Von Kiel nach Cluj: Rumänien im Erasmus-Studium erleben

Es habe ihn noch nie lange an einem Ort gehalten. Abwechslungen, neue Herausforderungen? „Das liebe ich“, sagt Pascal Hahn. In Cluj-Napoca, der Hauptstadt von Siebenbürgen in Rumänien, verbringt der Medienstudent aus dem Studiengang Multimedia Production (MMP) als erster FH-Student zwei Auslandssemester an der Babeş Bolyai Universität. Das Besondere: Die Hochschule ist die einzige dreisprachige Universität im südöstlichen Europa. In drei Studienrichtungen werden hier rund 4.500 Studierende auf Rumänisch, Ungarisch und Deutsch unterrichtet.

Die historische Entwicklung der Region bedingte dieses Angebot, denn seit der Gründung 1581 stand die älteste und größte Universität Rumäniens unter deutscher, ungarischer und rumänischer Führung. Sie zeichnet sich daher heute insbesondere aus durch ihre multikulturelle Studierendenschaft.

Doppelabschluss in Kiel und Rumänien

Der Fachbereich Medien der FH Kiel schloss 2017 ein Double-Degree-Agreement mit der Babeş Bolyai Universität ab. Das bedeutet, dass man nicht nur einen Abschluss der FH Kiel erreichen, sondern auch den Abschluss der rumänischen Hochschule erhalten kann – zwei Abschlüsse in einem Studium. Durch diese Kooperation bietet die FH ihren Studierenden den Praxisbezug über die deutschen Landesgrenzen hinaus zu stärken und sich interdisziplinär weiterzubilden.

Pascal ist jetzt der erste Student, der seine Chance genutzt und die nicht alltägliche Studienoption mit zwei Auslandssemestern gewählt hat. Anfangs plante er, den Doppelabschluss zu erreichen: „Leider blieb mir das verwehrt, weil ich mit meinem Fachabitur nicht ausreichend qualifiziert war.“ Doch auch sein zweisemestriger Aufenthalt ohne Doppelabschluss bereitet ihm viel Freude.

In Kiel würde er gerade im sechsten Semester des Bachelor-Studiengangs MMP studieren, entschied sich aber für sein Erasmus-Studium in Rumänien, tatkräftig unterstützt von der FH-Kiel und dem International Office: „Vor meinem Studium habe ich schon eine Ausbildung zum Erzieher gemacht und auch einige Jahre in diesem Beruf an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gearbeitet. So durfte ich viele sehr touristisch erschlossene Länder kennenlernen. Rumänien dagegen ist nicht unbedingt das Urlaubsziel Nummer eins, gerade deswegen war ich sehr neugierig, mir das Land anzuschauen“, begründet Pascal seinen Entschluss.

Studieren in Cluj – familiär und spannend

Die rumänische Hochschule findet Pascal „super und sehr familiär, es wird sich sehr lieb um uns gekümmert.“ Zu Weihnachten richtete die gesamte Fakultät beispielsweise eine große Feier für alle aus. Die Universität verteilt sich über ganz Cluj-Napoca, da sie in 21 Fakultäten aufgeteilt ist, darunter die Fakultäten für Biologie, Physik und Chemie, aber auch Business, Theater-, Film- und Kommunikationswissenschaften. An letzterer ist Pascal eingeschrieben.  

In seinem zweiten Semester hat er die Option, auch Module aller anderen Fakultäten zu besuchen. Die Modulergebnisse kann er sich für seinen Abschluss an der FH anrechnen lassen.

Seinen aktuellen Stundenplan konnte Pascal sich nach seinen Vorlieben selbst zusammenstellen: „So habe ich in den ersten Wochen diverse Module besucht, um einen Eindruck zu gewinnen und habe mir dann die Rosinen herausgepickt. Obwohl ich hier in einem ganz anderen Bereich studieren als meinem eigentlichen Studium in Kiel, also in PR, Kommunikation und Journalismus, ist das Studium wirklich spannend.“

Wohnen und Leben in Cluj

Untergebracht ist der FH-Student in einem Studierendenwohnheim. Jeweils zu zweit belegen die Internationals hier ein Zimmer. „Das ganze Wohnheim ist voll mit Erasmusstudenten, wodurch eine großartige Gemeinschaft entstanden ist“, findet Pascal. „Bevor ich nach Cluj aufgebrochen bin, war ich erstmal sehr skeptisch, was diese Doppelbelegung anging, im Hinterkopf hatte ich mir vorgenommen, eine WG oder ein Apartment zu suchen. Aber sehr schnell habe ich das Wohnheim trotz spartanischer Ausstattung lieben gelernt.“

Dass Pascal sich sichtlich wohlfühlt, ist auch seinen Kommilitonen geschuldet: Durch gemeinsame Feiern, Ausflüge ins Ballett, Projekte für das Studium oder Prüfungsvorbereitungen hat er viele Freundschaften geschlossen. „Im März fahre ich mit einem Jahrgang auch gemeinsam auf eine Hütte, wo wir bestimmt ein sehr lustiges Wochenende verbringen werden“, sagt der Erasmus-Student voller Vorfreude.

Alle Studierenden der Babeş Bolyai Universität dürfen nämlich kostenlos mit dem Zug durch ganz Rumänien reisen und können so das Land entdecken. Auch die Flüge in umliegende Länder sind im Vergleich zu Deutschland sehr preiswert.

Daher plant Pascal auch, nach seinen letzten Prüfungen im Juni durch Osteuropa zu reisen, ehe er im August zurück nach Deutschland kommt.

Hochs und Tiefs – Herausforderungen und einmalige Erlebnisse in Rumänien

Wie bei fast jedem Abenteuer in einem anderen Land, hatte Pascal auch einige Herausforderungen zu meistern, insbesondere die rumänische Bürokratie. „Deutschland ist ja schon bekannt für diese Vorliebe, aber hier in Rumänien gibt es für jede Kleinigkeit einen Ausweis und eine Anlaufstelle. Da nicht jeder Rumäne Englisch spricht, war es teilweise schwer, alle notwendigen Unterlagen zu organisieren“, berichtet er. „Am Ende meines Erasmus-Aufenthalts habe ich jetzt einen Studenten-, einen Bibliotheks- und einen Wohnheimausweis, eine Transportcard und noch vier weitere Ausweise, fast alle mit Lichtbild!“

Die Höhepunkte überwogen jedoch allemal, sagt der Medienstudent. Seine Auslandssemester seien geprägt von schönen und spannenden Erlebnissen: „Weihnachten in der Fakultät mit dem gemeinsamen Wichteln war sicher ein Highlight, aber auch die vielen gemeinsamen Ausflüge, Partys, Spieleabende, das International Dinner ... während meiner Zeit hat Rumänien auch sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Es gab ein Feuerwerk in Cluj und viele kleine Konzerte.“

Tipps für Kommilitoninnen und Kommilitonen

Wer wie Pascal Hahn ein Auslandssemester absolvieren oder einen Doppelabschluss in Rumänien ablegen möchte, sollte „einfach loslegen“, rät er. „Sicher ist es nicht verkehrt, sich ein paar Informationen über die neue Heimat zu holen. Außerdem musste ich mir im Wohnheim jegliche Küchenutensilien neu anschaffen – hätte ich das vorher gewusst, hätte ich einige Dinge aus Deutschland mitgebracht.“ Es sei sicherlich nicht möglich, an alles zu denken, doch mit etwas Vorbereitung könne jede und jeder das Erasmus-Studium in Rumänien genießen: „Offen in das Abenteuer starten!“

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