Promotion von Frau Dr. Gabriela Seyer

 

Frau Gabriela Seyer ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Kiel und unterrichtet Studierende im Modul Softskills. Seit einigen Wochen darf sie sich stolzer Weise Frau Dr. Gabriela Seyer nennen. Vier Jahre hat sie am Institut für Pädagogik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel promoviert. Der Titel ihrer Doktorarbeit lautet „Unterstützung der Selbstlernkompetenz durch Ergründung emotionaler Lernvoraussetzungen - Eine Studie zum "Inneren Team" bei Studierenden“.

Wir sind neugierig und treffen uns mit ihr in der „Villa“ der Fachhochschule Kiel. Freundlich werden wir von ihr und ihrem vierbeinigen Wegbegleiter begrüßt.

Frau Seyer, bevor wir näher auf Ihre Promotion eingehen, erzählen Sie uns doch ein bisschen von Ihrem Werdegang?
Seyer: Ich habe ein Studium als Beraterin für Arbeits- und Berufsberatung in Mannheim absolviert und anschließend auch in der Berufsberatung gearbeitet. Nachdem ich in die freie Wirtschaft gegangen bin und dort knapp 20 Jahre als Führungskraft tätig war, wagte ich 2006 den Schritt in die Selbstständigkeit. Als selbstständige Beraterin habe ich neben der Unternehmensberatung auch Führungskräfte weiterentwickelt und gecoacht. Für die dafür benötigten Kompetenzen absolvierte ich eine Coach- und Mediatorenausbildung.

Bereits damals war ich an der FH Kiel tätig und habe Studierende im Modul Softskills unterrichtet. 2012 habe ich meine Selbstständigkeit aufgegeben und bin seitdem vollständig an der FH. Ich engagiere mich in verschiedenen Präsidiumsprojekten zum Thema Qualität in der Lehre. Parallel entschied ich mich damals dazu, noch ein Masterstudium (Fernstudium) in Erwachsenenbildung zu absolvieren und spielte bereits damals mit dem Gedanken - Ich promoviere hinterher noch!

Was waren Ihre genauen Beweggründe noch zu promovieren?
Seyer: Neben dem Wunsch sich selber nochmal etwas beweisen zu können, wollte ich das praktische Wissen aus der Beratung mit dem wissenschaftlichen Überbau in eine Forschungssituation bringen. Das Zusammenbringen von Theorie und Praxis war meine Intention.

Der Titel Ihrer Doktorarbeit lautet „Unterstützung der Selbstlernkompetenz durch Ergründung emotionaler Lernvoraussetzungen - Eine Studie zum "Inneren Team" bei Studierenden“ – wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Seyer: Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Erwachsenenlernen. Wie Menschen lernen, die nicht mehr wie in jungen Jahren zur Schule gehen, welche Umstände sie zum Lernen bringen und was dazu führt, dass das Gelernte dann auch angewendet wird. Durch meine langjährige Tätigkeit in der Beratung, aber auch als Lehrende an der FH Kiel, war es für mich naheliegend, sich mit dem Gedanken zu befassen, welche Unterstützungsmöglichkeiten es für Studierende gibt, die Schwierigkeiten beim Lernen haben. Es geht nicht darum, dass die Studierenden nicht lernen wollen, sondern darum, dass sie nicht können. Genau dort gilt es anzuknüpfen. Die Entwicklung der Selbstlernkompetenz als das Element, was dazu führt, dass das Lernen von mir aus bewusst gesteuert werden kann.

Es gibt viel Literatur darüber, was im didaktischen und metakognitiven Bereich passieren muss, um die Lernkompetenz zu fördern. Meine Hypothese: Es nützt nichts. Der Verstand kann noch so stark wollen, wenn im Inneren etwas dagegen ist. Man betrachte die zwei Seiten einer Medaille. Was nützt die beste Kognition, wenn die Emotion nicht stimmt? Deswegen ist die Entwicklung der emotionalen Kompetenz so wichtig. Auf dem Gebiet ist bisher noch wenig erforscht. Auch, weil es nicht so einfach nachweisbar ist. Man kann zwar mit neurowissenschaftlichen Methoden erklären, was wo im Gehirn passiert, aber trotzdem bleibt es als wissenschaftliches Gebiet schwierig zu bearbeiten. Diese Herausforderung finde ich besonders interessant.

