10 Jahre als Dekan im Fachbereich Wirtschaft: Interview mit Prof. Dr. Dirk Frosch-Wilke

Prof. Dr. Dirk Frosch-Wilke war ganze zehn Jahre lang Dekan unseres Fachbereichs. Welche besondere Verantwortung damit einhergeht, wie er diese Zeit erlebt hat und ob er nun zukünftig Langeweile haben wird, erzählt er uns in einem Interview.

Lieber Herr Professor Frosch-Wilke, was hat Sie vor 10 Jahren dazu bewegt, das Amt des Dekans anzunehmen?

Bevor ich im Januar 2008 erstmals zum Dekan gewählt worden bin, war ich schon fast 4 Jahre als Prodekan im Dekanat des Fachbereiches tätig. Ich empfand und empfinde nach wie vor eine Mitwirkung im Fachbereichsdekanat als einen Bestandteil meiner Tätigkeit als Hochschullehrer neben der Lehre und Forschung. Die öffentlichen Hochschulen in Deutschland werden getragen durch die akademische Selbstverwaltung. Dies ermöglicht uns ganz viel Selbstbestimmung in vielen uns betreffenden Angelegenheiten. Diese Selbstbestimmung schätze ich als ein hohes Gut. Neben diesem vielleicht eher „politischen“ Aspekt war für mich aber der Eintritt ins Dekanat dadurch motiviert, dass die Tätigkeit im Dekanat einem viele gestalterische Möglichkeiten eröffnet, man leichter Dinge initiieren und begleiten kann. Als mein Vorgänger als Dekan des Fachbereiches Wirtschaft, Prof. Dr. Udo Beer, dann zum Vizepräsidenten der Hochschule gewählt wurde, war die Stelle des Dekans am Fachbereich vakant und ich habe mich dann im Januar 2008 dem Konvent zur Wahl gestellt.

Welche Aufgaben und Verantwortungen bringt dieses Amt zusätzlich, neben Forschung und Lehre, mit sich?

Die wesentlichen Aufgaben einer Dekanin oder eines Dekans werden im § 30 des Hochschulgesetzes des Landes Schleswig-Holstein definiert. Die wesentlichen Verantwortungsbereiche liegen in der Sicherstellung des erforderlichen Lehrangebots, der Umsetzung der Beschlüsse des Konventes und bei den Entscheidungen über die Personal- und Sachmittel, die dem Fachbereich zur Verfügung stehen.

Gerade aus letzterer Aufgabe ergibt sich eine ganz wesentliche zusätzliche Verantwortung im Bereich der Personalverantwortung für die nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereiches. Diese habe ich stets als große Herausforderung wahrgenommen.

Wie haben Sie die Zeit rückblickend erlebt? Was hat sich verändert?

In den letzten 10 Jahren hat sich unser Fachbereich wie auch die Hochschule insgesamt doch sehr stark verändert. So haben wir uns als Fachbereich mit der Einführung der Bachelor-Online Studiengängen BWL und Wirtschaftsinformatik ganz neuen Gruppen an Menschen geöffnet, die ohne eine solches Angebot vermutlich nicht den Weg an eine Hochschule gefunden hätte. Ferner haben wir Online-Weiterbildungsstudiengänge auf Masterniveau eingeführt und somit neben den schon existierenden Weiterbildungsangeboten unser Angebotsportfolio im Bereich des lebenslangen Lernens erweitert. Im Bereich unserer Präsenzmasterstudiengänge haben wir die Studiengänge Wirtschaftsjurist/-in und Wirtschaftsinformatik eingestellt und dafür mit dem Master Technische BWL (seit diesem Jahr: Wirtschaftsingenieur) ein neues Angebot geschaffen. Auch haben wir uns entschieden, im Bereich der Betriebswirtschaftslehre von einem 6+4 Modell auf ein 7+3 Modell umzustellen. Auch wenn nicht jede Entscheidung einfach war und manche Entscheidung im Rückblick auch so nicht mehr getroffen würde, so zeigen sie dennoch, dass dieser Fachbereich sich immer wieder den Herausforderungen, die mit Veränderungen einhergehen, stellt, um seine Studienangebote attraktiv zu halten.

Neben den Veränderungen im Hinblick auf unsere Studiengänge waren sicher die Umstellung von Programmakkreditierungen auf eine systemakkreditierte Hochschule sowie die Zielvereinbarungen zwischen Präsidium und Fachbereich zwei weitere wesentliche Veränderungen.

Ich persönlich habe diese Zeit als sehr lehrreich empfunden. Ich habe viel über das System Hochschule und die dort tätigen Menschen gelernt. Ob nun jede gemachte Erfahrung eine war, die ich machen wollte, sei mal dahingestellt. Aber insgesamt habe ich diese Zeit auch ganz persönlich als bereichernd empfunden.

Oftmals hat man bei solchen Veränderungen sowohl ein lachendes als auch ein weinendes Auge – welches überwiegt und warum?

Das lachende Auge überwiegt, denn ich hatte das Glück, Dekan eines Fachbereiches zu sein, der bereit ist, immer wieder kritisch mit sich selbst zu sein. Dass dann so manche Änderung viel Zeit und viel Überzeugungsarbeit im Vorfeld benötigte, war manchmal schon für einen eher ungeduldigen Menschen wie mich schwerer zu  ertragen, aber ich hoffe, ich habe diese Ungeduld nicht so nach außen getragen.

Was werden Sie nun mit den frei gewordenen Zeitkapazitäten anfangen?

Ich freue mich darauf, nun wieder mehr in der Lehre aktiv zu sein und so manche Idee für eine Forschungsarbeit wartet auch noch unbearbeitet in der Schublade.

Wer übernimmt das Amt des Dekans nach Ihnen?

Seit dem 1. September 2018 ist Prof. Dr. Björn Christensen Dekan des Fachbereiches Wirtschaft und ich wünsche ihm ganz viel Erfolg und auch Freude bei seiner Tätigkeit.

Text: Janna Lynn Schröder und Prof. Dr. Dirk Frosch-Wilke
Foto: FBW-Team für Öffentlichkeitsarbeit
(veröffentlicht: 25.10.2018)