„Kunst darf auch ein bisschen wehtun“

Was reizt Sie daran, Ihre Werke in der Galerie Bunker-D, zu präsentieren - was ist das Besondere an diesem Ort? 

Der Bunker an sich ist historisch kontaminiert - ein völlig anders gestalteter Raum als beispielsweise ein White Cube. Der Bunker stellt einen zeitgeschichtlich besetzten Ort dar, den man künstlerisch bearbeiten kann. Ich habe mich diesem zunächst vorsichtig angenähert, dann aber rasch festgestellt, dass es sich beim Bunker-D um eine gut bespielbare Größe handelt. Als „maritimer Nesthocker“ ist Kiel mein Soziotop seit der Grundschulzeit und mir ist es wichtig, Kunsträume vor Ort mitzugestalten.

 

Welche Fragen wollen Sie mit Ihrem Schaffen aufwerfen, was sind Ihre Themen? 

Überrascht sollen die Leute sein - mit meinem Schaffen entstehen Verbindungen zweier Wirkebenen, die erstmal nicht zueinander passen. Meine beiden Themen sind eigentlich: Dinge zusammenbringen, die nicht zusammen gehören und: Kleine Dinge groß machen. 

Meine Kunst stellt die Besucher vor eine formale Frage: Das Zusammenspiel zwischen Text und Bild in Lyrik, auch Kinderlyrik, aber auch in visueller Poesie, Text, der auch im Bild stattfinden kann. Text wird von mir in eine bestimmte Form gebracht und so erfahrbar gemacht; zum Beispiel arbeite ich mit Lautmalereien aus Comics, zerhacke Namen oder benutze Adlips von Rappern. Die Sprache ist voll von solcherlei Möglichkeiten. So kam ich übrigens auch auf den Ausstellungstitel: Ich fragte mich die ganze Zeit, was mir das Alphabet „mitteilen wollte“, ich las es wieder und wieder - und irgendwann setzte es sein eigenes Stop, in Form der beiden aufeinander folgenden Buchstaben „NO“.

Was erwartet die Besucher bei Ihrer Ausstellung?

Es erwartet sie ein Querschnitt meiner Werke, Drucke, Collagen und Collagenserien mit und ohne Text, Objekte, Loseblattwerke, sowie vier Bilder, die klassisch auf Leinwand funktionieren, gezeichnet mit Tinte. 

Kunst auf einem Hochschul-Campus zu präsentieren - passt das? Was haben diese beiden Welten miteinander gemein? 

Das passt aus meiner Sicht immer! Jemanden, der eigentlichen nichts mit Kunst zu tun hat, in die Lage zu bringen, ein Kunstwerk zu betrachten - zum Beispiel, indem eine Außenwand mit visueller Poesie bespielt wird - das ist immer eine Chance. Kunst in einem öffentlichen Raum ist weniger elitär. Doch Kunst soll auch besonders behandelt, gewertschätzt und gezeigt werden. Sie darf dem Betrachter ein kleines bisschen wehtun und muss nicht allen gefallen. Der Bunker-D ist ein perfekter Ort dafür. 

Interview: Lys Plothe

Die Ausstellung „ABCDEFGHIJKLMNO“ von Arne Rautenberg wird am 16 Mai 2019 um 18 Uhr im Bunker-D der Fachhochschule Kiel eröffnet. Sie ist dann bis einschl. 12. Juni 2019 wochentags von 10 bis 14 Uhr außer am Mittwoch (10 bis 22 Uhr) zu besichtigen. Der Eintritt zur Vernissage und Ausstellung ist frei.

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