Zurück im gewohnten Fahrwasser: CampusRadio sendet wieder vom Campus

Von: Lena Kuhn

Es ist Punkt 7:30 Uhr, Donnerstagmorgen, auf dem Campus der Fachhochschule. Vor Gebäude C12 steht sich ein Student, der die Tür öffnet. Das kann momentan kaum jemand. Routiniert biegt er den Gang nach rechts ab, öffnet eine Tür zu einem kleinen Raum, und zieht daraus eine rätselhafte Anlage, die wirklich alles sein könnte: Computer-Innovation, digitaler Kneipentresen oder fahrbares DJ-Pult. Er schiebt sie ins Tonstudio, klemmt ein paar Kabel dran und fährt sie hoch. Sie beginnt zu leuchten, der Bildschirm wird schlagartig sehr bunt: Der Radiowagen läuft, die Verbindung zum Sender steht. CampusRadio-Mitglied Martin ist höchst erfreut. Er wird gleich gemeinsam mit einer Co-Moderatorin eine zweistündige Radiosendung in das Kieler Umland versenden. Live. Zum ersten Mal seit Wochen.

Davor hat CampusRadio Aktiv aus dem Homeoffice gesendet. Wie es sich wohl anfühlt, nach mehreren Monaten endlich wieder im vertrauten Studio zu stehen? „Ganz wunderbar!“, findet Martin. „Selbst wenn man die Dozierenden über den Flur laufen sieht und ihnen kurz aus der Ferne winkt – das ist einfach etwas ganz anderes als die Sendungen von zuhause aus.“

Wenige Minuten später klingelt sein Handy. Co-Moderatorin Gina steht vor dem Gebäude, kommt aber ohne Martin nicht hinein. Martin, die Maskenpflicht auf den Fluren und im Tonstudio einhaltend, kommt ihr entgegen und macht ihr auf. Zwei Leute – damit ist das Tonstudio nach den neuen Hygienevorschriften schon fast voll.  „Ganz ungewohnt,“ sagt Gina, „es ist nicht so unbeschwert und locker-lustig wie sonst. Aber schön, die gewohnte Technik zu haben, mit der man sich auskennt.“

Die Radiouhr zeigt 08:00 Uhr an. Die Lampen an den Mikrofonen leuchten rot, bitte Ruhe im Studio. Martin eröffnet die Sendung mit einem Jingle, Gina begrüßt die Hörer*innen. Dann gibt es erst mal eine Runde Musik. „Die Homeoffice-Sendungen haben doch schon immer sehr viel Zeit gefressen. Live geht das schneller“, erklärt Gina. „Man kann von zuhause aus mit wenig Aufwand eine Radiosendung machen – wenn man Techniker wie Lasse im Team hat“, ergänzt Martin. Er schmunzelt. „Ohne Lasse geht eigentlich gar nichts,“ schiebt Gina hinterher.

Die Sendungen von zuhause aus sind dem Radio-Team eine gute Lektion gewesen. „Ich glaube, wir haben alle gelernt, mal wieder richtige Beiträge zu machen. Bei Livesendungen aus dem Studio tendiert man doch dazu, über Dinge spontan zu sprechen. Aber von zuhause aus kann man sich schlechter abstimmen. Dementsprechend waren die Sendungen viel besser vorbereitet“, berichtet Gina.

Um halb neun kommen die Nachrichten, Wetter-Basti erklärt die Aussicht auf die nächsten Tage, und das Moderationsteam kündigt die Inhalte der nächsten halben Stunde an. Im Studio gehen die roten Mikrofonlichter wieder aus, ein Song spielt aus dem Radiowagen, und Betreuer Oliver Ujc stößt zum Team dazu. Das Studio, in dem sonst die Redaktionssitzungen zu zehnt locker stattfinden können, ist somit voll. „Wir waren total geschockt, als wir nicht mehr ins Studio durften, um zu senden. Dann mussten wir überlegen: Entweder wir lassen das Radio ruhen bis zur nächsten Präsenzphase oder wir denken uns etwas aus. Lasse hat dann zuhause einen Technik-Hub aufgebaut, sodass wir mit der gewohnten Technik arbeiten konnten“, fügt er hinzu.

