Interview zum Abschied von Geschäftsführerin Christina Abraham

Nach 14 Jahren an unserem Fachbereich verlässt unsere Geschäftsführerin, Christina Abraham, zum 1. Mai 2017 die Fachhochschule Kiel, um sich neuen, spannenden Aufgaben zu widmen. Zu diesem Anlass haben wir mit Frau Abraham die letzten 14 Jahre am Fachbereich Wirtschaft Revue passieren lassen. Wo es sie jetzt hin verschlägt, warum Frau Abraham ein Buch mit dem Titel „Aber es ist doch einfacher, Sie zu fragen“ schreiben sollte und welche Lebensweisheit sie aus ihrer Zeit bei uns mitgenommen hat, erzählt die gebürtige Neumünsteranerin uns in einem persönlichen Interview. Ab dem 1. Mai 2017 wird Nachfolgerin Birte Scharpf die Geschäftsleitung übernehmen.

1) Wie kam es, dass Sie vor 14 Jahren an der FH Kiel „gelandet“ sind?

Meine erste Berufsausbildung habe ich zur Fleischerin gemacht, nach der Gesellenprüfung sogar noch eine Meisterprüfung. Nach meinem BWL-Studium hier an der FH Kiel habe ich dann sehr lange in einer Unternehmensberatung gearbeitet und große IT-Projekte betreut. Mit dem Platzen der IT-Blase habe ich die Sicherheit gesucht und mich an der FH Kiel als Geschäftsführerin beworben. Aufmerksam bin ich auf die Stelle geworden, weil mein Mann zu dem Zeitpunkt schon an der FH Kiel gearbeitet hat.


2) Wie sah Ihr Aufgabenbereich an der FH Kiel aus?

Sehr vielfältig. Einen großen Anteil meiner Arbeit hatte immer die Vorlesungsplanung. Es müssen jedes Semester die Wünsche von 100 Lehrenden in über 350 Veranstaltungen zu einem einigermaßen funktionierenden Vorlesungsplan zusammengebaut werden. Viele Lehrende haben auch spezielle Wünsche, was beispielsweise die Zeiten angeht.
Hinzu kommt, dass wir zu meiner Anfangszeit 1.000 Studierende am Fachbereich hatten, die Zahl hat sich mittlerweile verdoppelt – es sind aber nur drei Räume dazugekommen.
Die Evaluationen müssen zudem geplant und durchgeführt und alle Berufungen begleitet werden. Aber darüber hinaus gibt es ca. eine Millionen Dinge, die ich bearbeite, sowohl regelmäßige Arbeiten als auch wichtige Anliegen des Dekans.

 

3) Wie viele neue Studiengänge haben Sie im Laufe der 14 Jahre am Fachbereich Wirtschaft (mit)konzipiert?

 

Als ich hier anfing, hatten wir gerade mal zwei Studiengänge – BWL Diplom und Wirtschaftsingenieurswesen. BWL Diplom und der Wirtschaftsinformatik Bachelor fingen gerade erst an. Jetzt haben wir elf Studiengänge. Zwischendurch gab es auch Studiengänge, wie zum Beispiel den Master of Business Law, die wieder eingestellt wurden. Die Präsenzstudiengänge wurden akkrediert und reakkrediert und in diesem Zuge überarbeitet. Der BWL Bachelor wurde nun auch wieder neu geschnitten. Es sind also recht viele, was auch zeigt, dass sich unser Fachbereich bemüht, am Puls der Zeit zu bleiben und aktuelle und moderne Konzepte anbietet.

 

4) Wie hat sich Ihre Arbeit im Laufe der 14 Jahre verändert?

Die Position der Geschäftsführung wurde erst geschaffen, kurz bevor ich hier anfing. Anfangs gab es schon mal Wind von vorne und es musste sich erst „zurechtruckeln“, welche Aufgaben im Sekretariat bleiben, welche durch den Dekan bzw. die Dekanin und welche durch die Geschäftsführung übernommen werden. Aber es sind auch deutlich mehr Aufgaben geworden, z.B. der ganze Bereich der Evaluation war 2002 noch kein Thema und auch die Begleitung der Berufung war damals nicht im Fokus.

