10. Prozessmanagementforum - Eine Zeitreise im Management von Projekten und Prozessen



Am 15.12.2017 fand in der IHK zu Kiel das 10. Kieler Prozessmanagementforum statt. Die Vorbereitungen sowie die Durchführung der Veranstaltung wurden von Herrn Dr. Klaus Thoms und Frau Prof. Dr. Doris Weßels in Zusammenarbeit mit dem Programmkomitee und den Akteuren der zahlreichen Kooperationspartner federführend organisiert. Seit nun zehn Jahren findet das Prozessmanagementforum immer kurz vor Weihnachten in Kiel statt.
Im Dezember kamen diesbezüglich etwa 220 Wissenschaftler, Praktiker sowie Studenten aus ganz Deutschland zusammen, um neueste Erkenntnisse zu dem Thema „Eine Zeitreise im Management von Projekten und Prozessen“ miteinander zu teilen.

Der Tag begann für alle Teilnehmenden mit der Registrierung und einer heißen Tasse Kaffee im Foyer der IHK. Anschließend ging es für die Vorträge in einen separaten Raum. Die erste Begrüßung erfolgte durch Dr. Klaus Thoms, dem Leiter des DGQ-Regionalkreises Schleswig-Holstein. Darauf folgend fand die offizielle Begrüßung durch den Präsidenten der IHK Kiel, Herrn Klaus-Hinrich Vater, statt.


"Digitalisierung als neuer Megatrend
birgt große Chancen und wird die Wertschöpfungskette verändern", sagte Herr Vater. Prozessmanagement soll diese „Prozesse analysieren und sie neu definieren“. Dabei orientiere man sich an Kiels Partnerstadt San Francisco. Das Silicon Valley ist in Sachen Digitalisierung und Einsetzung von Risikokapital führend.
Überraschend betritt ein heutzutage noch ungewöhnlicher Gast die Bühne: Emma - eine Roboterdame. Sie wollte mit den Teilnehmern des Prozessmanagementforums Smalltalk führen, bevorzugte dann allerdings Herrn Vater als Gesprächspartner.

Prof. Dr.-Ing. Helmut Klausing, der Präsident der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V., löste Emma ab. Für ihn ist „Zukunft zu gestalten ein Privileg“. Dabei stellte er den Ausdruck „VUCA-World“ vor. Dieses Akronym beschreibt die schwierigen Rahmenbedingungen in der Unternehmensführung. GPM möchte für Sicherheit in diesen Zeiten sorgen. Deshalb ist die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. bemüht, Wissen zu schaffen und zu verbreiten sowie Netzwerke zur Verfügung zu stellen.

 

„Wie wollen wir eigentlich in Zukunft leben?“ war die Einleitung von Prof. Ulrich Reinhardt, der an der Fachhochschule Westküste am Fachbereich Wirtschaft für empirische Zukunftsforschung verantwortlich ist. Seinen Analysen zufolge geht man derzeit davon aus, dass Deutschland im Jahre 2035 seine wohl älteste Bevölkerung haben wird - „Rentner werden zu Trendnern“.

 

Eine besondere Ehre erwies uns das selbsternannte „Urgestein der GPM“, Klaus Pannenbäcker aus Nürnberg. Mit seinen 83 Jahren ist er Ehrenvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement e.V.. Ihm ist es immer noch ein großes Anliegen, Leute auszubilden und ihnen anschließend einen „Führerschein“ der IPMA auszuhändigen.

 

Vor der Mittagspause wurde den Teilnehmern noch ein brandaktuelles Highlight des Jahres 2017 präsentiert: DESY. DESY ist die Abkürzung für Deutsches Elektronen-Synchrotron und ist der weltweit einzige Freie-Elektronen-Laser für den Bereich der weichen Röntgenstrahlung. Das Forschungszentrum befindet sich unter Hamburg und erstreckt sich über drei Kilometer. Die Anlage wird auch als „Licht der Zukunft“ bezeichnet, da sie mit 27.000 Blitzen pro Sekunde Bestandteile bis ins kleinste Detail, bis auf 0,05 Nanometer, untersuchen kann.

