Wissenschaft im Wohnzimmer

Erstellt von Kristina Langhof

110 Meter hoch und 500 Tonnen schwer mit einem Rotordurchmesser von bis zu 164 Metern - das sind die Eckdaten einer Offshore-Windanlage aus der deutschen Nordsee. Peter Quell, Professor am Fachbereich Maschinenwesen, gab am Freitag in seinem Vortrag bei der digitalen Nacht der Wissenschaft einen Einblick in die Welt der Offshore-Windenergie. Über Zoom erklärte er den rund 60 Teilnehmer*innen unter anderem wie die Windenergie von heute, aber auch von morgen aussieht. „Strom wird zum Alleskönner“, so Quell. Vor allem aber Strom aus Offshore-Windenergie, da dieser gegenüber anderen erneuerbaren Energien viele Vorteile besitze. Beispielsweise sei die Verfügbarkeit von Energie aus Offshore-Windenergie weitaus höher als bei Photovoltaik oder Onshore-Anlagen. Im Weiteren ging es um Klimaziele, Recycling von Windanlagen und mögliche künstliche Inseln in der Nordsee.

Abschließend stellte Quell den Bachelorstudiengang Offshore-Anlagentechnik vor, den es seit nun acht Jahren an der FH gibt und der in dieser Form einzigartig in Deutschland ist. Studierende erlernen Grundlagen des Maschinenbaus und erfahren im Weiteren eine Mischung aus Theorie und Praxis rund um das Thema Anlagentechnik auf dem Meer. Nach dem Bachelor haben Absolvent*innen die Möglichkeit, ihr Wissen in dem englischsprachigen Master Wind Engineering zu vertiefen, der in Kooperation mit der Hochschule Flensburg angeboten wird.

Um „Green Building“ ging es im Vortrag von Frauke Gerder-Rohkamm, die an der FH am Institut für Bauwesen lehrt. „Green Building“ – das beinhaltet für die Professorin mehr als die Planung und Konstruktionsphase eines Gebäudes. Vielmehr sollten hierbei auch der Betrieb, die Wartung sowie die Demontage einbezogen und Fragen nach Verbrauch an Energie und Wasser eines Gebäudes geklärt werden. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 21 Millionen Gebäude. Der Anteil von Gebäuden am gesamten deutschen Endenergieverbrauch beträgt 35 Prozent. Dabei ist es seit knapp 20 Jahren möglich, nachhaltiger zu bauen. „Theoretisch kann man seit Anfang der 2000er Null-Energiehäuser bauen. Dies ist allerdings nicht gesetzlich vorgegeben“, erklärte Gerder-Rohkamm den 53 Teilnehmer*innen des Zoom-Vortrags.  

Allerdings sollte der Fokus nicht nur auf dem Bau von neuen Häusern liegen. „Es geht nicht nur um Neubauten, sondern auch um die Sanierung von bestehenden Gebäuden“, so die Professorin. Denn lediglich sechs Prozent aller Gebäude in Deutschland seien in den vergangenen zehn bis 20 Jahren entstanden. Das bedeutet, dass die meisten Häuser in einer Zeit gebaut wurden, in der das Thema Klimawandel und Energieeinsparung noch nicht so präsent wie heute waren und dementsprechend beim Bau nicht berücksichtigt wurden.

Wie man Gebäude nachhaltig sanieren kann, oder mit welchen Bausubstanzen die Häuser der Zukunft gebaut werden, können Studierende ab 2022 im Bachelorstudiengang Bauingenieurswesen in dem neuen Fachgebiet „Green Building“ lernen. Gerder-Rohkamm erklärte, dass die Studierenden zum Beispiel Schwachstellen an Gebäuden analysieren und im Anschluss Sanierungsstrategien entwickeln werden. Auch die Erarbeitung von Konzepten zu dezentraler Energieversorgung wird ein Thema des Fachgebietes sein.

Die Nacht der Wissenschaft lief in diesem Jahr anders als in den Vorjahren ab. Alle Vorträge wurden wegen der Corona-Pandemie live gestreamt oder über Zoom gehalten, was es den Zuhörer*innen ermöglichte, bequem von Zuhause aus teilzunehmen. Neben den Zoom-Veranstaltungen von Frauke Gerder-Rohkamm und Peter Quell gab es neun weitere digitale Vorträge der FH Kiel. Diese behandelten unter anderem die Themen Digitalisierung in der Landwirtschaft, die Folgen des Machtwechsels in den Vereinigten Staaten und die Klimawandelleugnung.

Bereits am Vormittag hatten sich Professores der FH Kiel am neuen Format Rent a Scientist beteiligt und vielfältige Themen in Klassenzimmer der Region gebracht. 

Wer an der digitalen Nacht der Wissenschaft teilgenommen hat, kann die Veranstaltung hier bewerten.

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