Wird Schleswig-Holstein zur Wüste?

Von: Hartmut Ohm

Feiner Sand nimmt den Menschen die Sicht und erschwert das Atmen. Langsam quälen sich Autos durch Verwehungen. ─ Die Rede ist nicht etwa von einer Reise in die Sahara, sondern von dem, was sich am 23.04.19 in Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern ereignete. Nach langer Trockenheit trug starker Wind den Sand von den Äckern auf die Straßen und verwandelte Teile der Stadt an der Ostsee zeitweise in eine Wüstenlandschaft. Schon acht Jahre vorher kam es wegen eines Sandsturms zu einer Massenkarambolage auf der A19, südlich von Rostock.

Sehen wir hier Anzeichen für ein Austrocknen von fruchtbarem Ackerland? Sicher ist, dass die Erde in jedem Jahr zwölf Millionen Hektar fruchtbares Land durch Wüstenbildung verliert. Darauf soll der von der UN ins Leben gerufene Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre hinweisen, der an jeden 17. Juni begangen wird.

Wie sieht es in Schleswig-Holstein aus? Droht uns eine Dürre? Wird unser Wasser knapp? Was können wir alle und speziell die Landwirt*innen tun? Hartmut Ohm stellte ein paar Fragen an Dr. Ute Kropf aus dem Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel.

Frau Dr. Kropf, drohen auch bei uns in Mitteleuropa Dürren?

Trockenheit und Hitze, die ganze Bestände verdorren lassen, sind jetzt auf den sandigen Standorten Brandenburgs schon Realität. Süddeutsche Standorte, die mehr Wasser speichern können, oder die mitteldeutschen Trockengebiete büßen durch Trockenheit bis zur Hälfte des Aufwuchses ein.

Werden durch zunehmende Erwärmung unsere Äcker zu Steppen und langfristig zu Wüsten?

Unsere humushaltigen Böden sind von Verwüstung und Versteppung weit entfernt. Die Bewirtschaftung mit Kulturen, die langlebige Ernterückstände hinterlassen und organische Dünger, die Nährhumus einbringen, erhält die Bodenfruchtbarkeit.

Wird bei uns das Wasser knapp?

Regional sinkt der Grundwasserstand durch steigende Entnahmen in Ballungsgebieten und sinkender Zufuhr durch Niederschläge.

Wie beeinflusst der Klimawandel das pflanzenverfügbare Wasser im Boden in Deutschland?

In den trockenen Wintern werden die Bodenvorräte im Süden und Osten Deutschlands nicht mehr aufgefüllt. Frühjahrs- oder Vorsommertrockenheit tritt regional häufiger auf, erhöht die Verdunstung und verschärft den Trockenstress.

Und speziell in Schleswig-Holstein?

Im Land zwischen den Meeren regnet es nach wie vor mehr, als in anderen Bundesländern. Die Niederschläge sind nur immer häufiger schlecht verteilt und fallen in Zeiten mit wenig Vegetation. Dafür wird die Frühjahrstrockenheit immer häufiger zum Problem.

Werden unsere Landwirt*innen ihre Produktion umstellen müssen und andere Pflanzen anbauen?

Wärmeliebende Kulturen wie Soja und Sonnenblumen werden sich in Süddeutschland weiter ausbreiten. Im Norden wird die frostfreie Dauervegetation eher zu Anbaurisiken der klassischen Kulturen (Getreide, Raps) führen, weil sich vor allem Schädlinge und Krankheiten permanent vermehren können.

Wie kann man die Bodenbewässerung optimieren?

Eine großräumige Ausweitung der Bewässerung wird keine Option gegen Trockenstress sein. Bislang ist sie nur wirtschaftlich und sinnvoll, wenn es sich um Kulturen handelt, die eine höhere Wertschöpfung haben (z. B. Kartoffeln) oder wenn geklärte Abwässer eingesetzt werden können.

Was können wir alle tun, um den Wasserhaushalt zu entlasten?

Den Umgang mit teuer aufbereitetem Trinkwasser muss jeder für sich selbst hinterfragen und anpassen. Auf Dauer werden wir es uns nicht leisten können, Trinkwasser in der Toilette zusammen mit allen enthaltenen Nährstoffen und Schadstoffen herunterzuspülen.

© Fachhochschule Kiel