Wertvolle Impulse für die zukünftige Lehre an der FH Kiel

Von: Susanne Meise

Präsenz- und Online-Studium, das waren bis zur Corona-Pandemie zwei getrennte Welten an der FH Kiel. Mit Start des Sommersemesters hat sich das geändert: Damit die Lehre wie gewohnt starten konnte, wurden Seminare und Vorlesungen kurzfristig ins Internet verlagert – ein Schritt, der bei vielen Studierenden auf positives Feedback trifft, wie eine kürzlich gestartete Blitzumfrage zeigt.

BWL-Masterstudentin Michaela Knafla hatte in Zusammenarbeit mit dem studentischen Kieler StartUp stackOcean GmbH und deren Plattform voty.io eine Umfrage gestartet, die Aufschluss geben sollte, wie die Studierenden mit der Umstellung zurechtkommen, welche Vor- und Nachteile sie darin sehen und ob sie Anregungen haben. Fast 1500 FH-Studierende aus allen sechs Fachbereichen haben sich daran beteiligt. „Damit bin ich absolut zufrieden“, sagt Michaela Knafla, die mit Blick auf das eingängige Umfrage-Tool zwar auf viele Teilnehmer*innen gehofft, aber nicht damit gerechnet hatte. Nicht nur über die Anzahl der Bewertungen, sondern auch die Qualität freut sie sich: Unter den insgesamt 11.257 Antworten sind nicht nur solche in Form von Emojis, sondern auch von den Teilnehmer*innen verfasste Texte. „Ich bin begeistert, wie viele ausführliche Antworten hinterlassen wurden“, sagt die 27-Jährige weiter, die sich in den kommenden Wochen im Rahmen ihrer Masterthesis an die Auswertung machen wird. „Aus den Aussagen ist erkennbar, dass die Studierenden nicht nur auf die Umstellung eingegangen sind, sondern auch darauf, was sie generell an der Lehre für verbesserungswürdig halten“, erklärt Knafla. Daraus lasse sich vieles für die zukünftige Gestaltung der Lehre an der FH Kiel ableiten. Ein Viertel der Teilnehmer*innen wird davon möglicherweise noch profitieren: 372 sind im zweiten Semester.

Schon jetzt zeigt sich, dass 65 Prozent der Befragten zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit der spontanen Umstellung auf die Online-Lehre sind. 58 Prozent der befragten Studierenden würden sich dauerhaft Online-Anteile im Präsenz-Studium wünschen, eine Kombination, die die Vorteile beider Varianten vereint. „Reine Vorlesungen könnten weiterhin online gehalten werden (Zeit-, Geld- und CO2-Ersparnis). Für Übungen und Labore wäre die herkömmliche Form besser“, lautet ein Kommentar dazu. Für Menschen mit Handicap haben Online-Vorlesungen noch einen weiteren Vorteil, wie ein anderer Beitrag zeigt: „Ich kann mich in den Online-Vorlesungen viel besser konzentrieren. (…) Zudem ist es total klasse, dass Dozenten ihre Vorlesungen/Kurse aufnehmen. Man versteht ja nicht immer alles auf Anhieb, und mir hat es super geholfen, es sich einfach nochmal anzuschauen (…).“ Auch sind die Online-Angebote für viele Studierende familienfreundlicher als Präsenzveranstaltungen.

Doch es gibt auch kritische Stimmen, die zum Beispiel auf die mancherorts schlechten Internetverbindungen hinweisen, die es dort wohnenden Studierenden schwermachen, Online-Angebote zu nutzen und die damit benachteiligt sind. Andere sind prinzipiell gegen ein Online-Studium.

Die große Fülle der studentischen Anregungen gebe viele wertvolle Impulse für die weiteren Studiengangsentwicklungen, hält Professor Dr. Doris Weßels fest, die Knaflas Masterthesis betreut und die Umfrage initiiert hat. „Die positiven Aspekte und die damit verbundenen Potenziale sollten wir nachhaltig sichern. Hierzu werden wir nach meinem Eindruck auf allen Ebenen noch in diesem Semester viele Diskussionen führen, angefangen von den einzelnen Studiengängen bis hin zur Hochschulstrategie und unseren Zukunftsvisionen und Leitbildern“, sagt Weßels weiter.

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