Eine Hommage an den Film

Ein letztes Räuspern, das Licht geht aus. Im vollbesetzten Kinosaal des Kommunikationszentrums „Die Pumpe e.V.“ in Kiel wird es still, dann öffnet sich der Vorhang. Es ist der langersehnte Abend für die Filmemacher*innen vom Fachbereich Medien der FH Kiel: Endlich können sie ihre Filmprojekte vor großem Publikum auf die Kinoleinwand bringen, mit anderen Filmbegeisterten über ihr Lieblingsthema diskutieren und einen außergewöhnlichen Preis gewinnen. 

Mareike Dittmer, Koordinatorin des Hochschultags im Rahmen des Filmfest Schleswig-Holstein und Studentin im Studiengang Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation, sowie Professor Dr. Tobias Hochscherf vom Fachbereich Medien der FH Kiel heißen die Gäste im Kinosaal willkommen: „Ein Leben ohne Film ist möglich – aber sinnlos“, so Hochscherf.

Ein stimmungsvoller Teaser sowie Mini-Dokumentarfilm stimmen anschließend ein auf das, was kommt: der Filmpreis zu Ehren von Professor Peter K. Hertling. 

Vor rund sechs Monaten wurde dieser besondere Filmpreis ins Leben gerufen. Eine Chance für alle Medienstudierenden, ihre Filmarbeiten auszeichnen zu lassen. Sie alle haben sich Hertlings Arbeitsmotto zu eigen gemacht: „Einen Film überhaupt einreichen, das steigert die Gewinnchance um 100 Prozent!“

Sichtlich gerührt genießt der 74-Jährige mit seinem für ihn zum Markenzeichen gewordenen Hut von der zweiten Reihe aus die vielfältigen Ergebnisse der Kreativen. 

Vom Liebesgedicht an den Norden mit „Kultursphäre“ über einen feinfühligen Einblick in die „Marie-Christian-Heime“ und dem Leidensweg eines verunglückten Motocross-Fahrers bis zum gruseligen Furby in „Refyrbush“, geht es durch die Kategorien Corporate Video, Dokumentation und Kurzfilm. Es gibt viele Lacher, Seufzer, stille Momente, in denen nachwirkt, was der Film erschafft. Die Filme der Studierenden entführen in andere Welten, lassen die Zuschauer*innen tiefer in das reale Leben eintauchen oder erzeugen ungeahnten Nervenkitzel.

Das Moderatorenteam Annafried Stürmer und Simon Bull vom Fachbereich Medien lockert die Veranstaltung durch Interviews mit Experten aus der Filmszene auf.  

Zum Höhepunkt der Preisverleihung geht es an diesem lauen Frühlingsabend auf eine beleuchtete Bühne auf den Hinterhof der Pumpe. Bei Streetfood und Sekt nutzen die Studierenden und Filmbegeisterten die Chance zum Netzwerken und zum gegenseitigen Kennenlernen. 

Zum dritten Mal ist auch Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer vor Ort und eröffnet offiziell das Filmfest. „Und ich habe mich ganz bewusst entschieden, hier bei dieser tollen Veranstaltung zu sein, obwohl mein Sohn heute mit mir die vierte Folge der neuen Staffel Game of Thrones sehen wollte!“

 

Siegerinnen der Kategorie Corporate Video werden die Studentinnen des Projekts „Kultursphäre“. Sichtlich überrascht und freudestrahlend nehmen sie ihren Peter-K.-Hertling-Filmpreis entgegen. Mit ihrem Imagefilm sorgen sie dafür, die Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins mit einer Kultur-App erfahrbar zu machen. Eine „Ode an die Kultur des Landes“, heißt es von der Fachjury, zu der auch Mareike Dittmer gehört. „Der Film ist unbändig kreativ.“

Über ihren Preis freuen sich auch die Filmemacherinnen von „Mettenhof – Die neue Heimat“ in der Kategorie Dokumentarfilm. Die Großeltern einer Studentin aus dem Team illustrieren anhand eines Fotoalbums die bewegte Geschichte eines Stadtteils. Die „unaufdringlich erzählende Kamera“, so die Jury, „gibt ein neues Bild eines Zuhauses.“ Die Studentinnen bedanken sich herzlich bei ihrem Dozenten Bernd-Günther Nahm für die Unterstützung des sehr persönlichen Projekts. 

Die Siegergruppe der Kategorie Kurzfilm konnte mit ihrer Komödie „Cast me if you can“ überzeugen: Die junge Maria sucht einen neuen Mitbewohner, doch ihr strenger Vater kommt ihr in die Quere. Mit herrlich stereotypen Klischees und überspitzer Komik erzählt der Kurzfilm mit viel Liebe zum Detail einen altbekannten Konflikt. 

„Es hat uns unheimlich viel Spaß gemacht, auch wenn das Projekt harte Arbeit war, besonders die Regie ist uns schwergefallen“, ist sich die Gruppe einig. 

„Mit dem Peter-K.-Hertling-Preis haben wir heute Abend zum ersten Mal einen Preis verliehen, der für die Filmemacherinnen und Filmemacher der FH Kiel eine große Ehre darstellt“, resümiert Mareike Dittmer den Abend. „Wir wollen diesen Preis auch in Zukunft weiter etablieren.“ Auch Professor Tobias Hochscherf zeigt sich zufrieden und lobt das hohe Level an Professionalität der studentischen Arbeiten. „Mir haben sie alle gefallen.“

Lobende Worte findet er auch für seinen Kollegen der FH Kiel: „Ohne Peter Hertling gäbe es den Film nicht im Curriculum des Studiums. Heute feiern wir sein Engagement, und natürlich feiern wir die Filme.“

Professor Peter Hertling ist stolz auf die Studierenden und fühlt sich geehrt, Namensgeber des Preises zu sein. „Alle Einreichungen habe ich vorab bereits gesehen und mich über den Einsatz gefreut, besonders in meiner ganz persönlichen Sparte des Dokumentarfilms“, sagt der international bekannte Filmemacher. „Die Preisträgerinnen und Preisträger haben tolle Filme gemacht.“

Mit dem Preisgeld von 500 Euro, gestiftet vom Alumninetzwerk mediaproducer.net und der FH Kiel, können die Siegerinnen und Sieger ihre Werke auf anderen Filmfestivals vorstellen, auf weitere Veranstaltungen fahren und sich in der Filmszene vernetzen. 

„Die uralte Befriedigung, etwas zu schaffen, etwas zu formen, das Substanz hat“ – Worte über das Filmemachen von Charlie Chaplin, und gleichzeitig Ausdruck eines spannenden Abends durch die junge Filmlandschaft Schleswig-Holstein. 

Über das Filmfest Schleswig-Holstein

Seit 1993 wird das Filmfest Schleswig-Holstein von der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein e.V. zusammen mit dem Kommunalen Kino Kiel (KoKi) in der Pumpe in Kiel ausgerichtet. Veranstalter ist seit 2008 die Filmwerkstatt der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, zusammen mit dem Kino in der Pumpe und der Filmkultur Schleswig-Holstein e.V.

Am 10. und 11. Mai haben Gäste noch die Chance, jede Menge Filme zu sehen, den Publikumspreis für den besten Kurzfilm zu verleihen und sich von der Welt des Big Picture begeistern zu lassen.