„Sich nicht vom Gehirn leiten
lassen, sondern das Gehirn leiten“

Der gesundheitssteigernde Effekt von buddhistischen Meditationstechniken ist medizinisch evidenzbasiert mittlerweile nachgewiesen, aber können sie auch die Leistungsfähigkeit von Studierenden beeinflussen? Dieser Frage geht Prof. Dr. Matthias Dressler, Professor für Marketing und Allgemeine BWL, in seiner Bachelor-Vorlesung „Strategisches Management“ auf den Grund.  Wir haben nachgefragt.

 

Worum geht es bei MBSR?

Mindfullness based stress reduction (MBSR) basiert auf Atem- und Entspannungsübungen mithilfe derer sich neuronale Prozesse beeinflussen lassen. Der amerikanische Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn hat bei Versuchen mit Kriegsversehrten in den Achtzigern mit solchen Techniken erstaunliche Resultate erzielt. Diese Patienten waren in den Augen der klassischen Medizin austherapiert! Kabat-Zinn verbesserte mit einem Programm aus Achtsamkeitsübungen ihren psychischen und physischen Zustand immens. 

 

Worum geht bei Ihrer Versuchsreihe in der Vorlesung „Strategisches Management“?

Zwei Gruppen von Studierenden wurden verglichen: Eine Gruppe absolviert begleitend zur Veranstaltung ein MBSR-Programm, die zweite nicht. Die MBSR-Gruppe führt während des Semesters Tagebuch über ihre täglichen Übungen und schreibt zusätzlich jede Woche unter stressigen Bedingungen einen Multiple Choice-Test mit Fragen zur Vorlesung. Am Semesterende nehmen beide Gruppen an derselben Abschlussprüfung teil; meiner Hypothese nach müsste die MBSR-Gruppe deutlich besser abschneiden.

 

Wie sieht das MBSR-Programm konkret aus?

Am Anfang wirken die Übungen gewöhnungsbedürftig. Die Teilnehmer*innen sollen sich auf Knopfdruck entspannen, 30 Minuten gezielt nichts zu tun, das Kopfkino bewusst ausschalten. Ein Drittel ist übrigens nach den ersten Wochen ausgestiegen mit den Worten, das sei viel zu anstrengend. Bloßes Daliegen kann anfangs langweilig wirken, da kann es durchaus passieren, dass man einschläft.

 

Ist das Einschlafen denn ein erwünschter Effekt?

Nein, das sollte vermieden werden. Ziel der Übung ist ein geplantes Abschalten des Kopfkinos. Schläft man innerhalb des MBSR-Zyklus ein, gewinnt das Gehirn wieder die Oberhand. Man sollte lieber die Übung vor dem vermuteten Einschlafpunkt abschließen.

 

Vielen Dank für das Gespräch

 

Text: Anna Mayer
(veröffentlicht: 27.06.2019)