Ausgewandert - Ein Leben nach dem Studium in Schweden

Created by Mariesa Brahms

Dass sie einmal in Schweden leben und arbeiten würde, hatte die FH-Alumna Marie Epler so nicht geplant. Geboren und aufgewachsen ist sie an der Westküste von Schleswig-Holstein, in Tiebensee bei Heide in Dithmarschen. Für das Studium zog sie im Jahr 2015 nach Kiel. An der Fachhochschule studierte sie ‚Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation‘. Noch bevor sie ihren Bachelor 2019 in der Hand hielt, stand für sie fest: Für den Master geht es ins Ausland.

Zunächst war das Ziel jedoch unklar. „Ich habe mich in Schweden, in Dänemark und in den Niederlanden nach Studiengängen umgeschaut“, erinnert die 31-Jährige sich an die Orientierungsphase. In Jönköping wurde sie schließlich fündig. „Noch bevor ich meine Bachelor-Arbeit geschrieben hatte, zog ich nach Smâland“, erzählt sie. In der südschwedischen Provinz studierte sie im Masterprogramm ‚sustainable communication‘, während sie nebenbei am Bestehen des Bachelors feilte. Das Nachreichen des BA-Scheines war Bedingung für das Masterstudium an der Universität in Jönköping. Dafür trat sie schließlich noch einmal die Heimreise an, „um mich nach einem Fehlversuch voll und ganz auf meine Bachelor-Arbeit konzentrieren zu können“, erklärt sie. „Das war eine unsichere Zeit“, erinnert sie sich heute.

Zurück in der Heimat bestand sie nicht nur ihre Bachelor-Arbeit, sondern lernte zudem ihren heutigen Lebensgefährten kennen. Das ließ sie ihre Entscheidung, zurück nach Schweden zu gehen, zunächst hinterfragen: „Das Studium in Jönköping war ja unterbrochen, und die Aussicht darauf, meinen Alltag dort wieder aufzunehmen, wenn in Kiel jemand wartet, war plötzlich nicht mehr so attraktiv.“ Sie ging trotzdem zurück nach Schweden – und bereut ihre Entscheidung nach wie vor nicht.

„In Schweden bekommt man immer eine Chance“, weiß sie heute. Zurück in ihrer Wahlheimat legte sie das Masterstudium zunächst nieder und jobbte in einer Großküche, um erst einmal Geld zu verdienen und Fuß zu fassen.

Heute arbeitet sie beim international agierenden Finanzdienstleister Klarna in Stockholm. Angefangen hat sie im Unternehmen Ende 2019 in der Social-Media-Kund*innenbetreuung für den deutschen Markt. Dank ihrer Muttersprache gelang ihr der Einstieg in das international bekannte Unternehmen. Vor ihrer Einstellung stand dann nur noch die Formalie eines Bewerbungsgespräches, das Marie Epler heute noch in guter Erinnerung hat: „Die waren alle äußerst nett und freundlich.“ Der Eindruck bestätigte sich schnell im Arbeitsalltag. Flache Hierarchien und eine entspannte Arbeitsatmosphäre prägen ihren Alltag im Unternehmen. Eine Eigenheit, die Marie erstmal überrascht hatte: Auf dem Frühstücksbuffet für die Mitarbeitenden findet man neben Brötchen und Obst auch Vitamin-D-Tabletten.

„Jetzt, wo ich mittlerweile fünf Jahre in Schweden lebe, weiß ich die Vitamine zu schätzen“, sagt sie schmunzelnd. Denn so weit oben im Norden sind die Winter lang und die Tage kurz. „Die Sommer sind dafür umso schöner“, erzählt sie. An den Tagen, an denen die Sonne die Schwed*innen gar nicht mehr verlässt, ist es besonders schön in Stockholm.

Auch wenn die Corona-Restriktionen viel zulassen und die Bars voll sind in der Stadt – Marie Epler und ihr Lebensgefährte, der ihr nach Schweden folgte, kennen Schwedens Hauptstadt nur im Pandemiezustand. Auch ihr Teilzeit-Master-Studium in Uppsala, einer Stadt nördlich von Stockholm, zu welchem sie nach dem Studienabbruch in Jönköping wechselte, findet zum großen Teil online statt. Das Programm fokussiert sich auf Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen und gefällt der FH-Alumna sehr. „Die Universität hat einen starken praktischen Bezug zur Agrarwirtschaft, was das Masterprogramm der Kommunikation für mich und meine Kommiliton*innen angewandt und interessant gestaltet“, erzählt Epler.

Abschließen wird sie ihren Master voraussichtlich im Jahr 2023. Was danach sein wird, weiß sie noch nicht. „Ein Umzug zurück nach Deutschland ist nicht geplant“, sagt Marie Epler, „ob es Stockholm bleibt, oder doch in eine kleinere Stadt wie etwa Jönköping geht, lassen wir noch offen."

© Fachhochschule Kiel