Beste Aussichten für Offshore-Anlagentechniker*innen

Created by Joachim Kläschen

Im Gespräch mit Joachim Kläschen spricht Jonas Stendorf von seinem beruflichen Werdegang, seiner abwechslungsreichen Arbeit bei der Reederei O.S. Energy und den attraktiven Möglichkeiten, die Ingenieurinnen und Ingenieuren in seinem Berufsfeld offenstehen.

Herr Stendorf, Sie arbeiten für die O.S. Energy GmbH in Glückstadt. Was ist das für ein Unternehmen?

O.S. Energy ist eine Reederei, die auf Schiffe für den Offshore-Bereich spezialisiert ist. Unsere Schiffe sind sowohl im Offshore-Umweltmonitoring als auch bei Küsten- und Offshore-Bauprojekten im Einsatz. Dabei übernehmen sie vielfältige Aufgaben. Wir sind sowohl in Energie-Projekten – wie Offshore-Wind, Offshore-Öl und Offshore-Gas – aktiv. Aber unsere Schiffe erledigen auch Aufträge bei der Seebettvermessung und der Kampfmittelortung. Ingenieurbüros für Offshore-Projekte, Energieversorger oder Windpark-Betreiber können unsere Schiffe und Spezialisten chartern, um Projekte durchzuführen.

Seit wann sind Sie für O.S. Energy tätig und in welchem Bereich?

Ich bin seit 2016 bei O.S. Energy. Als Technischer Leiter bin ich verantwortlich für technische Projektabwicklungen, die Instandhaltung und Reparatur der Schiffsflotte sowie die Kommunikation mit Klassifikationsgesellschaften, Kunden, Werften, Zulieferern und Behörden.

Wie verlief ihr beruflicher Werdegang und wie hat ihr Berufsweg Sie in das Unternehmen geführt?

Nach einer abgeschlossenen Lehre als Industriemechaniker und einem abgebrochenen Schiffsmaschinenbau-Studium habe ich 2016 ohne einen akademischen Abschluss bei O.S. Energy angefangen. Zunächst habe ich als Schiffstechniker mit meiner Qualifikation Motoren und Systeme der Schiffe gewartet und in Stand gesetzt.

Während meiner Tätigkeit bot mir O.S. Energy die Möglichkeit und Unterstützung, neben der Arbeit mein Studium wieder aufzunehmen. So bin ich aus dem Unternehmen an die Hochschule gekommen, also den Weg in der entgegengesetzten Richtung gegangen (lacht). Mein Studium der Offshore-Anlagentechnik (OAT) an der FH Kiel konnte ich aufgrund der bei meinem ersten Studium erworbenen, artverwandten Credit-Points verkürzen.

Nach meinem Abschluss habe ich bei O.S. Energy dann als Technical Superintendent gearbeitet. Durch einen Personalwechsel wurde im Februar 2019 die Stelle des Technischen Leiters frei und mir angeboten. Ich habe diese Herausforderung angenommen und es nicht bereut (lacht).

Im Team von O.S. Energy arbeiten mehrere Absolventen der FH Kiel. Aus welchen Studienrichtungen kommen sie und was machen diese Mitarbeiter heute bei O.S. Energy?

Wir beschäftigen derzeit drei FH-Alumni des Studiengangs Offshore-Anlagentechnik. Alle haben in unserem Unternehmen ihre Thesis geschrieben und hatten Zweitprüfer aus unserem Unternehmen. Sie arbeiten in den Positionen ‚Technische Leitung‘, ‚HQSE Superintendent‘ und ‚Technical Superintendent‘. Ein weiterer OAT-Absolvent der FH Kiel hat bei uns ein Praktikum absolviert und seine Bachelor-Thesis geschrieben. Er hat sich allerdings zu einem Master-Studium entschlossen.

Sind Absolvent*innen nach ihrer Einschätzung gut auf den Einstieg in den Beruf vorbereitet oder gibt es Fähigkeiten und Skills, die Sie sich ausgeprägter wünschten?

Ich kannte die Offshore-Industrie ja bereits, bevor ich zum Studium an die FH Kiel kam. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Einsätze in Offshore-Windparks und -Bohrfeldern hinter mir. Ich hatte quasi das Glück, viel von dem, was im Studium vermittelt wird, bereits mit eigenen Augen gesehen zu haben. Daher denke ich, ich kann die Qualität beurteilen. Der Studiengang OAT bietet durch die Vielzahl von Wahlmodulen eine sehr gute Möglichkeit, sich während des Studiums zu spezialisieren. Ich habe zum Beispiel Offshore-Bauwerksberechnung, systemtechnische Fächer und Offshore-Spezialschiffe als Ausrichtung gewählt und habe die Ausbildung als sehr gut und praxisorientiert empfunden.

Im vergangenen und in diesem Jahr habe ich zudem in zwei OAT-Studienfächern an der FH Gastvorlesungen gehalten. Ich sehe das als eine Möglichkeit, den Studierenden aus der Praxis der Offshore-Industrie zu berichten und meine Erfahrungen zu teilen. Ich freue mich, dass die Fachhochschule mir und anderen Externen diese Möglichkeiten bietet. Doch am Ende profitieren von dieser Praxissicht vor allem die Studierenden!

Bieten Sie interessierten Studierenden die Möglichkeit, als Werksstudierende oder im Rahmen von Projektarbeiten Praxiserfahrungen zu sammeln?

Ja! Wir beschäftigen regelmäßig Werksstudierende, die dann ihre Thesis schreiben und bei uns ihr Praktikum absolvieren. Ich, wie auch die Unternehmensführung, sehen das als eine Win-Win-Situation an: Unsere Themen für die Thesis-Projekte kommen immer aus der Praxis, so dass die Studierenden in ihrer Abschlussarbeit etwas Aktuelles, Interessantes und Greifbares in der Abschlussarbeit bearbeiten. Auf der anderen Seite bringen die Ergebnisse uns als Firma auch einen Nutzen.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten ihrer Branche und damit auch die Berufsaussichten von FH-Absolventinnen und -Absolventen des Studiengangs OAT?

Sehr gut! Es gibt in meinen Augen für die Zukunft kaum wichtigere Aufgaben als die regenerative Energieerzeugung. In der Anfangsphase der Offshore-Windenergie konnten wir auf die Erkenntnisse zurückgreifen, die wir zuvor in den Bereichen Offshore-Öl und Offshore-Gas gesammelt haben. Mittlerweile haben wir im Bereich Offshore-Wind so viel gelernt, dass wir uns darauf fokussieren können, effizientere neue Projekte durchzuführen. Doch auch bei Öl und Gas gibt es noch Herausforderungen zu meistern, etwa im Rückbau oder auch der effizienteren Exploration und Förderung. Alles in allem ist ‚Offshore‘ ein interessantes, breites und anspruchsvolles Betätigungsfeld für Ingenieure – jetzt und in der Zukunft.

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