Auslandsaufenthalte der Lehrenden - Prof. Dr. Matthias Möbus

Wie kam es zu dem Aufenthalt bzw. zu der Lehrtätigkeit?
Durch meine englischsprachigen Masterkurse Apps sowie BPMS weiß ich, wie wichtig es heutzutage ist, gut Englisch sprechen zu können. Um mein rudimentäres Englisch zu verbessern, aber auch um ein anderes Unisystem kennenzulernen und um Impulse für die Fortentwicklung meiner Forschung und Lehre zu erhalten suchte ich eine Möglichkeit im englischsprachigen Ausland. Durch einen Tipp des Kollegen Prof. Dr. Kay Poggensee erhielt ich über Ed Weymes von der University of Waikato, den ich 2007 während seines Besuches an der FH Kiel kennengelernt hatte, im Februar Kontakt zu Kollegen der dortigen Waikato Management School. Von hier kam Ende Mai die Einladung für den Gastbesuch.

 
Was hat Sie dort besonders beeindruckt? 
Am ersten Tag: Dass ich völlig unerwartet bei der Begrüßung freundlich lächelnd einen Schlüssel für ein eigenes, voll ausgestattetes Büro mit Blick auf die Berge auf dem Flur der Büros der Kollegenschaft in die Hand gedrückt bekam und man sich dafür entschuldigte, dass der PC leider erst am nächsten Vormittag installiert würde. Durchgehend bis zum letzten Tag: Die erfahrene jederzeitige Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen der University of Waikato sowie der beobachtete jederzeitige entspannte Umgang zwischen Professoren und Studierenden.

Gab es Unterschiede im Vergleich zu Deutschland, z. B. hinsichtlich der Mentalität der Studierenden oder der Qualität der Lehre?
Im Rahmen meiner Forschungen habe ich mir in Hamilton Studienbedingungen, Studienprogramme, Modulbeschreibungen und Prüfungselemente recht genau angeschaut, nahm an unterschiedlichen Vorlesungen teil und hielt auch selbst Gastvorlesungen. Bemerkenswerte Unterschiede zu dem bei uns künftig siebensemestrigen B.A. Betriebswirtschaftslehre habe ich anhand des in den Qualifikationszielen ähnlich ausgerichteten Bachelor of Management Studies beispielsweise in Bezug auf Modulbeschreibungen, Prüfungsarten und Anzahl von Prüfungselementen, studieninterne Barrieren und das Fehlen von Kolloquium und Thesis festgestellt. Darüber habe ich einen wissenschaftlichen Artikel geschrieben, der demnächst veröffentlicht wird.
Im Hinblick auf die Studierenden habe ich ein im Durchschnitt höheres studentisches Engagement als bei uns erlebt. Dies mag zum Teil mit den für viele Kurse üblichen semesterbegleitenden Prüfungen oder mit dort zu zahlenden Studiengebühren für jedes einzelne Modul erklärt werden. Ich war jedenfalls recht positiv von den an die Studierenden gestellten Anforderungen und Prüfungsarten sowie von den Studierenden erbrachten Leistungen angetan. Eine Prüfungsart, das „Class Discussion Leading“, bei dem Studierende lernen, wissenschaftliche Artikel kritisch zu reflektieren, habe ich bereits im laufenden Semester in mein hiesiges Bachelormodul Demografischer Wandel und Digitalisierung integriert.

Gab es viele internationale Studierende, eventuell sogar welche von der FH?
Zwischen der University of Waikato und unserer Fachhochschule gab es von 2001 bis 2014 eine Kooperation, die nach dem Wechsel des zuständigen Auslandsbeauftragten nicht verlängert wurde. Im Rahmen der Kooperation hatten mehrere unserer Studierenden in Hamilton einen MBA-Abschluss, einer sogar einen PhD-Abschluss gemacht. Dieser Studi ist inzwischen übrigens selbst Senior Lecturer an einer Universität in Australien.

Besteht die Möglichkeit, dort ein Studiensemester zu absolvieren?
Studierende können sich jederzeit auf Studienplätze bewerben. Sie müssen aber in Betracht ziehen, dass für ein Studium in Neuseeland im Vergleich zu Deutschland recht hohe Studiengebühren zu zahlen sind. Nach meiner Erfahrung sollte man sich bei einem solchen Vorhaben spätestens zwei Jahre vorher über Fördermöglichkeiten und passende Stipendien zu informieren beginnen.

Gibt es etwas, was Sie durch den Aufenthalt im Ausland wieder mehr zu schätzen gelernt haben als zu Hause?
Die modernen Kommunikationsmöglichkeiten via Internet. Aus dem Büro oder bei Sonnenschein vom Gipfel des Mount Eden quasi in Echtzeit mit Studis oder mit der Familie zu sprechen, während man sich dabei sehen kann, das ist einfach nur genial. Dadurch konnte ich auch meine Betreuung zwei unserer Studis bei der Erstellung ihrer Thesen unterbrechungsfrei vom anderen Ende der Welt sicherstellen.

Hatten Sie Zeit, nebenbei auch das Land an sich kennenzulernen? 
Ich war mit meiner Frau während meiner Dissertationszeit im Rahmen einer mehrmonatigen Weltreise bereits drei Wochen auf der Südinsel und zwei auf der Nordinsel Neuseelands. Aus der Zeit waren mir Klimazonen, Landschaften und Menschen Neuseelands schon etwas bekannt. Meine Zeit in Hamilton sah jetzt so aus, dass ich während des von geplanten drei auf vier Wochen verlängerten Gastaufenthaltes montags bis freitags täglich zwischen 8 und 9 Uhr an der Uni war und diese zumeist zwischen 16:30 Uhr und 17:30 Uhr verließ, an zwei Tagen sogar noch später, weil ich meine Gastvorlesungen möglichst gut machen wollte. Juli/August sind dort Wintermonate, die Sonne ging folglich abends recht schnell unter und so war von der beeindruckenden Landschaft an diesen Tagen nicht mehr viel zu sehen. Freitags verließ ich die Uni aber immer schon um 13:30 Uhr, direkt nach dem Ende einer für mich sehr interessanten Vorlesung, um an den Wochenenden Landschaften und Orte wieder- oder neu zu entdecken. Für mich besteht ein Land aber vor allem auch aus den dort lebenden Menschen. Wenn man ein Land dadurch kennenlernt, dass man die Menschen des Landes kennenlernt, dann habe ich Neuseeland jetzt recht gut kennen- und schätzen gelernt.

Gab es ein persönliches Highlight?
Während einer der Gastvorlesungen unvermittelt festzustellen, dass ich in den Unibetrieb so gut integriert bin, dass ich in Hamilton ohne weiteres hätte bleiben können. 

Wären Sie gerne länger geblieben oder können Sie sich vorstellen, so etwas zu wiederholen? 
Zweimal ein deutliches: Ja! 

Kurz und knapp in drei Worten: was nehmen Sie daraus mit?
Zwei Worte reichen: Reisen bildet.

Text und Fotos: Janna Lynn Schröder
(veröffentlicht: 16.11.2017)