Eine besondere Förderung

Erstellt von Jana Walther

Für Carina Ilgen war die Nachricht eine echte Erleichterung: Im September ver­gangenen Jahres erhielt die Studentin des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit die Zusage für das Deutschlandstipendium. Sie ist eine von 50 Studierenden an der Fach­hochschule Kiel, die diese besondere För­derung bekommen. „Ich hatte, um ehrlich zu sein, gar nicht damit gerechnet. Meine Noten sind zwar ganz gut, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffe“, sagt sie. Doch beim Deutschland­stipendium zählen eben nicht nur gute Noten. Es ist auch das Engagement außerhalb der Hochschule, das berücksichtigt wird. Die gelernte Erzieherin hat vor ihrem Studium bereits in verschiedenen Einrichtungen gearbeitet. Noch immer ist sie neben dem Studium in der Kieler Jugendhilfe tätig.

Um ein Deutschlandstipendium zu erhalten, reichen die Bewerber*innen nicht nur ihren Notenspiegel beziehungsweise die Hochschulzugangsberechtigung ein, sondern geben außerdem Kriterien an, die für die Auswahl ebenfalls eine Rolle spielen. Dazu zählen politisches und gesellschaftliches Engagement innerhalb und außerhalb der Hochschule und auch zum Beispiel familiäre Hintergründe. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Fachhochschule Kiel 2019 wurden die Stipendien erstmalig ausgelobt. Das Deutschlandstipendium selbst gibt es bereits seit 2011. Es wurde von der Bundesregierung ins Leben gerufen, um gezielt junge Talente zu fördern.

300 Euro pro Monat

Wer ein Stipendium erhält, kann für zwei Semester mit 300 Euro pro Monat rechnen. Den Betrag steuern zu einer Hälfte die Förderer – Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen – und zur anderen der Bund bei. Dabei ist das Stipendium ganz unabhängig vom Einkommen oder sonstigen Hilfen wie beispielsweise BAföG.

Dass sie durch die monatliche Finanzspritze unterstützt wurde, war für Carina Ilgen eine echte Entlastung. Schließlich hat sie vor dem Studium bereits Geld verdient. Plötzlich wieder vom Vater finanziell abhängig zu sein, war für die 32-Jährige nicht ganz leicht. „Man möchte es ab einem gewissen Alter schon alleine schaffen“, findet sie.

Auch Erik Mertens, der gerade seinen Bachelor in Schiffsbau und Maritime Technik absolviert, freut sich über die Unterstützung. „Das nimmt etwas Druck raus, und so muss ich neben meinem Studium nicht arbeiten und kann mich auf meine Kurse konzentrieren“, sagt er. Einer seiner Dozenten hatte ihn auf das Stipendium aufmerksam gemacht. Mit seinem sehr guten Notendurchschnitt hat sich Erik Mertens einen Platz sichern können. Im Gegensatz zu Carina Ilgen wird Erik Mertens nicht von einer Privatperson, sondern von der Prof. Dr. Werner-Petersen-Stiftung gefördert. „Leider mussten die Veranstaltungen für Stipendiaten Corona-bedingt ausfallen. Mich hätte es schon gereizt, hier auch Kontakte zu knüpfen.“

Kontakte mit Förderern knüpfen

Den Kontakt mit den Studierenden erhoffen sich auch die Stadtwerke Kiel. Sie sind dieses Jahr zum ersten Mal als Förderer an Bord und ermöglichen gleich zwei Stipendien: „Wir möchten gerne in die Zusammenarbeit mit der FH investieren und wünschen uns engen Kontakt mit den Stipendiaten“, sagt Dr. Jörg Teupen vom Vorstand Technik und Personal bei den Stadtwerken. Denn sein Unternehmen hätte durchaus interessante Berufsperspektiven für Akademiker*innen zu bieten: Betriebswirt*innen, Elektrotechnik- oder Umweltingenieur*innen, Mitarbeiter*innen im Finanz- und Rechnungswesen, Marketing oder Vertrieb – alles Bereiche, für die Absolventen der Fachhochschule Kiel infrage kommen könnten. „Vielen ist gar nicht richtig bewusst, wie vielfältig die Arbeitsfelder bei den Stadtwerken sind“, so Teupen. Daher werde er auch während der zwei Semester Laufzeit und darüber hinaus Kontakt zu den Stipendiaten suchen. „Eventuell ergeben sich auch Möglichkeiten, die Bachelor- oder Masterthesis im Unternehmen zu schreiben.“

Krise verlangt nach mehr Unterstützung

Neben dem engen Draht zur Hochschule ist es für Teupen auch ein persönliches Anliegen, Studierende zu unterstützen. Denn in diesen außergewöhnlichen Zeiten sei es noch wichtiger, Studierenden unter die Arme zu greifen. Teupen: „Viele haben ihre Aushilfsjobs verloren. Da möchten wir gerne helfen. Es ist derzeit eine echte Herausforderung für die Studierenden.“

Um auch weiter von den Vorteilen des Stipendiums profitieren zu können, hat sich Erik Mertens bereits für die kommende Förderphase beworben. Er möchte nach seinem Bachelorstudium noch ein weiterführendes Masterstudium beginnen. „Ich bin von Essen zum Studieren nach Kiel gekommen, weil der Schwerpunkt hier auf den Yachten liegt. Nach dem Bachelor könnte ich mir vorstellen, beim Master in Richtung Schiffsdesign zu gehen“, sagt er. Auch Carina Ilgen hat bereits Pläne. Sie bewirbt sich nicht ein weiteres Mal um ein Deutschlandstipendium. Seit dem 1. September läuft ihr Anerkennungsjahr beim Jugendamt im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Und danach? Carina Ilgens Ziel ist die Heimaufsicht des Landesjugendamts. „Ich finde das ist ein unglaublich spannendes Feld. Hier hat man unter anderem die Fachaufsicht über die Einrichtungen – verliert aber trotzdem nicht den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. Da hätte ich große Lust zu.“

Wer sich für das Deutschlandstipendium bewerben möchte, sollte zu den besten 20 Prozent des jeweiligen Studiengangs zählen. Im Schnitt sollten Bewerber*innen zudem 25 ECTS pro Semester erreichen.

Informationen zum Auswahlverfahren gibt es unter: www.fh-kiel.de/deutschlandstipendium

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