Bericht der Wirtschaftsinformatiker zur Studienreise nach China: 15 und zwei - ein Blick über die Mauer 

Vom 02.05.2017 bis zum 10.05.2017 verbrachten 15 Wirtschaftsinformatik-Studierende mit Prof. Dr. Dirk Forsch-Wilke und Prof. Dr. Dirk Hauschildt im Rahmen einer Studienreise neun Tage in China, um Einblicke in die Chancen und Herausforderungen deutscher Unternehmen vor Ort zu erhalten. Die Studierenden Constanze Grohmann und Nils Welzk waren mit von der Partie und berichten in unserem Fachbereichsblog von ihren spannenden Erlebnissen im Land des Lächelns.

In den vergangenen IDW haben wir neun Tage Unvergleichliches erlebt. Wir durften spannende Einblicke in die Wirtschaft und die Kultur Chinas erfahren – direkt vor Ort. Dieses von Studierenden geplante und durchgeführte Projekt war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Wer sind wir? Wir sind 15 + 2: 15 Studierende der Wirtschaftsinformatik + 2 Professoren, aber auch 15 Präsenzler + 2 Onliner oder 15 China-Neulinge + 2 China-Erfahrene. Von unseren Eindrücken und Erkenntnissen möchten wir im Folgenden berichten.

Nach einem langen Flug über Amsterdam nach Peking wurden wir von einem Guide erwartet und fuhren ohne Unterbrechung direkt zum bekanntesten Wahrzeichen Chinas – der Chinesischen Mauer. Auf der Fahrt erhielten wir bereits wichtige Quick-Facts zu China:

  • 1,4 Milliarden Einwohner
  • ca. 50 ethnische Minderheiten
  • so groß wie Europa bis zum Ural
  • mit je rund 20 Millionen Einwohnern belegen Peking und Shanghai Plätze 2 und 3 der größten Städte der Welt

und zur Mauer:

  • 21.196km lang,
  • keine durchgehende Mauer,
  • rund 2.700 Jahre alt,
  • zum Schutz vor nomadischen Reitervölkern aus dem Norden
  • und teilweise super steil.

Auch bei der anschließenden Besichtigung der riesigen Grabanlage des Kaiserhauses der Ming-Dynastie erfuhren wir viel über die Kultur (z.B. über das Feng-Shui) und die Probleme (z.B. den Smog) des Landes. Themen wie die Strategien Chinas, die Elektromobilität und die Digitalisierung voranzutreiben, die Wirtschaft zu fördern aber auch die Umwelt weniger zu belasten, wurden dabei von unserem Guide angesprochen.

 

    

Nach dem Besuch der Verbotenen Stadt und zumindest einigen ihrer 890 Paläste ging es am Folgetag mit dem Schnellzug nach Shanghai, dem Hauptziel der Reise.

Erster Anlaufpunkt war das Generalkonsulat. Hier erfuhren wir, dass sich deutsche Unternehmen bei Vergabeverfahren und juristischen Fragen oft schlechter behandelt fühlen als chinesische Firmen. Hinsichtlich der vorgeschriebenen Joint Ventures gibt es neben negativen Erfahrungen auch viele sehr gut laufende Kooperationen.

Was die kulturellen Unterschiede für Auswirkungen auf deutsche Unternehmen haben, interessierte uns auch: Geschäfte laufen in China fast nur über Beziehungen, d.h. wenn man den Partner gut kennt. Bei Verhandlungen sind Status und Respekt zudem außerordentlich wichtig. Chinesen machen gerne Geschäfte mit Deutschen, weil diese als zuverlässig und verbindlich gelten und die deutschen Produkte den Ruf einer sehr guten Qualität habe.

Bei der WTSH wurden wir dann u. a. Fragen zur Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit los. Kurz nach der Jahrtausendwende war es noch schwer, ohne gute Kontakte zur Provinzregierung ein Unternehmen in China aufzubauen. Das wurde dann ab ca. 2006 leichter, da sich die Wirtschaft immer weiter geöffnet hat. In Zukunft möchte China aber weg vom einfachen “Made in China” hin zu “Innovated in China”. Daher berichten viele Unternehmen wieder von einer zunehmenden Abschottung des chinesischen Marktes mit zunehmenden Schwierigkeiten für deutsche Firmen (s.o.).

Ebenfalls beeindruckend war ein Besuch der Shanghai-Niederlassung der Firma Dräger, einem weltweit bekannten Unternehmen aus Lübeck. Der CEO, Herr Roethlinger stellte uns das Unternehmen und dessen Philosophie „Technik für das Leben“ vor. Wir bekamen einen interessanten und tiefgreifenden Einblick in die prozessoptimierte Produktion und die Produktvielfalt des Unternehmens. Viele der chinesischen Mitarbeiter arbeiten schon lange in diesem Unternehmen und schätzen die offenere Führungskultur deutscher Unternehmen sehr.

Wir besuchten ebenfalls die schön angelegten Yuyuan Gärten und lernten im Urban Planning and Exhibition Centre die rasante Entwicklung Shanghais kennen. SAP stellte uns neben der Unternehmensgeschichte einige spannende Entwicklungsprojekte vor.

Partnerhochschule der Fachhochschule Kiel ist. In Vorträgen wurde uns erläutert, dass die Uni führend ist in ihren fachlichen Schwerpunkten Standardisierung und Metrologie (Wissenschaft vom Messen und ihre Anwendung) und die Regierung damit das Prozess- und Qualitätsmanagement in chinesischen Unternehmen fördern will.

Dort lernten wir sehr nette Studenten kennen, die uns wärmstens in Empfang nahmen und sich auf unseren Besuch bestens vorbereitet hatten. Sie holten uns mit einem Bus vom Bahnhof ab, luden uns zum Essen in die Mensa ein und zeigten uns neben dem Campus auch den wunderschönen West-Lake der Stadt. Als es zu regnen begann organisierten sie in kürzester Zeit Schirme und Regencapes. So bekamen wir einen Einblick in das Leben chinesischer Studenten und es entstanden Freundschaften.

Fazit: China und vor allem Shanghai sind uns durch die Reise deutlich nähergekommen und begreifbarer geworden. Wir haben erfahren, dass China weit mehr ist als ein „Entwicklungsland“ oder ein kommunistischer Staat. Die vielen Wirtschaftsnachrichten zu China lesen wir jetzt mit einem ganz anderen Hintergrund. Dieser wichtigste Handelspartner Deutschlands ist sehr facettenreich. Wir haben es als ein modernes, technologisch stark voranschreitendes Land erfahren, dessen Menschen an Freundlichkeit seinesgleichen suchen. 

 

Wir möchten uns bei der Fachhochschule Kiel dafür bedanken, dass uns diese Reise ermöglicht wurde. Die nächste Studienreise für Wirtschaftsinformatiker wird voraussichtlich während der IDW im WS 2018/2019 stattfinden. Interessenten und insbesondere Studierende, die einen Teil der Reise mit organisieren möchten, können sich gerne bei Prof. Dr. Dirk Hauschildt melden oder achten auf die Fachbereichs-Aushänge im kommenden Wintersemester.

Text und Fotos: Nils Welzk und Constanze Grohmann
(veröffentlicht: 30.06.2017)