Der Traum vom Haushaltsroboter

Kiel, 01.11.2012

„Roboter faszinieren uns, weil sie Dinge tun, die wir normalerweise selbst machen müssten“, sagt Dr. Bernd Finkemeyer. „Wer träumt nicht von einem Haushaltsroboter, der staubsaugt, den Geschirrspüler ein- und ausräumt, die Wäsche macht usw.?“ Seit dem 1. Oktober 2012 ist er Professor für „Elektrische Antriebe und Regelungstechnik im Maschinen- und Anlagenbau“ am Fachbereich Maschinenwesen der Fachhochschule Kiel. Davor war Dr. Finkemeyer als Abteilungsleiter Steuerungsentwicklung im Bereich Forschung und Entwicklung bei der Firma KUKA Laboratories GmbH in Augsburg tätig.

Jana Tresp (JT): Sie haben an der TU Braunschweig Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Messregelungs- und Automatisierungstechnik studiert. Wie kamen Sie dazu?

Bernd Finkemeyer (BF): Schon als Kind war ich ein kleiner Elektrobastler, habe Radios und Fernseher auseinander genommen oder repariert. Daher kam für mich nur der Studiengang Elektrotechnik infrage.

JT: Wie würden Sie Laien Ihr Arbeitsgebiet erklären?

BF: Mein Spezialgebiet ist die Antriebs- und Automatisierungstechnik im Bereich der Robotik. Ich beschäftige mich damit, dass ein Roboter exakt die Position einnimmt, die ich ihm vorgebe. Dafür sind verschiedene Komponenten notwendig: der Antrieb an sich, eine Steuerungstechnik, eine Leistungselektronik, die Energie ins System einspeist, und eine Intelligenz, die das Ganze steuert und regelt.

JT: Hört sich an, als umfasse die Robotik mehrere Disziplinen?

BF: Richtig. In der Robotik spielt Interdisziplinarität eine große Rolle. Anfangs waren die Fachbereiche Maschinenbau und Elektrotechnik für die Leistungselektronik, Informatik für die Intelligenz von Robotern zuständig. Da die neue Generation von Robotern noch enger mit Menschen zusammenarbeiten wird, kommen heute noch weitere Disziplinen wie Soziologie und Psychologie hinzu. So sollte beispielsweise das Design der Roboter nicht abschreckend wirken und die Bedienung auch nicht technisch ausgebildeten Menschen möglich sein. Sich mit solchen Thematiken auseinanderzusetzen, können Ingenieurinnen und Ingenieure alleine nicht mehr leisten.

JT: Auf welchen Gebieten gibt es heute Roboter?

BF: Am bekanntesten sind die Roboter, die in der Automobilindustrie eingesetzt werden und beispielsweise Bleche zusammenschweißen. Es gibt aber auch solche, die z.B. in der Verpackungsindustrie oder im Bereich Entertainment arbeiten. Letztere sind an ihrem Greifarm mit einem Stuhl ausgestattet. Wer darauf Platz nimmt, kann mit dem Roboter Achterbahn fahren. Noch beeindruckender wird diese Fahrt mit einem Monitor auf dem Kopf – Stichwort virtuelle Rundgänge. In der Medizin gibt es Röntgenroboter in Form eines C-Bogens, die um die Patienten herumfahren und aus den unterschiedlichen Positionen Bilder machen.

JT: Einerseits faszinieren uns Roboter, andererseits fürchten viele, dass Maschinen ihnen die Arbeit wegnehmen. Wie sehen Sie das?

BF: Die Faszination liegt darin, dass ein Roboter Dinge tut, die wir normalerweise selbst machen müssten. Im Prinzip sind wir alle faul und froh, wenn uns der Alltag erleichtert wird. Wer träumt nicht von einem Haushaltsroboter, der staubsaugt, den Geschirrspüler ein- und ausräumt, die Wäsche macht usw. Zudem gibt es Betriebe, in denen die Arbeit gefährlich oder unangenehm ist. In Gießereien macht es beispielsweise Sinn, dass das heiße flüssige Metall von Robotern bewegt wird.

Die Angst, dass uns Roboter die Arbeit wegnehmen, basiert auf einer anderen Grundlage. Das Problem liegt nicht in der Robotik, sondern vermutlich in unserem Wirtschaftssystem. Roboter werden leider nicht nur eingesetzt, um Arbeit zu erleichtern, sondern vor allem um Profit zu steigern. Solange das die Hauptmotivation ist, wird die Angst bleiben. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass durch den Einsatz von Robotern Industrien im Land gehalten werden, was sie zu notwendigen Partnern macht.

JT: Was haben Sie gemacht, bevor Sie an die FH Kiel gekommen sind?

BF: Nachdem ich an der TU Braunschweig – allerdings im Fachbereich Informatik – über das Thema Robotersteuerungstechnik promoviert hatte, war ich bei der Firma KUKA in Augsburg tätig und habe zuletzt die Abteilung Steuerungssoftwareentwicklung geleitet.

JT: Wie sind Sie an die FH Kiel gekommen?

BF: Bei KUKA war ich verantwortlich für eine Abteilung innerhalb des Forschungs- und Entwicklungsbereichs, hatte dabei aber vor allem die Aufgabe, diese zu managen. Die Personalverantwortung für über 40 Mitarbeiter bedeutete für meinen Arbeitsalltag in erster Linie: Personalgespräche, Budgetierung und Controlling sowie Vorstandspräsentationen. So habe ich in den vergangenen Jahren einiges an Lebens- und Berufserfahrung auch im industriellen Umfeld gesammelt, das ich nun gerne weitergeben möchte. Darüber freue ich mich.

JT: Was möchten Sie den Studierenden vermitteln?

BF: Neben den fachlichen Inhalten, wie diese Maschinen funktionieren, möchte ich ihnen mit auf den Weg geben, wie der Berufsalltag aussehen kann. Bevor ich an die FH Kiel kam, habe ich unter anderem junge Absolventinnen und Absolventen eingestellt. Viele hatten keine konkrete Vorstellung davon, wie Ihr Arbeitsalltag aussehen soll – ob sie den ganzen Tag am Rechner sitzen oder lieber Teile zusammen schrauben wollen. Darauf möchte ich die Studierenden gerne vorbereiten und gegebenenfalls Weichen stellen.

Außerdem möchte ich den Studierenden vermitteln, was Teamarbeit bedeutet. Denn Einzelgängertum gibt es in der Berufswelt nicht. In diesem Zusammenhang finde ich das startIng!-Projekt der FH Kiel sehr gut. Da lernen die Studierenden bereits im ersten Semester, eine Aufgabe im Team zu lösen. Gleichzeitig erfahren sie wichtige Dinge über sich selbst: Wie funktioniere ich im Team? Wie kommuniziere ich? Wie löse ich Konflikte? Diese Softskills sind für das spätere Berufsleben enorm wichtig.

Kurzbiografie

 

seit Oktober 2012 Professor an der Fachhochschule Kiel, Fachbereich Maschinenwesen

2005-2012 unterschiedliche Positionen in Gesellschaften der KUKA AG, Augsburg; zuletzt: Leiter Steuerungsentwicklung im Bereich Forschung und Entwicklung der KUKA Laboratories GmbH

2004 Promotion; Thema der Dissertation: „Robotersteuerungsarchitektur auf der Basis von Aktionsprimitiven"

1998-2005 Wissenschaftlich technischer Mitarbeiter am Institut für Robotik und Prozessinformatik, TU Braunschweig

1993-1998 Studium der Elektrotechnik, Vertiefungsrichtung Mess-, Regelungs- und Automatisierungstechnik, TU Braunschweig