Studieren in Kiel im Check

Bevor sich viele junge Menschen dazu entschließen, für das Studium in eine neue Stadt zu ziehen, machen sie sich ein Bild von den für Studierende wichtigsten Aspekten: Wie lebt es sich in der Stadt? Wie hoch sind die Mieten? Wo kann man gut essen? Wie viel kostet ein Bier in der Kneipe? Kann man gut tanzen oder gehen um zehn Uhr schon alle Lichter aus?

Die viel.-Redaktion hat sich das Studi-Lebens-Potenzial der maritimen Hochschulstadt Kiel einmal genauer angesehen.

Ost oder West?

Wo man in Kiel vor Anker gehen will, ist schon eine Frage der Seite: Soll es das Westufer oder das Ostufer der Kieler Förde sein? Kiel lässt sich ziemlich genau in zwei Hälften teilen, die sehr unterschiedlich sind. Das Westufer ist mit vielen Bars, Restaurants, den Shoppingzentren, der Holtenauer Straße und vielen Wohngegenden ein sehr belebter Teil. Auf dem Ostufer dagegen finden sich viele Wohngebiete in Hochhäusern, Wissenschaftszentren, Gewerbegebiete und ruhigere Bereiche.

Die FH Kiel liegt im Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf im östlichen Stadtbereich.

Überall nur Wasser

Ein ganz klarer Pluspunkt für Kiel: Die unschlagbare Nähe zum Wasser. Direkt an der Kieler Förde und am Nord-Ostsee-Kanal, die Strände rundherum. Kein Wunder, dass man entweder als Wasserfreund*in nach Kiel kommt oder hier das Meer lieben lernt. Wer den sandigen Strand nicht mag, findet in einem der Seen Abkühlung. Am Westensee beispielsweise kann man hervorragend spazieren, am Kanal entlang ausgedehnte Radwandertouren entlang kleiner Cafégärten mit hausgemachtem Kuchen unternehmen. Im Hochsommer ist der Schrevenpark der erste Treffpunkt aller Studierenden.

Wer kein Segelfan ist, kann in Kiel ohne Probleme auf der Schwentine paddeln, an der auch die FH Kiel liegt.

Strampeln statt Tanken: Kiel ist Fahrradstadt

Die Fahrradwege in Kiel sind so gut ausgebaut, dass es sich für viele Strecken im Innenstadtbereich gar nicht lohnt, mit dem Auto zu fahren. Sogar die beiden Ufer der Stadt sind mit einer Fähre verbunden, auf der genug Platz für Fahrräder ist.

Trotzdem haben viele Studierende ein eigenes Auto. An der FH gibt es viele Stellplätze, die auch gebraucht werden, da viele zum Studieren aus der Umgebung bzw. aus Hamburg kommen und jeden Tag pendeln. Fahrgemeinschaften liegen hier an der Tagesordnung!

Im Allgemeinen ist Kiel durch gute Verkehrsverbindungen geprägt. Die Busse fahren häufig und auch nachts, vom Hauptbahnhof geht es in alle Teile Deutschlands. Auch Flixbusse fahren in regelmäßigen Abständen unter anderem nach Hamburg, Flensburg oder Berlin. Schnell mal nach Dänemark? Weil Kiel so nah an der Grenze liegt, ist auch das kein Problem.

Und wo wohnst du?

Wohnungsnot herrscht in fast allen Hochschulstädten, so auch in Kiel. Besonders im Januar ist die Suche auf dem Kieler Wohnungsmarkt groß. Wer jetzt noch einen Platz braucht, sollte sich rechtzeitig beim Studentenwerk Schleswig-Holstein für einen Platz in einem der Studentenwohnheime auf dem West- oder Ostufer anmelden. Die Stadt Kiel plant außerdem im Rahmen des "Masterplan Wohnen für Kiel" weiteren bezahlbaren Wohnraum in verschiedenen Kieler Vierteln, es lohnt sich also, die Augen und Ohren offen zu halten.

Wer einmal eine Bleibe gefunden hat, darf sich im Vergleich zu anderen Hochschulstädten über recht preiswerte Mieten freuen. Der Quadratmeter kostet durchschnittlich 8,50 Euro. Wohnen auf dem Ostufer ist zudem wesentlich günstiger als auf dem Westufer, trotzdem tummeln sich viele Studierende auf dem Westufer in den beliebten (und somit teureren) Vierteln Ravensberg, Südfriedhof und Schrevenpark. Bezahlbaren, guten Wohnraum gibt es aber auch in Projensdorf und Suchsdorf, in Gaarden, Ellerbek und Dietrichsdorf.

