Urlaub auf dem Police Department

Die weiten Strände, beeindruckenden Berge und Wälder Kaliforniens machen den Golden State neben dem sonnigen Klima  und unendlich scheinenden Sehenswürdigkeiten jedes Jahr zu einem beliebten Reiseziel für tausende von Urlaubern. Für Kristin, Studentin der Wirtschaftsinformatik im 8. Semester, aber war etwas ganz anderes von Interesse: die Polizei. Vier Wochen absolvierte die 35-Jährige ein Praktikum beim Palm Springs Police Department.

Die ausgebildete Fachinformatikerin studiert in Teilzeit online und arbeitet in Vollzeit als Angestellte bei der Landespolizei. „Ich unterstütze Kriminalbeamte bei Online-Delikten“, erklärt sie. In allen Fällen, in denen ein PC Tatmittel sein kann, ist ihr Know-how gefragt - sei es Ebay-Betrug, Kinderpornografie oder die Suche nach Vermissten. Wie die Arbeit bei den Kollegen in Amerika abläuft, wollte sie schon lange unbedingt kennen lernen. „Ich habe ein Jahr Work&Travel in Kanada gemacht, Englisch ist meine Lieblingssprache, und ich habe Verwandtschaft in den USA“, sagt Kristin zu ihrer Motivation. Als ihre Dienststelle Besuch von einem Attache des FBI bekam, nutzte sie den direkten Kontakt für ihr Anliegen - mit Erfolg.

Eine von Prof. Dr. Dirk Hauschildt organisierte Studienreise ins Silicon Valley im Herbst verknüpfte sie mit einem Praktikum, für das sie ihren Jahresurlaub opferte. Sie reiste von der Metropolregion 735 Kilometer weiter Richtung Süden nach Palm Springs. Auf dem dortigen Police Department wurde sie offen aufgenommen. „Die Kollegen haben sich sehr bemüht, mir zu ermöglichen, was ich sehen wollte“, erzählt die Informatikerin. So bekam sie Einblick in die Asservatenkammer, begleitete die IT-Fachleute, besuchte die Notrufzentrale und die Einsatzleitstelle. Auch auf Streife fuhr sie mit - eine willkommene Abwechslung für die Polizisten, die für gewöhnlich immer alleine in den mit Laptops und Maschinengewehr ausgestatteten Polizeiwagen unterwegs sind. „So können sie mehr Präsenz zeigen in der Fläche“, berichtet Kristin. Bei Bedarf werde Unterstützung angefordert. „Aber zwei Minuten, bis Verstärkung da ist, können auch ganz schön lang sein“, hat sie erfahren, als sie mit ihrem Kollegen bei einem nächtlichen Einsatz zu häuslicher Gewalt gerufen wurde. Ein Mann wollte zu seiner Ex-Freundin, hatte sich in der Tür geirrt und war beim Nachbarn gelandet, was sicherlich nicht so dramatisch gewesen wäre, hätte der Mann nicht Crystal Meth genommen.

Die Polizei in Palm Springs genieße ein hohes Ansehen, hat Kristin festgestellt, höher als man es hier in Deutschland kennt. Auch gebe es keinen Unterschied zwischen Schutz- und Kriminalpolizei, und es sei einfacher, die Karriereleiter nach oben zu steigen. Trotz einer Vier-Tage-Woche und einem Jahresgehalt, das mit 90 000 bis 120 000 Dollar deutlich über dem in Deutschland liege, sei es jedoch schwierig, Kräfte für die Polizei zu gewinnen, erzählt die Kielerin. „Als ich dort war, lief gerade eine Aktion: Wer sich bewarb und genommen wurde, erhielt einen Bonus von 10 000 Dollar“, berichtet sie weiter.

Beworben hat sie sich bei aller Liebe zu dem Land aber nicht, auszuwandern ist für die Informatikerin keine Option: „Ich habe ein Jahr in Kanada gelebt, ich weiß schon, was ich hier in Deutschland mit Urlaub und Krankenversicherung habe.“ Zudem sei es um manche Dinge schlechter bestellt wie etwa den Datenschutz. So gebe es eine öffentliche Datenbank, in der vermerkt ist, wo jemand straffällig geworden ist. Auch könnten Tatverdächtige ohne richterliche Anordnung über Facebook gesucht werden. „Das finde ich bedenklich“, sagt Kristin.

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