Glückwunsch an Professor Weber zur Habilitation

Glückwunsch an Professor Weber zur Habilitation!

Wir sagen Glückwunsch an Prof. Dr. et Ing. habil. Marc-André Weber zur bestandenen Habilitation im Fachgebiet Arbeitswissenschaft. Der Titel der Habilitationsschrift lautet: „Nutzung der Digitalisierung zur Produktivitätsverbesserung in industriellen Prozessen unter Berücksichtigung arbeitswissenschaftlicher Anforderungen.“ Marc-André Weber interessierte sich schon früh für Wirtschafts- und Ingenieursthemen. In einem Interview berichtet er von seinem spannenden Lebensweg bis hin zur Habilitation – und das quer durch Deutschland.

Nach deinem Abschluss am Wirtschaftsgymnasium hast du eine duale Ausbildung bei der Firma Woco Industrietechnik GmbH in Bad Soden-Salmünster gemacht. Was macht die Firma eigentlich genau und was waren deine Aufgaben während der Ausbildung?

Das ist ein mittelständischer Automobilzulieferer mit damals etwa 4.000 Mitarbeitern. Sie stellen Gummi- und Kunststoff-Artikel für die Automobilindustrie her. Ich war dort als dualer Student im kaufmännischen Bereich tätig, schwerpunktmäßig im Controlling und Treasury. Die Hochschule befand sich im badischen Mosbach.

Du sagtest, dass du im Nachhinein eine duale Ausbildung nicht zwingend empfehlen würdest. Wie kommt es, dass du diese Auffassung vertrittst?

Ich habe direkt im Anschluss an das Bachelorstudium den Master an der Universität Passau drangesetzt. Ich habe im ersten Mastersemester gemerkt, dass ich unglaublich viel aufarbeiten musste. Ein duales Studium ist sehr anwendungsorientiert, allerdings wissenschaftlich nicht so tiefgreifend. Ich finde das Konzept des dualen Studiums gut, aber es ist mit sechs Semestern einfach viel zu kurz bemessen.

Nach der dualen Ausbildung ging es für dich nach Passau. Wie kommt der Sprung von Mosbach nach Passau?

Der Hauptgrund war die Universität. Das Studium dort hat mir von der Konzipierung her am meisten zugesagt. Aber ein Stück weit leitete mich auch der Gedanke, möglichst weit weg von zu Hause zu studieren.

Nach der Masterthesis über das Braess-Paradoxon, kam der nächste Sprung zu Deloitte nach München. Was war damals der Gedanke zu einer Beratungsfirma zu gehen?

Ich hatte schon Ende des Masterstudiums parallel mit der Promotion als Externer begonnen und wollte eigentlich gerne für eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität. Da ich warten musste, bis bei meinem Doktorvater eine Stelle frei wurde, hat sich die Stelle bei Deloitte zur Überbrückung angeboten.

Und wie bist du dann an die Uni Duisburg-Essen gekommen - gab es in Passau keine freie Stelle?

Ich habe während meines Masterstudiums ein Auslandssemester in Indien gemacht. Dort hat mir ein Kommilitone von der Universität Duisburg-Essen den Kontakt hergestellt. Rückblickend war das für mich ein großer Glücksgriff, weil ich so als Betriebswirt meine Promotion in einer Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät schreiben konnte.

Wenn man sich deinen bisherigen Lebenslauf anschaut, hast du dich viel mit produktionsorientierten Themen beschäftigt. Wie kam nun das Thema Arbeitswissenschaften ins Spiel?

Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft, wo ich ab 2016 beschäftigt war, ist eine Einrichtung der Arbeitgeberverbände der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Das Institut fokussiert sich, neben klassischen arbeitswissenschaftlichen Themen, unter anderem auch auf Produktionsoptimierung. Hierfür gibt es eine eigene Abteilung, in die ich dann über einen persönlichen Kontakt reingekommen bin. Besonders attraktiv war für mich die wissenschaftlich orientierte Seite in Kombination mit der beratenden Tätigkeit.

Du bist dann 2018 glücklicherweise bei uns an der FH gelandet. Was hat dich überzeugt?

Ich hatte bei der Stelle einfach das beste Bauchgefühl. Das Bewerbungsgespräch gab mir ein unglaublich gutes Gefühl. Wenn wir noch fünf Stunden Zeit gehabt hätten, hätten wir wahrscheinlich den Cognac auf den Tisch gestellt (lacht). Dieses gute Bauchgefühl hat sich bis heute bestätigt!