Andere Aufgaben hingegen sind weniger geworden. So bekam ich zu Beginn meiner Tätigkeit als Geschäftsführerin jeden Tag um die 20 Mails und teilweise noch Briefe mit Fragen zum Studium, heute erhalte ich dazu vielleicht eine Mail pro Woche. Das liegt natürlich daran, dass im Internet alle Informationen zu unseren Studiengängen zugänglich sind.

 

5) Wie hat sich der Fachbereich Wirtschaft im Laufe der 14 Jahre verändert?

Wir haben uns fast verdoppelt, dadurch kenne ich viele Studierende nicht mehr, was sehr schade ist. Die Lehrenden sind viel jünger geworden (zumindest jünger als ich), aber ansonsten ist vieles im Grunde auch gleichgeblieben.


6) Wenn Sie an die 14 Jahre am Fachbereich Wirtschaft denken, was waren die größten Herausforderungen?

Die Einstellung des Diplom-Studiengangs war eine echte Herausforderung, insbesondere eine menschliche Herausforderung. Für viele Langzeitstudierende war das Studium eine Art Anker und wir mussten sie damals begleiten und schauen, wie sie das Studium noch schaffen oder aber sagen, jetzt ist es leider vorbei. Eine ebenfalls komplexe Aufgabe war die jüngste Änderung des Curriculums für die BWL Bachelor-Studierenden.

Eine weitere Herausforderung für mich persönlich war die (Gott sei dank) erfolgreiche Teilnahme an den Qualitätsmanagement-Seminaren von Prof. Dr. Claus Neumann mit abschließender Prüfung zur Qualitätsmanagement-Beauftragten.

7) Sie haben in einem vorherigen Artikel „10 Fragen an...Frau Abraham“ erzählt, dass Sie ein ganzes Buch über die Erlebnisse an der FH Kiel verfassen könnten. Mit welchem Erlebnis würde dieses Buch starten?

Es gibt immer wieder Studierende (aber auch Lehrende), die mir Fragen stellen. Auf meinen Hinweis, dass genau diese Informationen im Internet stehen, kommt häufig die Antwort: „Aber es ist einfacher, Sie zu fragen.“
Das wäre, glaube ich, der Titel meines Buches.

 

8) Gibt es etwas Spezielles, was Sie an Ihrer Arbeit an der FH Kiel besonders vermissen werden?

Ja, auf jeden Fall. In der ganzen Hochschule sind wirklich viele, gute Freundschaften entstanden, das werde ich sehr vermissen. Die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten werde ich auch vermissen. Wenn man am Puls der Zeit bleibt, wird man davor bewahrt, so eine verknöcherte Alte zu werden.



9) Was haben Sie aus Ihrer Zeit an der FH Kiel (fürs Leben) gelernt?


Für mich persönlich habe ich gelernt, dass man vieles einfach schafft. Wenn man etwas übt, dann kann man es auch einfach.

 

10) Welche Weisheiten davon würden Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen, den Professores oder Studierenden gerne mitgeben?

Denkt daran, dass es ein Vollzeitstudium ist!


11) Welche neuen Aufgaben warten ab dem 1. Mai auf Sie?

Ich wechsle in die Staatskanzlei und arbeite dort an einem kooperativen Personalmanagementprojekt.


12) Mit welchem Gefühl nehmen Sie Abschied?

Mit dem bekannten weinenden und lachenden Auge. Ein bisschen habe ich auch Angst, die eigene Komfortzone zu verlassen und bin natürlich auch traurig. Aber wenn - ich werde nächsten Monat 53 - ich jetzt nicht in die Gänge komme, was anderes mache, dann fehlt mir einfach der Drive irgendwann.


13) Und zum Schluss die Frage aller Fragen: In unserem Adventskalender haben Sie sich mehr Kekse von allen gewünscht, haben Sie denn eine Lieblingskekssorte?

Schlichte Mürbeteigkekse. Also eigentlich das klassische Weihnachtsgebäck - kann ich zu jeder Jahreszeit essen.

Vielen Dank und alles Gute für Ihre persönliche und berufliche Zukunft!

 

Text: Nicole Bianga
Fotos: Pressestelle Kiel, Nicole Bianga
(veröffentlicht: 24.04.2017)