"Handapparat" von Anke Müffelmann

Vom 07. September bis 04. Oktober 2017 stellte die Künstlerin Anke Müffelmann ihre vielfältigen Werke im Bunker –D aus. Eröffnet wurde die Ausstellung von der Leiterin der Stadtgalerie im Elbeforum, Silke Eikermann-Moseberg. Die Rede verriet dem aufmerksamen Zuhörer, welche der nicht sofort greifbaren Verschlüsselungen und Kodierungen sich hinter den Werken der Kieler Keramikerin und Künstlerin verbergen. Anke Müffelmann ist es gelungen geerbtem Familienobjekten einen neuen und einen künstlerischen Wert zu geben Sie spannt einen Bogen zwischen ihrer persönlichen Familiengeschichte im Kontext des 2. Weltkrieges und der Frage, welche Bedeutung Handarbeit im Zusammenhang mit neuer Technologien und aktueller Kunst hat.

 

Besonders auffallend sind die unterschiedlichen Materialien, welche für die ausgestellten Werke verwendet wurden. So fand man altes Leinen geziert von Knöpfen, Häkchen und allerlei anderen Schätzen, welche aus dem Familienbesitz der Künstlerin stammen, mit Hasenleim gespannt auf Leinwände. Angelehnt an Paul Celans „Todesfuge“ verbildlichte die Künstlerin einige Zeilen des Gedichts. Ein Holztisch mit Leinen bezogen auf dem sich aus Knochenporzellan geformte, geschwärzte Löffel befinden. In die Leinen eingestickt sind weitere Zeilen Celans „wir trinken dich morgens und mittags, wir trinken dich nachts“. Doch dies sind nicht die einzigen Worte, die sich in den Kunstwerken Anke Müffelmanns verbargen. Mal kleinere und mal große QR-Codes, in die Familienhandtücher gestickt, kodierten Sprüche und Weisheiten aus den Alben ihrer Großmutter, Sätze wie  „und reget ohne Ende, die fleißigen Hände“ oder auch  „Ordnungssinn und Reinlichkeit ersparen dir gar manche Zeit“.

Die Werke aus der Reihe „Waschweib“, aus Keramik geformte Wäscheknäule, bereits 2011/13 ausgestellt im Atelierhaus im Anscharpark und bei der Landesschau in Eutin, erinnern an die harte körperliche Tätigkeit von Frauen beim Waschen mit der Hand, z.B. in Krankenhäusern, wo Wäsche täglich vom Unrat befreit werden musste. Anke Müffelmann nutzt die Symbolik der „weißen Wäsche“ und fragt nach Schuld, Vergessen, Vertuschen und Verantwortung bezüglich der Geschichte. Außerdem richtet sie die Aufmerksamkeit der Betrachter auf die harte körperliche Arbeit von Frauen, „die nicht gesehen wurde und wird“.  Nach eigener Aussage hat ihre Kunst auch einen feministischen Anklang: „Wie kommt es, dass Geschlechterrollen und -muster immer wieder einfach so akzeptiert wurden und was bedeutet das für unser heutiges Denken?“

In der Ausstellung Handapparat ist es der Künstlerin Anke Müffelmann gelungen Geschichte und Neuzeit auf eine sehr eigene und persönliche Art zu verbinden. Sie erschuf Erinnerungsorte und gab alten Stoffen neuen Wert, zugleich kommuniziert sie in der Sprache aktueller Kunst.

Anke Müffelmann hat Keramik, Malerei und Druckgrafik in Kiel, Porto und Oslo studiert. Sie ist Mitbegründerin und Vorsitzende des Kunstverein Haus 8 im Anscharpark Kiel, wo sie seit 2011 als Künstlerin im Atelierhaus tätig ist.

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