Du bist ebenfalls in Madrid als Dozent unterwegs. Wie schaffst du das eigentlich alles neben dem Publizieren und Familie mit zwei Kindern?

Ich glaube das ist einfach ein gutes Zeitmanagement und ein effizientes Arbeiten, sprich: sich auf das Wesentliche konzentrieren und das möglichst effizient. Und zudem muss ich sagen, dass ich mir für meine Publikationen mittlerweile ein Netzwerk aufgebaut habe, mit dem ich gemeinsam publiziere. Das bringt natürlich viele Synergieeffekte mit sich.

Nun kommen wir mal zu deiner Habilitation. Du bist mit Mosbach, Passau, München, Duisburg und Kiel quer durch Deutschland gereist. Wie kam es zur Habilitation an der Uni Dresden?

Wenn ich in Passau den Master gemacht habe, in Duisburg die Promotion und in Kiel die Professur, fehlt da irgendwie Ostdeutschland (lacht). Nein, der Kontakt nach Dresden hat sich aus dem Forschungsnetzwerk heraus hergestellt. Die TU Dresden hat als Exzellenzuniversität einen sehr guten Ruf. Außerdem sollte das Persönliche stimmen, was in Dresden der Fall war. Ich habe dort sehr positive Erfahrungen gemacht.

Man merkt, du verfügst über ein großes, sehr mächtiges Netzwerk. Das ist sehr spannend. Nun zu deinem Habilitationsthema. Kannst du für Laien erklären, worum es geht und was genau rausgekommen ist?

Sinngemäß geht es um die Nutzung von Industrie 4.0, also um Digitalisierung im industriellen Produktionskontext. Konkret wurde betrachtet, wie verschiedene Technologien einerseits klassifiziert und dann zielgerichtet genutzt werden können, um produktiver zu werden und Prozesse zu optimieren. Und das aus einer arbeitswissenschaftlichen Perspektive heraus betrachtet, also die Wechselwirkungen der Technik mit dem Menschen fokussierend. Beispielsweise die Frage: ist der Mensch nur noch jemand, der von der Technik geleitet wird, oder hat er trotzdem noch einen hohen Stellenwert? Eine Habilitation ist grundsätzlich sehr breit ausgelegt. Ich habe im Kern arbeitswissenschaftliche Auswirkungen beleuchtet, aber auch betriebswirtschaftliche Sichtweisen. Zusammengefasst ging es darum, die Bandbreite rund um Industrie 4.0 zu skizzieren und was es bedeutet, wenn man diese für Produktivitätsverbesserungen einsetzt und den Menschen dabei auch als wichtigen Bestandteil ansieht.

Wenn man etwas restrukturieren will, geht das immer mit der Problematik einher, dass sich Mitarbeiter widersetzen. War dies auch ein Thema in der Habilitation?

Definitiv! Das habe ich zuvor bei den Praxisunternehmen, die ich deutschlandweit als Mitarbeiter des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft besucht habe, oft erlebt und meine Habilitationsschrift ist maßgeblich aus dieser Tätigkeit heraus entstanden. Diese Widerstände sollten genau beobachtet werden. Sie sind sehr häufig der Grund, warum Industrie 4.0 scheitert. Man sieht bei manchen Unternehmen, wer als Führungskraft eine ordentliche Aufklärungsarbeit leistet und grundsätzlich mit Ansätzen des Lean Managements an die Thematik herangeht. Das ist erfolgreicher, als Digitalisierung mit Zwang in die Unternehmen zu bringen.

Wie sehen nun deine Pläne nach der Habilitation aus?

Ich fühle mich in Kiel sehr wohl und möchte gerne meine Forschungstätigkeit weiter fortsetzen. Dafür werden sich sicherlich Kooperationsmöglichkeiten mit universitären Partnern ergeben, beispielsweise auch im Rahmen von Promotionsvorhaben.  

Was ist das Motiv dahinter, Dissertationen zu betreuen?

Zum einen bin ich jemand, der gerne junge Leute fördert. Das drückt sich in der Professorenschaft ohnehin schon aus. Das möchte ich gerne auch auf der wissenschaftlichen Ebene machen. Ich habe aktuell zwei Absolventen an unserer Fachhochschule, die ihre Promotion begonnen haben, welche ich mitbetreue. Und zudem ist natürlich immer die Motivation des gemeinsamen Publizierens dabei.

Vielen Dank für das interessante Interview!

Interview: Prof. Dr. Matthias Dressler
Text: Laura Hakenes
(veröffentlicht: 26.04.2021-ra)