 

 

Haben Sie Tipps für Studierende, die Probleme mit dem Lernen haben?
Seyer: Tipps und Tricks sind nicht so meins. Es kann eigentlich immer nur darum gehen, Ansätze für eine Selbstreflektion zu geben. Ganz nach dem Motto „Die Lösung liegt in dir“. Es nützt nichts, wenn ich dir sage, was du tun sollst. Der Weg muss von dir selber erkannt werden.

Ich habe mit Studierenden eine Forschungsstudie über 15 Monate durchgeführt. Die Teilnehmer sollten selbst reflektieren, welche innere Situation sie empfinden, wenn sie nicht lernen können. Ich habe dafür das Persönlichkeitsmodell von Friedemann Schulz von Thun herangezogen. Es galt zu erkennen, wie das innere Team in einem selbst aufgestellt ist und wie man die einzelnen Teammitglieder aufstellen muss, damit eine gute Lernsituation geschaffen werden kann. Dies ist die emotionale Kompetenz – das bewusste Wahrnehmen und Steuern von Emotionen.

Wie lief die Promotion bei Ihnen ab?
Seyer: Ich hatte schon länger die Idee zu promovieren. Es gab ein Thema, welches mich lange im Kopf und Herzen bewegt hat. Ich habe zunächst ein Kurzexposé angefertigt und mich auf die Suche nach jemandem gemacht, der mich dabei betreuen kann. Bei der Recherche bin ich auf Frau Prof. Dr. Birgit Brouër aus dem Institut für Pädagogik der CAU gestoßen. Wir haben einen Termin vereinbart, es wurde ein ausführliches Exposé geschrieben, ein Zeitplan gemacht, Vertrag aufgesetzt und dann ging es los.

In Forschungskolloquien habe ich mich mit anderen Leuten ausgetauscht, welche wertvollen Input gebracht haben. Ich habe mich mit verschiedenen Forschungsmethoden beschäftigt und Seminare besucht. Irgendwann war ich der Meinung, dass ich fertig bin und mein Werk ist in die Begutachtung gegangen. Die Disputation hatte ich im Sommer letzten Jahres.

Nachdem die Druckreife erreicht war, habe ich mir einen kleinen Verlag in Kiel gesucht, der sich dazu bereit erklärt hat, das Werk zu veröffentlichen. Nun liegt das Werk vor. Insgesamt habe ich vier Jahre gebraucht.

Die Studierenden die ebenfalls promovieren möchten, können sie denen etwas mit auf den Weg geben?
Seyer: Die Schreibblockade, das nicht fertig werden, das sich verzetteln – all dies sind nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten. Ich empfehle (dies gilt generell für jede Art von wissenschaftlichen Arbeiten): Alles aufschreiben was einem einfällt! Wenn man etwas liest, sofort rausschreiben. Auch, wenn es erstmal nur ein loser Text ist. Man muss die Notizen letztendlich nicht verwenden, aber wenn man es aufgeschrieben hat, ist man es aus dem Kopf los und braucht keine Angst mehr haben, es zu vergessen. Das Gefühl etwas vergessen zu können, kann nämlich dazu führen, dass man überhaupt nicht ins Handeln kommt. Bei mir hat es geholfen!

Wie sind Ihre Zukunftspläne?
Seyer: Ich möchte mein Wissen gerne an die Studierenden weitervermitteln. Es gilt zu überlegen, in wie weit ein Angebot für die Studierenden sinnvoll ist und wie es umgesetzt werden kann. Die FH Kiel bietet dafür gute Möglichkeiten z.B. im Rahmen der interdisziplinären Wochen.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Text & Bild: Melanie zum Brook
(veröffentlicht: 10.08.2017)