Was tun nach dem Studienabschluss?

Die Zeit direkt nach dem Studienabschluss kann schwer sein. Besonders dann, wenn man nicht zu denjenigen gehört, die mit einem Direkteinstieg oder einer Volontariats- oder Traineestelle in den Job starten. Findet man als Absolvent*in also nach dem Hochschulabschluss nicht sofort eine geeignete Arbeitsstelle, sind wichtige Fragen zu klären.

Welche Berufsfelder kommen jetzt überhaupt in Frage? Wie finanziere ich mich während des Leerlaufs? Welches Gehalt stelle ich mir für meinen ersten Job vor? Wie werde ich zu Bewerbungsgesprächen eingeladen? Muss ich mich arbeitslos melden?

Arbeitslos nach dem Studium

Wem ein direkter Berufseinstieg nach dem Bachelor- oder Masterabschluss verwehrt bleibt, ist nicht gezwungen, sich bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) als arbeitslos zu melden. Allerdings sollte man das Beratungsangebot der BA annehmen, da insbesondere die finanzielle Unterstützung geklärt werden muss. Die Mitarbeiter*innen der BA können genau erläutern, welche Hilfe jetzt wie angebracht ist. Um einen Termin sollte man sich allerdings mindestens drei Monate vor Studienende kümmern, um sofort für den ersten Tag nach Ablauf des Studierendenstatus gerüstet zu sein.

Finanzen müssen geregelt sein

Im Allgemeinen gilt für Absolvent*innen ein Anspruch auf Arbeitslosengeld II, auch Hartz-IV genannt. Der Satz beträgt aktuell 409 Euro, hinzu kommen Zahlungen für Miete, Heiz- und Nebenkosten. Auch Kranken- und Pflegeversicherung werden übernommen.

Wer Weiterbildungsmaßnahmen wie Kurse, Seminare oder Umschulungen besucht, kann bei der BA Anträge auf Kostenübernahme stellen. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass die BA sich das Recht vorbehält, auch arbeitslose Hochschulabsolvent*innen mit Hartz-IV-Leistungen zu geringfügig entlohnten Minijobs zuzuteilen, die nicht abgelehnt werden dürfen.

Krankenversicherung geklärt?

Wer bei Studienabschluss bereits selbst krankenversichert ist, hat diese Hürde bereits genommen. Wenn man dagegen noch in der Familienversicherung der Eltern abgedeckt war, gilt es nun, Alternativen zu finden. Mit dem Hartz-IV-Bezug wird der Beitrag für die Krankenversicherung abgedeckt, ohne diesen Anspruch müssen sich Absolvent*innen jedoch freiwillig versichern. Auch ohne Verdienst, muss hier für ein fiktives Einkommen ein Satz gezahlt werden. Das bedeutet, das aktuell rund 182 Euro inklusive Pflegeversicherung pro Monat zu zahlen wären.

Leerlauf nutzen, Chancen erkennen

Es gibt viele Optionen, um das Warten auf eine passende Arbeitsstelle zu füllen: Stellengesuche durchforsten, potenzielle Arbeitgeber*innen ausfindig machen und ansprechen, Bewerbungen mit individualisierten Anschreiben gestalten. Auch die Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche ist wichtig, insbesondere sollte man sich überzeugende, persönlich passende Antworten auf die klassischen Fragen wie „Was sind ihre Schwächen?“ überlegen. Auch Berufsfindungsseminare mit Potenzialanalysen der eigenen Stärken und Schwächen, weiterqualifizierende, geförderte Kurse, Praktika, Aushilfstätigkeiten oder eine Sprach- oder Studienreise können helfen.

Ängste ausräumen

Viele Absolvent*innen befällt nach dem Abschluss das Gefühl, die Freiheit des Studierenden-Seins einzubüßen. Doch dabei übersehen sie auch jede Menge Vorteile: Ein Feierabend wird echt, wenn er nicht mehr in der Bibliothek oder am Schreibtisch verbracht wird. Die Praxis gehört jetzt fest zum Alltag. Keine Prüfungen oder Hausarbeiten müssen geschrieben werden. Ist der Job gefunden, wartet ein regelmäßiges Gehalt. Neue Menschen, neues Wissen, neue Inspiration warten mit jedem weiteren Tag.

Selbstredend kommt man um aktives Engagement nicht herum, um einen Job zu finden, doch trotzdem kann der Gedanke entlasten, dass der erste Job nicht perfekt sein muss. Es darf ruhig „Luft nach oben“ bleiben.

Wer dazu tendiert, sich von den eigenen Ängsten leiten zu lassen, sollte versuchen, die Perspektive zu wechseln: Chancen kann man sehen und aktiv angehen. Jeder und jede ist verantwortlich für das Leben, das er oder sie führt. Nach dem Studienabschluss steht das Tor zur Welt weit offen. Wer mutig und selbstbewusst hindurch schreitet, sich bewirbt, zeigt, was er/sie kann, offen für Neues bleibt und sich inspirieren lässt, wird Phasen des Übergangs durchstehen.