Die Zentralbibliothek kommt zurück aus dem Corona-Shutdown

Von: Joachim Kläschen

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hatte nicht nur auf die Lehre an der FH weitreichende Auswirkungen. Auch die Zentralbibliothek musste für den Publikumsverkehr schließen. Ute Kaminski leitet die Einrichtung und erzählt, wie der Shutdown die Zentralbibliothek betroffen hat, was hinter den Kulissen während der Schließung ablief und wie der Betrieb seit Anfang Juni langsam wieder hochfährt.

Dass auch die Zentralbibliothek durch die Corona-Krise betroffen sein würde, war Ute Kaminski, die gegenwärtig die Zentralbibliothek leitet, früh klar: „Da die öffentlichen Bibliotheken kurzfristig schließen mussten, würde Corona auch für uns nicht ohne Folgen bleiben. Am 15. März kam dann die absehbare Ansage, und wir mussten den Ausleihbetrieb vor Ort einstellen.“ Eine ruhige Kugel haben Ute Kaminski und ihr Team aber seither nicht schieben können. Das Gegenteil war der Fall. „Da die Schließung in die Prüfungszeit fiel, eigentlich immer unsere heiße Phase, mussten wir uns Lösungen überlegen, wie wir unsere Kundschaft weiter bedienen konnten“, erinnert sich Ute Kaminski. „Wir haben uns einen Plan für einen Notbetrieb zurechtgelegt, um den Betrieb trotz Corona am Laufen zu halten. Daher waren wir nie ,ganz weg‘.“

Nur weil die Einrichtung einige Wochen für den Publikumsverkehr geschlossen war, bedeutete das nicht, dass die Zentralbibliothek sich von der Außenwelt abschotten konnte. „Um zu gewährleisten, dass Anlieferungen neuer Buchbestellungen auch angenommen werden konnten, waren während des Notbetriebs zunächst zwei Kolleginnen und Kollegen vor Ort, damit kein Lieferant vor verschlossenen Türen stehen musste“, erzählt die Bibliotheksleiterin. „Andere waren im Home-Office tätig und kümmerten sich von zu Hause aus um die täglich anfallenden Arbeiten. So mussten beispielsweise Neuanschaffungen angestoßen und in das System eingepflegt werden, damit diese für die digitale Ausleihe zugänglich wurden.“

Hinzu kam, dass Lehrende vieler Fachbereiche die Zentralbibliothek um Neuanschaffungen von digitaler Fachliteratur baten. Das ist der übliche Weg, denn die Zentralbibliothek ist nicht nur Dienstleister für die Studierenden, sondern auch für die Lehrenden. „Wir haben es deutlich gemerkt, dass die Bitten um Neuanschaffungen während des Shutdowns zunahmen. Wir beschafften digitale Versionen von Literatur, um eine Online-Ausleihe für viele Studierende, Lehrende und andere Interessierte möglich zu machen.“

Seit Jahren stockt die Zentralbibliothek ihr Online-Angebot auf, das insgesamt sogar den Löwenanteil ausmacht. Neben Einzelwerken stehen auch Zeitungen, Zeitschriften und ganze Datenbanken digital zur Verfügung. Entsprechend nutzte das Team von Ute Kaminski den Shutdown, um das Digital-Angebot weiter aufzustocken, so dass in den Monaten von März bis Juni knapp 3.000 neue Titel beschafft wurden.

Doch so praktisch das digitale Angebot ist – durch eine sogenannte Campus-Lizenz ist die Zahl der gleichzeitigen Ausleihen unbeschränkt – haben sich während der Corona-Zeit auch viele Tücken gezeigt, weiß Ute Kaminski: „Wir hatten viele Anfragen von Studierenden, die beispielsweise Hilfe bei der Einrichtung des VPN-Zugangs benötigten, der Voraussetzung für die Online-Leihe ist. IT-Support ist nicht unsere eigentliche Aufgabe “, lacht die Bibliotheks-Chefin, „aber wir haben gerne geholfen wo wir konnten.“

Während die Zentralbibliothek viele Fragen mit Erklärungen auf ihren Internetseiten bereits im Vorfeld beantworten konnte, stand das Telefon selten länger still, erinnert sich Ute Kaminski: „Wir haben gemerkt, dass wir auf unseren Internetseiten noch mehr Informationen liefern müssten. Allerdings wünschen wir uns auch, dass mehr Studierende unsere Informationsangebote zu Semesterbeginn nutzen. Hier und bei Bibliotheksführungen erklären wir, wie alles funktioniert und beantworten auch Fragen von Studierenden.“

Neben den zahlreichen digitalen und analogen Neuanschaffungen brachte der Shutdown eine weitere Verbesserung für die Zentralbibliothek, weiß Ute Kaminski: „Wir haben die Zeit genutzt, um den Freihandbestand auf den neuesten Stand zu bringen und wo immer möglich neue Auflagen zu beschaffen. Das ist leider während unserer Öffnungszeiten nur bedingt möglich, denn die Studierenden, die hier arbeiten, fühlen sich verständlicherweise bei ihrer Stillarbeit gestört, wenn wir in einem fort durch die Regale laufen. So haben wie die Krise als Chance begriffen und das Beste aus der für alle ungewohnten Situation gemacht.“

Einhergehend mit den Shutdown-Lockerungen fährt auch die Zentralbibliothek ihren Ausleihbetrieb vor Ort langsam wieder hoch. Seit dem 2. Juni können Studierende online bestellte Bücher persönlich abholen – das Team packt Literaturpakete, die 14 Tage auf Abholung warten und der Service wird gut angenommen, denn die Regale sind sichtbar gut geleert. Auch eine Rückgabe in der Bibliothek ist möglich. Alternativ kann man dafür auch die kontaktlose Medienrückgabestelle, eine Box in der Grenzstraße 3 nutzen.

Allerdings freuen sich Ute Kaminski und ihr Team auch auf die Öffnung des Freihandbereichs. Dafür wurde bereits ein Hygienekonzept erarbeitet, das vorsieht, in welchen Abständen und wie viele Personen die Bibliothek für ihre Arbeit nutzen dürfen. Auch Arbeitsabläufe wurden entsprechend angepasst. Wann die weitere Öffnung erfolgt, entscheidet das Präsidium der Fachhochschule. Wenn es nach Ute Kaminski ginge, lieber heute als morgen: „Eine Bibliothek lebt nicht durch die Bücher, die sie bereitstellt, sondern durch die Menschen, die sie nutzen. Ich freue mich, wenn bald wieder mehr Leben in die Zentralbibliothek kommt.“

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