Eine starke Verbindung zwischen Kiel und Frankreich

Erstellt von Susanne Meise

Ein Studium, zwei Abschlüsse, das bietet der integrierte Bachelorstudiengang in Betriebswirtschaft, den die Fachhochschule Kiel in Zusammenarbeit mit der Université de Savoie Annecy/Frankreich unter dem Dach der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) anbietet – als einzige Hochschule in Schleswig-Holstein. Zehn Studierende haben seit dem Start vor fünf Jahren an dem Programm teilgenommen, sieben sind zum Wintersemester 2019/20 dazugekommen Und viele weitere sollen in Zukunft folgen.

25 Jahre Kooperation verbinden die Fachhochschule Kiel und die Université de Savoie. 1998 schlossen beide Hochschulen einen Doppeldiplomvertrag, der 2014 in das Elite-Programm der DFH aufgenommen wurde. Sie bietet die Möglichkeit doppelter Abschlüsse in 180 Studiengängen an Universitäten und Hochschulen in Ingenieur- und Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Lehrerbildung an. „Es war für uns eine sehr schöne Möglichkeit, das deutsch-französische Auslandsgeschäft an der FH Kiel zu erweitern und damit die Leitlinie der Internationalisierung zu stärken“, erklärt Agnès Moiroux vom Zentrum für Sprachen und Interkulturelle Kompetenz.

Aktuell machen mehr Studierende aus Frankreich den Doppel-Bachelor als aus Kieler. Eine mögliche Ursache dafür könnte aus Sicht von Laurence Vignollet, Vize-Präsidentin und Auslandsbeauftragte der Université de Savoie, die generell höhere Bereitschaft französischer Studierender zu einem Auslandsaufenthalt sein. „35 Prozent unserer Studierenden gehen für eine gewisse Zeit ins Ausland“, berichtet  Vignollet. An der FH Kiel sind es dagegen lediglich 1,25 Prozent der Studierenden. „Jedes Jahr im Oktober gibt es bei uns eine internationale Woche, in der wir über die Möglichkeiten, Auslandserfahrung zu sammeln, informieren“, sagt Vignollet weiter, deren Hochschule 375 Partnerschaften unterhält. „So sind wir in der glücklichen Lage, dass wir mehr Bewerbungen haben, als zur Verfügung stehende Plätze.“ Auf zwölf Plätze für den Bachelorstudiengang in Kiel etwa gäbe es 100 Bewerbungen. „Nur die Besten unserer Studierenden bekommen einen Platz“, macht die Vize-Präsidentin deutlich.

Aline Luick ist eine der fünf deutschen Studierenden, die an der französischen Partnerhochschule in Annecy studiert haben. Im Internet war die heute 25-Jährige darauf gestoßen, dass die Fachhochschule Kiel unter dem Dach der DFH den integrierten Bachelorstudiengang Betriebswirtschaft anbietet. „Ich habe mich dann bei Agnès Moiroux informiert, die mich gleich rekrutiert hat“, erzählt die Kielerin. Für das dritte und vierte Semester packte sie die Koffer und tauschte die Förde gegen die Alpen im Südosten Frankreichs. „Ich hatte Französisch als Sprachprofil im Abitur und wollte die Sprache, aber auch die Kultur noch besser kennen lernen“, erklärt Aline Luick.

In der Vorbereitung auf die Auslandssemester belegte sie einen Kursus in Wirtschaftsfranzösisch, der ihr nicht nur bei der Eröffnung eines Bankkontos nützlich wurde, sondern ihr auch in den Vorlesungen sehr half.Parallel zu den Vorlesungen wird in Frankreich viel in Seminaren gearbeitet – verbunden mit Anwesenheitspflicht und regelmäßigen Tests. „Dadurch lernt man intensiver und regelmäßiger“, hat Aline Luick festgestellt, die inzwischen im dritten Semester des Masterstudiums Betriebswirtschaft ist. „Und man entwickelt sich“, findet sie. Nicht nur fachlich, auch sprachlich. Verstand sie anfangs nicht alles auf Anhieb, so schrieb sie später alle anstehenden Klausuren wie alle anderen auf Französisch. „Es ist spannend, sich als Nicht-Muttersprachler unter Beweis zu stellen. Und es ist ein schönes Gefühl, wenn man es geschafft hat“, sagt Aline Luick.

Förderlich für Ihre Sprachfertigkeiten war die Entscheidung für eine Wohngemeinschaft mit zwei Französinnen. „Dadurch steigt man viel tiefer in Sprache und Kultur ein, als wenn man in einem Wohnheim wohnt“, ist die BWL-Studentin überzeugt, die heute noch Kontakt per WhatsApp und E-Mail zu ihren ehemaligen Mitbewohnerinnen hält und die sich ein bisschen was vom anderen Lebensstil bewahrt hat – wie die Essgewohnheiten, verrät sie und schwärmt beispielsweise von Tartiflette, einer Art Kartoffelauflauf mit Käse.

Den Doppelabschluss, den sie mit finanzieller Unterstützung aus dem Erasmus-Programm sowie der Deutsch-Französischen Hochschule meisterte, kann Aline Luick nur empfehlen. Die Auslandserfahrung möchte sie nicht missen. Die FH-Studentin kann sich gut vorstellen, nach ihrem Master-Abschluss für längere Zeit im Ausland zu arbeiten oder in einem international agierenden Unternehmen in Deutschland tätig zu sein. In welchem Bereich, das steht allerdings noch nicht fest. „Da bin ich noch in der Findungsphase“, so Aline Luick.

FH-Vizepräsident Prof. Dr.-Ing. Klaus Lebert wünscht sich für die Zukunft, dass noch mehr Studierende Aline Luicks Beispiel folgen und das Programm auf institutioneller Ebene weitere Fachbereiche einbezieht.

Deutsch-Französischer Studiengang

7 Semester, Abschluss Bachelor of Arts/Licence

Der Studiengang richtet sich an eingeschriebene Studierende des Bachelorstudiengangs Betriebswirtschaft der FH Kiel, die gute Leistungen in den ersten beiden Semestern erreicht haben, ein ausgeprägtes Interesse an wirtschaftlichen und interkulturellen Zusammenhängen zeigen und gute Französischkenntnisse nachweisen können. Von der DFH erhalten Programmteilnehmer eine Mobilitätsbeihilfe von monatlich 300 Euro. Weitere finanzielle Unterstützung durch ERASMUS oder Auslands-BAföG ist möglich.

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