Ein Mann in wetterfester Kleidung posiert für die Kamera. Hinter ihm ist die Schwentine zu sehen.© FH Kiel

Gelegentlich mal runter vom Traktor

von Frauke Schäfer

„Gelegentlich vom Traktor absteigen und den Boden und seine Eigenschaften mit den eigenen Händen erkunden und bewerten“, ist die Devise  von Dr. Conrad Wiermann, der am 1. September 2016 die Professur  „Pflanzenernährung und Bodenkunde“ am Fachbereich Agrarwirtschaft übernommen hat. Der Wissenschaftler, der bis zu seinem Eintritt in die FH unter anderem an der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein tätig war, empfindet sich und die Studierenden seines Fachs als „privilegiert, in und mit der Natur tätig sein zu können“.

Thomas Richter (TR): Herr Professor Wiermann, warum haben Sie sich für Ihr Studium entschieden?

 

Conrad Wiermann (CW): Agrarwissenschaften sind die ideale Verbindung von Naturwissenschaften und der praktischen Tätigkeit im Freien. Für mich war es immer von großer Bedeutung, Gesamtzusammenhänge zu betrachten und nicht nur Forschung im Detail zu betreiben. Das Erkennen und Verstehen von Systemen wie „Boden-Wasser-Atmosphäre-Pflanze“, aber auch die konkrete Einflussnahmen auf solche Systeme standen und stehen bei mir im Fokus.

TR: Wie waren Ihre ersten Anknüpfungspunkte an die Landwirtschaft? Hatten Ihre Eltern vielleicht einen Betrieb?

CW: Nein. Das Interesse an dem ganzheitlichen Ansatz in der Landwirtschaft ist ohne familiäre Prägung entstanden. Es hat mich über verschiedene Praktika zum Studium in Kiel und Edinburgh in Schottland geführt.

TR: Wie würden Sie den Forschungsbereich Pflanzenernährung und Bodenkunden in wenigen Worten erklären?

CW: Wie Mensch und Tier benötigt die Pflanze  Nährstoffe und eine geeignete Umgebung, in der sie sich wohlfühlt und sich auch gesund entwickeln kann.  Die Aufgabe der Pflanzenernährung und Bodenkunde ist nun, durch gezielte Maßnahmen wie etwa Düngung, Bodenbearbeitung oder Fruchtfolge diese Umgebung möglichst optimal zu gestalten. Dabei helfen Naturwissenschaften wie Chemie, Physik und Biologie.   

TR: Was waren die Themenschwerpunkte Ihrer bisherigen Arbeit?

CW: Nach der Promotion im Fach Bodenkunde habe ich zunächst als Referent für Düngung an der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein gearbeitet, anschließend über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen am Landwirtschafts- und Umweltministerium. Allerdings habe ich nie den Kontakt zu Praxis und Wissenschaft verloren, weshalb ich 2013 als Abteilungsleiter in die Landwirtschaftskammer zurückkehrte.

TR: Warum fiel Ihre Wahl auf die FH Kiel als neuen Arbeitsplatz, also weg von der Landwirtschaftskammer hin zur Lehre?  

CW: Da ich schon immer mit dem Gedanken geliebäugelt hatte, in den Bereich der Lehre und Forschung zu wechseln, habe ich keine Sekunde mit der Bewerbung gezögert. Denn die Verbindung zwischen Theorie und Praxis, Lehre und Forschung sind an einer Fachhochschule einfach ideal. Hinzukommt, dass sich für mich die Fächerkombination „Pflanzenernährung und Bodenkunde“  wie auf den Leib geschnitten anfühlt und die Arbeit mit jungen Menschen sehr motivierend und befriedigend ist.  Außerdem lebe ich mit meiner Familie seit 14 Jahren am Stadtrand von Kiel, die Kinder gehen hier zur Schule und wir fühlen uns in Kiel einfach sehr wohl.

TR: Was genau möchten Sie Ihren Studierenden vermitteln?

CW: Meiner Meinung nach ist die Landwirtschaft eines der spannendsten Berufsfelder überhaupt. Wir sind tatsächlich privilegiert, weil wir in und mit der Natur tätig sein können. Dieses möchte ich den Studierenden vermitteln. Gerade im Pflanzenbau gehen viele Entwicklungen allerdings in die Bereiche Digitalisierung, Automatisierung, Rationalisierung. Das ist auch gut, richtig und notwendig und natürlich auch ein wesentlicher Inhalt der Lehre. Aber dabei dürfen der Kontakt mit und das Gefühl für die Natur nicht verloren gehen. Deshalb ist meine Devise: „Gelegentlich vom Traktor absteigen und den Boden und seine Eigenschaften mit den eigenen Händen erkunden und bewerten“. Exkursionen und Praktika sind für mich neben der blanken Theorie wesentliche Bausteine  einer erfolgreichen Lehre.

TR: Wie sind Ihre ersten Erfahrungen hier an der FH Kiel?

CW: Ausgezeichnet. Ich bin sehr zufrieden mit dem ersten Semester und hoffe, dass die Studierenden das ähnlich sehen (lacht). Die Kolleginnen und Kollegen haben mich überaus freundlich aufgenommen und mir den Einstieg sehr leicht gemacht. Hervorzuheben sind auch die tollen Rahmenbedingungen zum Beispiel im Bereich der Fortbildung, um die Lehre stetig weiterzuentwickeln.  Insgesamt bin ich mit meinem Arbeitsplatz und Aufgabenbereich an der FH Kiel wirklich sehr glücklich.

Kurzbiografie

1988 – 1994               Studium der Agrarwissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Faculty of Science and Engineering Unversity of Edinburgh

1995 – 1998               Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

1996 - 1997                Forschungsaufenthalte am National Soil Dynamics Laboratory in Auburn/Alabama USA

1998                            Promotion zum Thema: „Auswirkungen differenzierter Bodenbearbeitung auf die Bodenstabilität und das Regenerationsvermögen lößbürtiger Ackerstandorte“

1998 – 1999               Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der CAU; Koordinierung des EU geförderten Projektes „Concerted Action on Subsoil Compaction“

1999 – 2002                Referent für Boden, Düngung und Umwelt an der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

2002 – 2013                verschiedene Tätigkeiten im Landwirtschafts- und Umweltministerium des Landes Schleswig-Holstein

2013 – 2016               Leiter der Abteilung Pflanzenbau, Pflanzenschutz, Umwelt der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

2016                           Berufung zum Professor für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Fachhochschule Kiel, Fachbereich Agrarwirtschaft

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