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Finnland hat den besseren Betreuungsschlüssel – Ergebnis der Helsinki-Exkursion am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit

Kiel, 12.10.2012

Wie arbeiten die mehrfachen Sieger der PISA-Studie und was machen sie anders als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen? Das wollten 44 Studierende und vier Lehrkräfte des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule (FH) Kiel auf einer Exkursion nach Helsinki erfahren. Vom 11. bis 14. September 2012 reisten sie in die finnische Hauptstadt, um ihre Studienkolleginnen und -kollegen an der Universität Helsinki sowie einige Kindertagesstätten zu besuchen. Bei ihrem Nachtreffen ließen die Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer ihre Erfahrungen und Eindrücke Revue passieren.

In einem Punkt waren sich alle einig: Finnland hat den besseren Betreuungsschlüssel, das heißt die Kinder werden dort von einer größeren Anzahl von Personen betreut als in Deutschland. In einer Einrichtung kamen auf 13 Kinder vier Erzieher, in einer anderen kümmerten sich drei Erwachsene um sechs Kinder. „Das ermöglicht eine viel individuellere Betreuung als bei uns in Deutschland“, sagte Prof. Dr. Sylvia Kägi, die die Exkursion initiiert und geleitet hatte. In einer Kindertagesstätte beobachteten die Studierenden zum Beispiel einen Streit zwischen zwei Kindern. Die Erzieherin hörte einen Moment zu, worum es dabei ging und fragte dann, ob sie den beiden helfen könne. „So gab sie den Kindern die Zeit, selbst eine Lösung für ihren Konflikt zu finden“, sagte Prof. Kägi. „Dafür haben wir in Deutschland normalerweise weder die Zeit noch das Personal“, beklagte eine Exkursionsteilnehmerin. „Da heißt es oft nur: ‚Hey, Ihr beiden! Aufhören und zwar sofort!‘“

Neben dem besseren Betreuungsschlüssel sind den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Exkursion noch weitere positive Aspekte aufgefallen. Robert Daun gefiel beispielsweise die Größe der Räumlichkeiten einer Tagesstätte, die er besucht hatte. ‚Marias Asyl‘ liegt in einem Kneipenviertel des Stadtzentrums, ist aber in einer geräumigen, ruhigen Drei-Zimmer-Wohnung untergebracht. „Kaum hatten wir die Türen hinter uns geschlossen, war der ganze Trubel auf der Straße vergessen.“ Linda Mocka und Nurcan Genc sind im fünften Semester und hatten die Exkursion zum Teil mitorganisiert. „Es war toll, aber auch anstrengend, weil wir ein ziemlich straffes Programm hatten“, sagte Nurcan Genc. Linda Mocka war besonders von dem Yoga-Angebot für Kinder beeindruckt. „Das könnten wir auch sehr gut in den deutschen Einrichtungen einsetzen.“

Nur wenige Dinge fielen den Studierenden negativ auf, zum Beispiel die spartanisch eingerichteten sanitären Anlagen. Auf die Frage, ob Finnland die besseren Pädagoginnen und Pädagogen hat, fanden sie indes keine eindeutige Antwort. Aber darauf käme es auch gar nicht an, so Prof. Kägi. „Es ist einfach wichtig, auch einmal nach links und rechts zu schauen und nicht immer nur das eigene Handeln im Blick zu haben.“ Daher plant der Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit auch im nächsten Jahr eine Exkursion: nach Kopenhagen in Dänemark.

Autorin: Jana Tresp

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  Diese Seite wurde zuletzt am  11.06.2018  aktualisiert