Studieren in Kiel: Leben auf dem Westufer

Erstellt von Lennard Worobic

Die Zusage der Fachhochschule Kiel per Post kam im Sommer 2017 überraschend für mich – ehrlich gesagt, hatte ich schon gar nicht mehr damit gerechnet. Kurzerhand änderte ich meinen Plan, blieb nicht in der Gegend und ging stattdessen all-in. Meer, Fischbrötchen, THW Kiel, Kieler Woche, entspannte Leute? Klang gut. Ich muss gestehen: Viel mehr wusste ich damals nicht über die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins. Als gebürtiger Ostwestfale hatte ich die ‚Sailing City‘ zuvor noch nie besucht. Drei Jahre später kann ich sagen: Die Entscheidung war genau richtig – gut gepokert! Mit der geographischen Lage Kiels setzte ich mich nur flüchtig auseinander und zog zunächst in ein Studentenwohnheim auf dem Ostufer. Nach einem Semester entschied ich mich jedoch, auf die andere Seite der Förde zu wechseln. Vorab sei gesagt: Die Wahl der Wohngegend in Kiel ist Geschmackssache, doch eben diese Vielfalt macht die Stadt aus. Mit Verweis auf Lena Kuhns Beitrag über das Leben am Ostufer, möchte ich euch nun auf eine Westufer-Tour mitnehmen.

Eines ist auf der Luftaufnahme bereits zu erkennen: Kiel ist zwar eine Großstadt, aber eine, die mit ihrer Größe bei Weitem nicht den Rahmen sprengt. Nach einiger Zeit findet man sich zurecht, nimmt erste Abkürzungen und kennt die meisten Wege aus dem Kopf. Generell lassen sich viele Strecken mit dem Fahrrad oder sogar zu Fuß bewältigen. Nicht selten kommt es vor, dass Freunde direkt um die Ecke wohnen. Im Stadtteil Schreventeich, wo ich im Frühjahr 2018 in eine WG zog, lohnt sich ein Spaziergang in den Schrevenpark. Dort trifft man sich im Sommer, um gemeinsam zu grillen und das Wetter zu genießen.

Vom Park aus ist der Weg zum Dreiecksplatz dann auch nicht mehr weit, ungefähr zehn Minuten zu Fuß. Wer gerne mit Freunden ins Kino oder etwas trinken geht, ist hier richtig. Zahlreiche Bars und einige Clubs finden sich in der angrenzenden Bergstraße. Auf dem Hinweg kommt ihr bereits an einer Cocktailbar gegenüber der Muthesius Kunsthochschule vorbei. Viele weitere Clubs finden sich im Rest der Stadt. Die Bergstraße bietet als Partymeile Kiels ein gebündeltes Angebot für Feierlustige. In der entgegengesetzten Richtung gelangt man in die Holtenauer Straße, die sich ausgezeichnet für einen Einkaufsbummel eignet. Gleichzeitig ist die ‚Holtenauer‘ eine beliebte Wohngegend für Studierende. Mit den Linien 60s und 11 gelangen FH-Student*innen in 30 bis 40 Minuten an die Hochschule auf dem Ostufer. Dagegen ist die Busverbindung vom Schreventeich zur Fachhochschule nicht so flexibel. Nachdem ich am Westring die Linie 34, 100 oder 101 nehme, steige ich gewöhnlich am Hauptbahnhof um. Einfacher haben es Studierende, die im Stadtteil ‚Südfriedhof‘ wohnen. Allerdings dauert es aus keinem dieser Stadtteile wirklich lange, um in die Innenstadt zu gelangen. Mit meinem Fahrrad lasse ich mich fünf Minuten den Kronshagener Weg bis zum Einkaufszentrum Sophienhof herunterrollen. Außerdem ermöglicht die zentrale Lage es mir, zu Fuß zum THW-Spiel zu gehen, Einkäufe in der Stadt auf dem Rückweg von der FH zu erledigen und schnell an der Kiellinie zu sein.

Die Kiellinie bietet nicht nur eine Fähranbindung zur FH am Ostufer, sondern ist auch einer der Sommer-Hotspots in Kiel. Menschen tummeln sich dort aus verschiedensten Anlässen: Sportler*innen gehen Joggen; Familien machen Spaziergänge, essen Fischbrötchen und Eis; Freunde treffen sich auf ein Bier in den Cafés. Außerdem findet hier im Frühjahr das ‚Anbaden‘ statt. In den Sommermonaten dürfen Strandausflüge natürlich nicht fehlen. An sonnigen Tagen fahre ich gerne nach Schilksee, einem Strandabschnitt am Olympiazentrum. Der Falckensteiner Strand ist ebenfalls ein beliebter Anlaufpunkt. Mit dem Bus lassen sich beide Stadtteile am Meer flexibel erreichen.

Fragt man mich nach meinen Lieblingsläden in Kiel, tue ich mich schwer mit der Antwort. Auf „das beste Café der Stadt“ habe ich mich selbst nach drei Jahren noch nicht festlegen können. Regelmäßige Besuche im ‚Dönerdreieck‘, welches in der Metzstraße direkt vor meiner Haustür liegt, sind naheliegend. Wenn es etwas zu feiern gibt, darf es auch gerne eine Pizza beim Lieblingsitaliener sein. Zudem steht ein Asia-Lieferdienst am Westring unserer WG an faulen Tagen stets zu Diensten. An dieser Stelle möchte ich aber betonen, dass sich das ganze Angebot Kiels bei weitem nicht aufzählen ließe – sowohl in der Gastronomie als auch im Einzelhandel. Jeder und jede hat eigene Präferenzen bzw. wird diese finden. Empfehlen kann ich nur, immer wieder neue Restaurants und Geschäfte auszuprobieren oder nach Aktivitäten Ausschau zu halten. Letzten Sommer habe ich zum Beispiel mit Freunden an einer Führung auf den Kieler Rathausturm teilgenommen und den einzigartigen Blick genossen.

Insgesamt nehme ich den längeren Weg zur FH gerne in Kauf, da es mir gefällt, auf dem Westufer zu wohnen. Das ist Geschmackssache, denn letztendlich muss jede*r selbst entscheiden, was für ihn oder sie das Beste ist. Ich kann nur empfehlen, sich die Stadt vor der Wohnungssuche einmal anzuschauen und sich einen eigenen Eindruck zu machen. So müsst ihr gar nicht erst pokern, sondern wisst direkt, was euch erwartet.

© Fachhochschule Kiel