Die zweite Hälfte des Tages begann mit einem Einstiegs-Vortrag zum Thema „How to Barcamp“ – ein Konzept, bei dem spontan offene Sessions zu den unterschiedlichsten Themen und Fragestellungen gehalten werden können. Ziel war es, einen Wechsel der Interaktionsmuster am Nachmittag zu erreichen, das Duzen aller Teilnehmenden war dabei gewünscht. Es gab zwei Zeitslots à 45 Minuten, während derer je fünf Sessions gehalten wurden, sodass die Teilnehmenden sich auf insgesamt zehn Sessions verteilen konnten. Im Sinne einer Open Space konnten sie dabei nach Lust und Laune mitmachen und zwischen den einzelnen Sessions wechseln.

Die Themen waren vielfältig: von „Gekonnt visualisieren“ über „Den Prozess der Weihnachtsgeschenkebeschaffung optimal gestalten“ bis hin zu „Anwendung nautischer Metaphern im Prozess- und Projektmanagement“. Diesem für den Norden ganz passenden Thema hat sogar die bekannte Roboterdame Emma beigewohnt! Prof. Dr. Weßels hatte sich ebenfalls spontan dazu entschlossen, eine Session anzubieten, die auf großes Interesse gestoßen ist: beim Mittagessen wurde Prof. Weßels nämlich von einem männlichen Teilnehmer mit der Frage konfrontiert, ob die großen und in der Regel kritischen Projekte nicht ganz anders laufen würden, wenn mehr Frauen beteiligt wären. Ein spontanes "Ja" später war die Idee geboren, die Frage der wünschenswerten Managementkompetenzen im Projektmanagement der Zukunft unter dem Aspekt der Geschlechterfrage in einer Session zu diskutieren. Alle Sessions waren durchgängig sehr anwendungsorientiert und haben dem einen oder der anderen sicherlich frische Ideen für den Arbeitsalltag beschert.

Auch drei weitere Akteure der FH Kiel waren vor Ort: Björn Buß, aktiver Student, sowie Christian Beer und Jasper Stölting, beides FH-Absolventen, von der Firma Macio sowie Prof. Dr. Patrick Rupert-Kruse aus dem Fachbereich Medien. Während des ganzen Tages und besonders in den Pausen waren im Forum Stände aufgebaut, an denen man unter anderem eine Virtual-Reality- und eine HoloLens-Brille ausprobieren konnte; Dinge, die vielleicht schon in naher Zukunft in der Praxis eingesetzt und Prozessabläufe erleichtern könnten. Fest steht, dass technische Innovationen künftig noch größeren Einfluss auf die Gestaltung von Prozessen und im Bereich des Projektmanagements haben werden.

Am späten Nachmittag hat Holger Hübner, Mitbegründer des Wacken Open Air, mit einem vielseitigen Vortrag den Tag geschlossen. Schließlich hat sich das Heavy-Metal-Festival im Laufe der nun 28 Jahre von einem kleinen Event hin zu einer festen Institution in Norddeutschland entwickelt, das mit zunehmender Komplexität jede Menge Organisation erfordert: von Juli bis August wird das Event zum größten Arbeitgeber in Schleswig-Holstein und zählt Besucher aus über 80 Ländern.

 

Das zehnte Prozessmanagementforum in Kiel bot im Sinne einer „Zeitreise“ ein vielseitiges Themenspektrum und angeregte Diskussionen, ermunterte seine Besucher, tiefer in die neuesten technischen Entwicklungen einzutauchen und war wieder einmal eine ganz besondere Bereicherung für alle Beteiligten.

 

Text und Fotos: Jessica Steckenleiter & Janna Lynn Schröder
(veröffentlicht: 18.01.2018)