Energiewende: hochspannender Beitrag aus Kiel

Die knisternde Spannung in der Luft ist nahezu spürbar, wenn alle vier Jahre die führenden Expert*innen auf dem Gebiet der Hochspannungstechnik in Dresden zusammenkommen. Auf der etablierten Fachkonferenz „Highvolt Kolloquium“ trafen sich am 9. und 10. Mai fast 200 Know-how-Träger*innen aus den Bereichen Industrie, Stromversorger, Hochschule und Politik, um im gegenseitigen Erfahrungsaustausch zum Gelingen der Energiewende gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Welche neuen Technologien sind verfügbar - was muss neu entwickelt werden? Welche gesetzlichen Regelungen haben sich in letzter Zeit geändert – welche neuen Gesetzesinitiativen könnten den Netzausbau vorantreiben? Diese Gedanken stehen exemplarisch für eine Vielzahl von Fragestellungen, die in fundierten Fachvorträgen, in Podiumsdiskussion und vor allem in den auf ungezwungene Kommunikation ausgelegten Kaffeepausen unter den Teilnehmer*innen angeregt diskutiert wurden.

Den hohen politischen und vor allem gesellschaftlichen Stellenwert der Energiewende unterstrich der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Michael Kretschmer, der in seiner Eröffnungsrede den politisch gewollten Kohleausstieg in den Fokus rückte. Gerade für die östlichen Bundesländer mit vielen Beschäftigten in der Braunkohleindustrie ein kontrovers diskutiertes Thema – hier fallen viele Arbeitsplätze weg. Weitere Redner*innen gaben einen Einblick in die technischen Problemstellungen, die noch nicht alle zu 100% gelöst sind.

Im Zentrum des technischen Teils der Tagung stand hier unter anderem die Isolation von Stromkabeln, Schaltern und Transformatoren, die bei den geplanten von Nord nach Süd laufenden neuen Stromautobahnen mit Gleichspannung betrieben werden sollen. Im Gegensatz zu unseren bisherigen Stromnetzen, die seit Jahrzehnten mit Wechselspannung betrieben werden, liegen für die nun zwingend notwendigen Gleichstromanwendungen, die mit der kostbaren Energie viel effizienter umgehen, nur wenig bis gar keine Erfahrungen vor.

Genau hier setzt ein studentisches Projekt der Fachhochschule Kiel an, das im Rahmen einer Forschungspräsentation der geladenen Hochschulen vorgestellt wurde. Die Masterstudierenden Josephine Hingst, Lucca Schwitalla und Patrick Hoff untersuchten ein Semester lang die Ausfallwahrscheinlichkeiten von Kunststoffisolierungen und beantworteten damit die Frage, wie zuverlässig die Angaben der Herstellerfirmen zur Langlebigkeit ihrer Produkte wirklich sind. Was kam dabei heraus? Obwohl einheitlich genormte Verfahren zur Anwendung kommen, ist die Aussagekraft über die Qualität von bestimmten Materialien mit sehr großer Vorsicht zu genießen. Stellt nämlich ein Kunststoffproduzent fest, dass sein Material für die geforderte Spannung von einigen hunderttausend Volt nach Norm geeignet ist, so sind gewisse statistische Ausreißer zugelassen. Problematisch nur, wenn gerade eine solche schwächere Materialkomponente in einem wichtigen Stromkabel verbaut wird. Ein Blackout, also ein großflächiger Stromausfall, wäre eine mögliche Folge.

Es sind also verbesserte normierte Messverfahren erforderlich, um die gewohnte gute Versorgungssicherheit in Deutschland auch in Zukunft zu garantieren. Mit Stolz nehmen die drei FH-Studierenden zur Kenntnis, dass ihr kleiner Beitrag zur Fachkonferenz ein großer für die Energiewende gewesen sein könnte. „Das gibt Aufwind für das weitere Studium“, bestätigen alle drei einhellig, und nehmen diesen Motivationsschub mit auf die Zielgerade, die abschließende Masterthesis an der Fachhochschule Kiel.

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