Die Rettung, so sagt Olli, waren „diese wunderbaren Whatsapp-Sprachnachrichten“. Über die sendeten Mitglieder des CampusRadios immer Statusberichte ein, in denen sie mitteilten, wie es ihnen geht und was sie tun. Diese Statusberichte bleiben vorerst auch erhalten. Und eine weitere Neuerung gibt es seit wenigen Wochen: Die Sendungen sind als Podcasts verfügbar.

Das Lied ist vorbei, elegant zieht Martin einen Regler am Mischpult hoch, die Mirkos leuchten wieder rot. Ruhe! Gemeinsam führen Gina und Martin ein vorproduziertes Interview. Die Fragen wurden per WhatsApp gestellt, die Antworten dort per Sprachnachricht eingereicht. Jetzt werden sie abgespielt. Wie Songs also – aber als Gespräch eben.

„Der Podcast, das war eigentliche eine Idee, die schon ganz lange im Äther des Campusradio herumschwirrt“, erzählt Gina. Und wie vieles Liegengebliebene konnte man das jetzt eben gut angehen. „Geheimnis nebenbei: Wir haben die Homeoffice-Sendungen immer einen Tag vor der Ausstrahlung aufgenommen, die waren nicht live. Und wenn wir es eh aufnehmen, dann können wir es auch als Podcast veröffentlichen“, plaudert Martin aus dem Nähkästchen.

Wieder ein Musikstück vorbei, ein anderes muss geschickt angebunden werden. Während sich Martin darauf konzentriert, ergänzt Olli: „Wir hatten schon lange gedacht, dass es schade ist, dass unsere Sendungen nach akribischer Planung und mühevoller Vorbereitung nur einmal gesendet werden. Und durch die Podcasts schneiden wir die besten Teile einer Sendung in eine Art Best-Of zum Nachhören.“

Der Campus erwacht wieder ein bisschen zum Leben. Eine kurze Internetrecherche, dann beschließt das Radioteam, dass Gewinnspiele wieder machbar sind. Das Computermuseum öffnet die Tore, also können Hörer*innen sich auf sozialen Medien melden und Eintrittskarten gewinnen. Dass das geht, freut den Moderator sehr.

Man merkt, dass sich durch das Aussetzen der Präsenzlehre viel geändert hat hier. Die Moderierenden tragen Handschuhe, nur zu Interviewsituationen werden die Masken abgenommen. Das Mikro leuchtet rot, wenn die Masken an einem Ohr baumeln, auf dem ein großer Kopfhörer sitzt. Aber es herrscht vor allem Erleichterung, wieder hier zu sein. Und: „Wir mussten uns zurückbesinnen auf wirklich Themen. Nicht einfach nur Quatsch machen. Gerade zu Corona hatten wir viele ernstere Beiträge, Kommentare etwa. Diesen Informationsgehalt, hoffe ich, können wir uns erhalten“, resümiert Gina, bevor sie sich wieder zu ihrem Mikrofon dreht.

Dann zieht Martin wieder Regler hoch: Die Abmoderation, die letzte Moderation der Sendung, steht an. „Schaltet auch nächste Woche Donnerstag wieder ein. Bis dahin: Bleibt gesund!“, so beendet das Duo die Sendung. Es gibt Lob von Olli, und dann wird die mysteriöse Radiomaschine schnell wieder abgebaut. Bis nächste Woche eben.

Den Podcast des Campusradio gibt's überall, wo es Podcasts gibt: Auf Podigee, auf der Website des Campusradio, auf Podcast.de, auf Fyyd, auf Deezer, und natürlich auf Spotify. Live zu hören ist es immer donnerstags von acht bis zehn Uhr auf Kiel FM.

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