Öffentliche Hybrid-Ringvorlesung: Rechtsextremismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Was ist Antisemitismus? Neun Probleme der Begriffsbildung eines voraussetzungsreichen Konzepts

24.04.2024 16:15 - 17:45 
Ort:  C02 Großes Hörsaalgebäude-Hybrid-Veranstaltung, H8 und Zoom-Stream

Öffentliche Hybrid-Ringvorlesung im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit SoSe 2024:

Rechtsextremismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Fokus Antisemitismus Veranstaltet von Prof. Dr. Bedia Akbaş und Prof. Dr. Melanie Groß

Mittwochs von 16.15 bis 17.45 Uhr (Hybrid-Veranstaltung, H8 und Zoom-Stream)

Die Vorlesungen finden in Präsenz statt und werden zugleich online via Zoom gestreamt.

Der Begriff »Rechtsextremismus« suggeriert, dass rechtes und ressentimentgeladenes Denken und Handeln lediglich ein Phänomen an den gesellschaftlichen Rändern sei. Wie stark aber rechtes und menschenfeindliches Denken bereits tief in die gesellschaftlichen Diskurse eingedrungen ist, diskutieren wir seit über zehn Jahren aus verschiedenen Perspektiven in der Ringvorlesung im Fachbereich Soziale Arbeit. Aufgrund des enormen Anwachsens der Bedrohung und Feindlichkeit gegenüber Jüdinnen und Juden in Deutschland und in Schleswig-Holstein nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 07. Oktober 2023, fokussieren wir im Sommersemester 2024 ausschließlich das Thema Antisemitismus und bieten einen Raum für die Auseinandersetzung mit Kontinuitäten und Aktualitäten von Antisemitismus. Wir gehen der Frage nach, wie den antisemitischen Feindbildern, Vorurteilen und Bedrohungen im Alltag und in unterschiedlichen Arbeitsfeldern wirksam begegnet werden kann.

  • Studierende der FH Kiel können diese Ringvorlesung im Wahlmodul belegen und 2.5 cp erhalten. Bitte schreiben Sie sich im entsprechenden Moodle-Kurs ein, um alle Infos zu erhalten.
  • Studierende und weitere Interessierte können gerne auch einzelne Termine wahrnehmen.

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24.04.24 Was ist Antisemitismus? Neun Probleme der Begriffsbildung eines voraussetzungsreichen Konzepts

Dr. Dr. Peter Ullrich (TU Berlin/Rosa-Luxemburg-Stiftung) (ausschließlich ONLINE)
Die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung des Wortes Antisemitismus scheint leicht: Feindschaft gegen Jüdinnen*Juden und das Judentum. Doch ein Blick in bald mehr als 100 Jahre Forschungsliteratur zeigt schnell und deutlich: so leicht ist es offensichtlich gar nicht. Denn wie ist ein Gegenstand begrifflich zu fixieren, der einerseits auf eine kulturelle Tradition bis in die griechisch-römische Antike und das pharaonische Ägypten zurückweist, andererseits aber insbesondere ‚Antworten‘ (wie verzerrt und verschwörungstheoretisch auch immer) auf genuin moderne Problemfelder wie Kapitalismus, Nationalstaaten, Individualisierung usw. zu geben verspricht? Ist es überhaupt möglich, einen historischen Gegenstand, der steter Entwicklung unterliegt, zu definieren? Wird er dann nicht schon jeder Kontextualität und Komplexität beraubt? Wenn man glaubt, dass eine definitorische Fassung wohl möglich und sinnvoll ist, gelangt man sofort zur Folgefrage, wie denn seine Abgrenzung erfolgen müsste. „Definieren“ kommt schließlich vom lateinischen Wort für abgrenzen. Dann wären Fragen wie die folgenden zu stellen: Was macht den Antisemitismus aus, was nicht für beispielsweise Ethnozentrismus oder Rassismus gilt? Was sind seine besonderen Kennzeichen? Oder: Ist der Philosemitismus sein Gegenstück oder doch eine Teilmenge, die nur (scheinbar) die Vorzeichen umkehrt?
Der Vortrag geht auf neun Probleme oder Herausforderungen der Begriffsbildung von Antisemitismus ein und erläutert, wie eine heterogene Antisemitismusforschung bisher damit umgegangen ist. Ziel ist nicht die Fassung eines verbindlichen Verständnisses, sondern Schaffung von Einsicht darin, dass die Komplexität, Kontextualität und Multiperspektivität bei dem Thema konstitutiv sind und die Suche nach einem allgemeinverbindlichen Begriff zwar verständlich, aber doch uneinholbar ist.

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Nicht-Hochschulmitglieder melden sich bitte für den Stream per email an: ringvorlesung.sg@fh-kiel.de. Der Link zum Zoom-Stream wird Ihnen rechtzeitig vor der Vorlesung zugemailt. Gerne können Sie auch in Präsenz an der Hochschule teilnehmen!

Hochschulmitglieder melden sich bitte über den Moodle-Kurs an, um weitere Infos und Zoom-Links zu erhalten.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder diese auszuschließen. Das gilt ebenso für Personen, die die Veranstaltung (beharrlich) stören. In gleicher Form behalten die Veranstaltenden sich das digitale Hausrecht für die Teilnahme an der Veranstaltung per Zoom vor.