich. Außerdem verschwimmt die Trennlinie zwischen beiden Lehrformen immer mehr, denn sie ergänzen sich ja gegenseitig. Die Präsenzlehre wird heute schon durch Elemente des E-Learning unterstützt, andererseits gibt es in unseren Online-Studiengängen auch kurze Präsenzphasen.

Eins ist aber klar: Würde ich als Hochschullehrer nur noch am Bildschirm sitzen, würden meine Sinne doch ziemlich verarmen. Die würzige Luft eines Seminarraums, der quietschende Stift auf einer Wandtafel, das flirtende Pärchen in der letzten Sitzreihe, … das lässt sich durch Headphone und Maus nicht ersetzen.

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert