Ein Mittel gegen die „Aufschieberitis“

Corinna Lütsch ist Lehrkraft für besondere Aufgaben an der FH Kiel im Bereich Zeit- und Selbstmanagement sowie Lernstrategien und -techniken. In ihren Kursen lernen die Studierenden, sich ihre Zeit bewusst einzuteilen, sich Ziele zu setzen und realistisch zu planen.

Lütsch betont, dass es nie zu spät sei, das eigene Zeitmanagement zu ändern. „Natürlich ist es zu knapp, ein bis zwei Wochen vor der Prüfung damit anzufangen. Dann ist die Stoffmenge zu groß, und auch das beste Zeitmanagement hilft nicht mehr“, erklärt sie. Doch grundsätzlich kann jeder auch zur Thesis oder im Master sein Zeitmanagement noch ändern. Ein gutes Zeitmanagement ist auch für das Privat- oder Berufsleben wichtig. Zum einen vermeidet man Zeitdruck und somit emotionalen Stress, und zum anderen schafft man es, ein verbindlicher Ansprechpartner zu sein, der gut im Team arbeitet, indem er Deadlines und Termine einhält. „Wer seine Zeit gut verplant, der geht viel entspannter durchs Leben. So sparen die Studierenden viel Zeit und Energie. Außerdem steigert sich die Qualität der Arbeit, denn was in Ruhe erledigt wird, ist immer besser als das, was zwischen Tür und Angel gemacht wird“, betont Lütsch.

Ein großes Problem bei dem Zeitmanagement von Studierenden ist, dass viele nicht planen. Sie sagen sich bloß, dass sie nächste Woche mal anfangen. Damit fehle aber die Verbindlichkeit, meint Lütsch. Eine Methode von ihr ist, mit den Studierenden einen Zeitplan zu erstellen, in dem ihre FH- und Freizeittermine eingepflegt sind. Denn die Termine zu visualisieren, hilft den Studierenden. Oft käme dann die Rückmeldung: „Ich habe ja total viel Zeit“, sagt Lütsch. Ein junger Student hatte sich vor einiger Zeit an sie gewandt, weil er im Drittversuch in einer Prüfung war. Sie erstellte mit ihm einen klaren Lernplan anhand eines Flipcharts. Dieser Plan umfasste, was er bis zu Prüfung in welcher Woche schaffen möchte. Bei dem Studenten funktionierte das System – er bestand die Prüfung. Den Studenten würde Lütsch in eine der zwei Hauptgruppen einordnen, die sich an sie wenden: Auf der einen Seite kommen Studierende wie der eben geschilderte Student zu ihr, weil sie Probleme haben – das können auch Masterstudierende sein. Auf der anderen Seite wenden sich Studierenden an sie, die von Anfang an alles richtigmachen möchten und Angst haben, dass ihre Herangehensweisen aus der bisherigen Ausbildung nicht reichen, um das Studium zu bestehen.

Lütsch ist der Meinung, dass sich Zeit im Grunde genommen nicht managen lässt: „Zeit fußt auf einem guten Selbstmanagement, und ein Selbstmanagement verbindet Planung und Motivation auch unter der Berücksichtigung der eigenen Werte.“ Beim Selbstmanagement findet Lütsch erst einmal die persönlichen Ziele der Studierenden heraus. Oft ist es ihnen gar nicht klar, was sie mit ihrem Studium erreichen möchten. Das hat zur Folge, dass viele nicht wissen, worauf sie überhaupt hinarbeiten, sodass oft keine Motivation da ist, Zeit und Fleiß zu investieren. Ist das Ziel klar, gibt sie Methoden an die Hand, die sehr individuell sein können. „Jeder hat persönliche Präferenzen. Ich berücksichtige beispielsweise, ob der Studierende Langschläfer oder Frühaufsteher ist oder ob ich es mit einem flexiblen oder linearen Menschen zu tun habe“, erklärt Lütsch. Dabei hilft auch, dass die Studierenden ihr eigenes Lernverhalten reflektieren und gucken, wie lange sie für bestimmte Aufgaben brauchen. So sehen sie, ob sie zu viel oder zu wenig Zeit eingeplant haben und können beurteilen, ob sie ihr Zeitmanagement überhaupt zum Ziel bringt.

Die Themenschwerpunkte von Lütschs Kursen liegen auf den Methoden und Wegen des Selbstmanagements, zum Beispiel dem Arbeiten mit Zielen, der Lern- und Semesterplanung, Strategien für nachhaltiges Lernen, Lern- und Gedächtnistechniken und dem Umgang mit Lernschwierigkeiten. Informationen und aktuelle Angebote gibt es unter: www.fh-kiel.de/zll_stud. Für das Sommersemester stehen schon vier Kurstermine fest. Jeweils freitags am 5. und 12. April sowie am 7. und 14. Juni von 9.00 bis 16.00 Uhr. Anmeldungen nimmt Corinna Lütsch unter corinna.luetsch(at)fh-kiel.de entgegen.

Aenne Boye

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