Studierenden an der FH Kiel

Für Studieninterssierte bietet die FH Kiel auf dem Ostufer der Stadt 37 Studiengänge an, sowohl Bachelor (21) als auch Master (16), die sich auf die sechs Fachbereiche verteilen: Wirtschaft, Soziale Arbeit und Gesundheit, Medien, Maschinenwesen, Informatik & Elektrotechnik und Agrarwirtschaft im ländlich gelegenen Außenstandort Osterrönfeld. Sogar fünf Online-Studiengänge gehören zu den Angeboten.

Momentan studieren mehr als 7750 Frauen und Männer an der FH. Alle Studieninhalte sind stark anwendungsbezogen. Auch die internationale Ausrichtung ist der FH ein Anliegen: In vielen Studienfächern gehört Englisch zur Lehrsprache.

Gegessen wird mittags in der Mensa direkt an der Schwentine, rund um den Campus laden viele Cafés zum Entspannen und Verweilen ein. Am kleinen FH-Strand kann im Sommer gegrillt werden, und wer zwischen den Vorlesungen eine Abkühlung braucht, hält die Füße kurz ins Wasser. Kultur gibt es auf dem Campus im Bunker-D, dem Bunker-Kino, im Mediendom, in der Sternwarte oder im Computermuseum. Wer sich neben dem Studium in Projekten engagieren möchte, hat die Wahl zwischen Campus RadioAktiv, Campus-TV, der Robotik-Gruppe NorthernStars, dem Formula Student Germany Team Raceyard, das ausschließlich Elektrorennwagen nach Hockenheim und Silverstone schickt, dem Race-Team BalticThunder für das Aeolus-Rennen in Den Helder in den Niederlanden, und dem TomKyle AUV Team entscheiden, das zusammen mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung an unbemannten, selbst navigierenden Wasserfahrzeugen arbeitet. 

FH Kiel im Hochschulranking

Die beliebtesten Hochschulen in Deutschland sind Fachhochschulen. Das ergibt eine Analyse des Portals StudyCheck, auf dem Hochschulen nach Kriterien wie Organisation, Qualität der Lehre, Kompetenz der Lehrenden und Internationalität bewertet werden können. Das Ranking-Portal UniRank sieht die FH Kiel sogar auf Platz 113 in ganz Deutschland. Und beim CHE Ranking von 2017 konnte die FH mit den Studiengängen Soziale Arbeit, Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik punkten: Die internationale Ausrichtung der Inhalte und der Kontakt zur Berufspraxis seien Spitzenreiter. Wenn das nicht vielversprechend ist!

Spickzettel für’s Sparschwein

In Kiel kommt man mit Wesentlich mit weniger Geld aus, als in anderen Städten. Ein Mensaessen kostet durchschnittlich 2,50 Euro, das Brötchen beim Bäcker rund 40 Cent, den Kaffee in der Innenstadt bekommt man für 2,30 Euro und ein Bier in der Kneipe für 3 Euro. Cocktails, Pizza und Döner pendeln sich bei durchschnittlich 5,50 Euro ein. Ein Kinoticket bekommt man am Spartag für 5 Euro, der Monatsbeitrag im Fitnessstudio liegt bei etwa 20 Euro. Theater- und Opernkarten gibt es für Studierende an vielen Tag ab 8 Euro. Für Partys kann man mit 5 bis 10 Euro Eintrittspreis rechnen.

Tanzen und Schlemmen

Apropos Party: In Kiel ist die Diskothekenlandschaft eher dünn besiedelt. In der Bergstraße gibt es ein paar kleinere Discos und Bars. Größere Partyzonen liegen weiter außerhalb und bieten je nach Musikgeschmack an Mittwochen, Freitagen und Samstagen Feiermöglichkeiten. Kiel’s größte Party ist mit Abstand die Kieler Woche, die die Stadt jedes Jahr Ende Juni in Ausnahmezustand versetzt. Abseits der Segelregatten schließen sich die Kieler mit Kleinkünstlern, Musikern und den unzähligen Verkäufern zu einem gigantischen Volksfest zusammen.

Aktuell eröffnen in Kiel viele kleine, sehr gute Cafés und Restaurants, die lokal und ökologisch produzieren und sich von Massenangeboten absetzen wollen.

Na, schon Lust auf den Norden bekommen?

Die Kieler sind gelassene, ruhige Leute, die die nassen, windigen Winter mit einem Schulterzucken und dem obligatorischen: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung“ fröhlich trotzen. Und wenn der Sommer in Kiel Einzug hält, gibt es doch nichts Schöneres als ein Eis an der Förde.

Julia Königs

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