Gentechnikfreie Milch – die Zukunft auf dem Milchmarkt?

Von Kriske Heinemeier

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(Foto: Andreas Diekötter)

 

Die Nachfrage nach gentechnikfreier Milch steigt. Für Landwirtin
nen und Landwirte ist das eine Herausforderung, denn bislang war genverändertes Sojaschrot aus Südamerika fester Bestandteil des Viehfutters. Die daraus folgenden rechtlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Fragen hat gestern die Fachtagung „GVO-freie Milcherzeugung: Herausforderungen, Umsetzung und Perspektiven“ aufgegriffen. Veranstalter waren der Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule (FH) Kiel und die Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein e.V. (MEV).Was bedeutet eine Umstellung für die Produzentinnen und Produzenten?

Woher kommt´s?
IMG_2887_2Die steigende Nachfrage nach gentechnikfreier Milch geht vor allem vom Lebensmitteleinzelhandel aus, der sich damit auf dem Markt von der Konkurrenz absetzen möchte. Die den Handel beliefernden Molkereien beziehen ihre Ware wiederum direkt von Landwirtschaftsbetrieben. „Aktuell ist knapp 17 Prozent der in Schleswig-Holstein produzierten Milch gentechnikfrei. Seit 2016 steigt die Nachfrage spürbar. Um Kosten für getrennte Produktionen zu sparen, beziehen Molkereien, die ihre Produkte als gentechnikfrei verkaufen wollen, ihre Milch nur von Betrieben, die ebenfalls gentechnikfrei produzieren. Bis 2018 rechnen wir daher mit einem Anstieg der gentechnikfreien Produktion auf 25 bis 30 Prozent“, schätzt Prof. Dr. Holger Thiele von der FH Kiel.

Was heißt das für die Landwirte?
Eine Umstellung auf eine gentechnikfreie Milchproduktion geht nicht von heute auf morgen. Neben der Einhaltung rechtlicher Vorgaben erachtet Peter Lüschow, Vorsitzender der MEV, vor allem eine tiergerechte Umstellung des Viehfutters als besonders wichtig: „Alternative Futtermittel haben eine andere Nährstoffzusammensetzung als das genveränderte Sojaschrot. Bei einer Umstellung muss die Rationierung daher ganz neu berechnet werden. Dann ist sie reibungslos möglich“, weiß der Fachmann. Als Daumenregel gilt: Ein Betrieb darf seine Milch etwa drei Monate nach Beginn der Umstellung als gentechnikfrei verkaufen.

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(von links: Peter Lüschow (Vorsitzender MEV), Prof. Dr. Katrin Malkow-Nerge (FH Kiel), Prof. Dr. Martin Braatz (FH Kiel) und Nicolai Wree (Geschäftsführer MEV))

 

Und die Futtermittellieferanten?
Um gentechnikfreies Futter anbieten zu können, müssen auch die Futtermittelhersteller  reagieren. Aber gentechnikfrei ist nicht gleich gentechnikfrei, weiß Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge. „Um sicherzustellen, dass gentechnikfreies Futter nicht mit gentechnikverändertem in Berührung kommt, bedarf es eines deutlich gesteigerten Aufwands in der Herstellung und der Logistik. Dieser Mehraufwand schlägt sich letztendlich in höheren Futtermittelpreisen nieder und das erhöht auch die Kosten für Landwirtinnen und Landwirte“, so die Professorin der FH Kiel.

Was sagen die Landwirtinnen und Landwirte von morgen?

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(Interessierte Studierende bei der Fachtagung (v. l.): Frederik Kornath, Jonathan Weingang, Annika Becker, Ina Reimers, Rieke Meyer und Hauke Schmahl)

Auch viele Studierende der FH interessiert der Trend zu gentechnikfreier Milch. Jonathan Weingang, der zurzeit im Master Agrarmanagement studiert, ist persönlich betroffen,denn er lebt und arbeitet auf einem Hof mit Milchkühen. „Eine Umstellung auf gentechnikfreie Milch planen wir in nächster Zeit zwar nicht, denn wir verkaufen an eine Molkerei, die hauptsächlich ins Ausland exportiert. Aber langfristig gesehen wird dieses Thema auch uns betreffen und daher ist es super, dass diese Tagung hier angeboten wird“, freut sich der Student.

Ein Blick in die Zukunft
IMG_2898_2Momentan erzielen Landwirtinnen und Landwirte noch höhere Preise für ihre gentechnikfreie Milch als für herkömmliche. „Je mehr Betriebe diesem Trend folgen, desto geringer werden auch die Margen. Diese Entwicklung gilt es zu verfolgen und mit ihr umzugehen“, prognostiziert Nicolai Wree, Geschäftsführer der MEV. Schlussendlich sind sich die Fachleute einig: Der Trend zu gentechnikfreier Milch wird sich fortsetzen. Umso wichtiger, die damit verbundenen Herausforderungen zu thematisieren und gemeinsam zu bewältigen.

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