„Stoffwechsel" von Juliane Ebner

Vom 13. Oktober bis 09. November 2016 präsentierte die Wahlberlinerin Juliane Ebner in den Galerieräumen des Bunker-D ihre Ausstellung „Stoffwechsel“. Darin zeigte sie ihre brandneuen Werke – zarte, geheimnisvoll verschwimmende Gemälde sowie Animationsfilme – aus der Serie „Schwebeteilchen“, die sich mit Heimatbildern beschäftigt.

„Es geht um uns – es geht um unsere Geschichte“, so die gebürtige Stralsunderin. Juliane Ebner behandelte in ihrer Ausstellung die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte sowie die Zeit nach der Wiedervereinigung. Einen wichtigen thematischen Teil nahm hierbei für die Künstlerin die Euthanasie ein, den industriellen Massenmord zur Zeit des Nationalsozialismus, von dem besonders Menschen mit Handicap, Andersdenkende und Juden betroffen waren. Der Ausstellungstitel „Stoffwechsel“ stand dabei zum einen für die Verwandlung von Zuständen und Situationen und verwies zum anderen im Rahmen einer großformatigen Arbeit und eines Films auf das Down-Syndrom (Trisomie 21). Die Künstlerin, die in der DDR-Diktatur aufwuchs und der Revolutionsgeneration angehörte, zeigt hier ungewollt politische Kunst.  

Juliane Ebner präsentiert in ihren seriellen Unikaten Heimatbilder mit ikonischen Verweisen auf deutsche Geschichte. Sie arbeite immer seriell, da sie nicht an das einzigartige Bild glaube, so die Künstlerin. In ihrer Serie „Schwebeteilchen“ steht die thematische Grausamkeit gepaart mit äußerer Ästhetik im Vordergrund. Ihre Gemälde vereinen filigrane Arbeit und das so unendlich Schwere, zarte monochrome Malereien mischen sich mit neonfarbenen Flächen von pink bis orange – zwischen Realität und Traum. Die Künstlerin ist sich sicher: „Das echte Leben ist eigentlich surreal.“

Ihre Tuschezeichnungen werden in den Animationsfilmen lebendig, die mit der Stop-Motion-Technik erstellt worden sind. Bei dieser Technik werden Malereien und Zeichnungen fotografisch festgehalten und aneinandergereiht, sodass beim Betrachten eine Bewegung entsteht. Die Filme wurden während der Ausstellung auf zwei Bildschirmen und einer Leinwand gezeigt. Die Bilder, unterlegt mit der Stimme Juliane Ebners, erzählten die Geschichten „Knallerbsenbuch“, „Alles offen“, „In der Mitte ein Loch“ sowie „Schwebeteilchen“. Im hinteren Treppenhaus des Bunker-D war das Gegenprogramm zur deutschen Geschichte finden. Die Filmserien „Kleine Dinger“ und „Künstlerkacke“ führten in den Alltag einer Frau im Künstlerbetrieb und luden zur Zerstreuung von der thematischen Schwere der Ausstellung ein.

Juliane Ebner ist 1970 in Stralsund, in der ehemaligen DDR, geboren und aufgewachsen. Somit hat sie als junges Mädchen einen Teil der neueren deutschen Geschichte miterlebt. Diese Erfahrungen verarbeitet die Malerin nun in ihrer Kunst. Ebners Vita liest sich wie ein Wechselspiel unterschiedlicher Pfade: 1993 schloss sie ihr Studium der Kirchenmusik ab und war anschließend als Organistin in Potsdam, Stralsund und Neumünster tätig. An der Muthesius Kunsthochschule in Kiel studierte sie von 1999 bis 2005 freie Kunst. Seitdem erhielt die Mutter dreier Kinder mehrere Stipendien, wirkte an zahlreichen Projekten mit und realisierte viele Ausstellungen im In- und Ausland.

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