Erasmus: Mut am Mikro

Von: Lena Kuhn

Francesca, wie bist du nach Kiel gekommen?

Ich komme aus Rumänien und wollte schon immer in Deutschland studieren. Ohne Erasmus ist das aber schwer zu finanzieren. Deswegen mache ich den Doppelabschluss an meiner Hochschule und studiere zwei Semester in Deutschland.

Und wie kamst du zum Campusradio?

Eigentlich hatte ich mich auf andere Wahlmodule beworben. Aber im Gespräch mit meinem akademischen Koordinator wurde ich auf das Wahlmodul „Campusradio“ aufmerksam. Ich habe von anderen Studierenden nur Gutes über das Modul gehört und entschied mich, es zu belegen. Vieles, was ich im Radio mache, geht aber über das Wahlmodul hinaus. Im Laufe des Semesters habe ich dort viel gelernt und mich immer mehr getraut. Am Ende stand ich sogar vor dem Mikro.

Seit wann lernst du Deutsch?

Ich lerne seit 13 Jahren Deutsch. Allein in der Schule waren es zwölf Jahre und dann noch eines an der Uni in Rumänien. Aber so richtig lernt man die Sprache erst in Deutschland. In der Schule spricht man nach dem Unterricht dann wieder Rumänisch miteinander. Die Grammatik kannte ich, aber viele Wörter fielen mir schwer.

Wie fühlte sich deine erste Sendung an?

Zuerst habe ich einen Beitrag über Dracula gemacht. Ich habe mit meinen Kommiliton*innen Martin und Lena über die Legende gesprochen. Ich war sehr aufgeregt und nervös. Aber es hat mir sehr gut gefallen und ich war sehr stolz auf mich. Ich habe sogar meinen Eltern davon erzählt. Meine größte Angst waren grammatikalische Fehler. Ich habe mir selbst Mut gemacht. Es ist klar, dass Deutsch nicht meine Muttersprache ist. Die Zuhörer*innen hören das eben. Aber daran dachte ich in dem Momemt nicht.

Meine erste Sendung als Moderatorin war mit meinem Kommilitonen Tom. Wir haben die Moderation improvisiert. Anfangs hatte ich ein bisschen Angst. Aber nach einer Stunde Sendung war ich einfach sehr stolz darauf, dass ich mich das getraut habe. Wir waren fast traurig, als die Sendung vorbei war. Es hat uns überrascht, wie gut sie lief. Wir haben viel über Rumänien geredet und immer während der Musik überlegt, über was wir als nächstes sprechen. Es ist nicht tragisch, Fehler zu machen. Wir sind alle Menschen. Und ich bin mutig, deswegen kann ich das machen. Es war auch gut, dass Olli, der Dozent, und Pia, eine sehr erfahrene Kommilitonin, dabei waren. Sie haben mich motiviert.

Hast du davor bereits Erfahrung im Radio gemacht? Wenn ja, wie?

Nein, vor meinem Semester in Kiel habe ich nie Radio gemacht. Ich habe aber immer auf dem Weg zur Schule im Auto Radio gehört. Wie eine Sendung aufgebaut ist, all das habe ich erst an der Fachhochschule Kiel gelernt. Ich war sehr neugierig und sehr motiviert und wollte alles verstehen.

Nun sind die Sendungen auf Deutsch, aber dennoch im Internet zu hören. Hören deine Angehörigen in der Heimat dir manchmal beim Moderieren zu?

Leider haben sie meine Sendungen noch nicht gehört. Aber ich lasse mir die Aufnahmen meiner Sendungen geben, und dann hören wir sie gemeinsam in Rumänien.

Wirst du nach deinen beiden Semestern in Kiel weiter Radio machen?

In meinem zweiten Semester in Kiel mache ich weiterhin Radio, wenn auch nicht im Wahlmodul. In Rumänien möchte ich auch weiter Radio machen, wenn ich zurückkehre. Dann kann ich das Radio in Rumänien mit dem in Deutschland vergleichen. In Rumänien wird das leichter für mich, weil es in meiner Muttersprache ist. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde ich weitermachen.

Was hast du durchs Radiomachen für dein Leben und dein Studium gelernt?

Ich habe gelernt, dass es nicht schlimm ist, einen Fehler zu machen, auch wenn er öffentlich zu hören ist. Ich hatte immer Angst, dass andere mich verurteilen oder über mich lachen, aber Moderieren war gut für mich, auch wenn ich Fehler gemacht habe. Sprachen kann man nur lernen, wenn man Fehler macht. Ich habe viel aus ihnen gelernt. Es hat mir sehr viel Mut gemacht, die deutsche Sprache zu lernen und in dieser Sprache zu sprechen. Radio hat mir beigebracht, sehr viel Mut zu haben und mutig in einer fremden Sprache zu reden. Ich habe etwas Neues für mich entdeckt und überlege, es weiter zu machen, vielleicht auch als Job. Alles im Radio ist Übung und man wird nur durch viel Üben gut. Ich mag Radio, weil es ein sehr freies Medium ist. Man ist nicht so begrenzt. Ich habe mich am Mikro sorglos gefühlt. Radio machen ist eine tolle Erfahrung.

© Fachhochschule Kiel