Man braucht kein Einser-Abitur, um ein Stipendium zu bekommen

sagt Manuel Hinz und er muss es wissen. Der 21-jährige studiert an der Kieler Fachhochschule im 3. Semester Betriebswirtschaftslehre und ist seit Mai 2007 Stipendiat der „Stiftung der Deutschen Wirtschaft – Studienförderwerk Klaus Murmann“ (SDW). Hier sein Erfahrungsbericht:

 

"Obwohl ich kein Einser-Abi gemacht habe, war für mich schon relativ früh klar, dass ich mich für ein Stipendium bewerben werde. Aus meinem Freundeskreis hatte ich von Stipendiaten nur Gutes über ihre Erfahrungen mit den Stiftungen gehört. Ursprünglich wollte ich mich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung bewerben, aber Dr. Philipp Murmann, der „Vertrauensmanager“ der SDW in Kiel machte mich auf die Stiftung seines Onkels aufmerksam.

Für mich als BWL-Studenten erschien das Angebot besonders verlockend, schließlich sind in der SDW fast alle großen deutschen Unternehmen mit Rang und Namen Mitglied und sie gestalten das Seminarprogramm der Stiftung mit. Also stellte ich meine Bewerbung für die SDW zusammen und erhielt schon einige Tage später beim „Vertrauensdozenten“ der SDW in Kiel, Herrn Prof. Albers von der CAU, eine Einladung zum Gespräch. Die Atmosphäre war locker, wir sprachen über mein Studium, mein ehrenamtliches Engagement und meine Motivation, mich für ein Stipendium zu bewerben. 

Einige Wochen später folgte dann eine Einladung zur zweiten Auswahlrunde. Diese fand über den Zeitraum von zwei Tagen in einem Schloss in der Nähe von Berlin statt und läuft wie ein Assessment Center (AC) bei den großen Firmen ab. Man muss einen Aufsatz zu einem vorgegebenen Thema schreiben, eine Gruppendiskussion, eine Einzelpräsentation und schließlich ein weiteres Einzelgespräch hinter sich bringen. Jeder Teilnehmer wird von zwei Juroren bewertet, die aus der Wirtschaft oder von einer Hochschule kommen. Am Ende des AC bekommt dann jeder Teilnehmer ein ausführliches Feedback zu seiner Leistung und die Juroren geben wertvolle Hinweise, in welchen Bereichen man noch an sich arbeiten kann.

Allein dieses wirklich hervorragende Feedback-Gespräch und die Tatsache, dass ich unter den anderen Teilnehmern viele interessante Menschen kennengelernt habe, gaben mir das Gefühl, dass sich das Ganze auch gelohnt hätte, selbst wenn ich nicht in die Stiftung aufgenommen worden wäre. Auf die Entscheidung musste ich allerdings einige Wochen warten, der tägliche Gang zum Briefkasten war in dieser Zeit besonders spannend.

Nach vier Wochen bekam ich schließlich den erlösenden Brief mit der Zusage und konnte mich über die Aufnahme in die Stiftung freuen. Kurz darauf nahm ich das erste Mal Kontakt zu der Kieler Stipendiatengruppe auf, die sich regelmäßig zu Veranstaltungen trifft und meldete mich gleich für das erste Seminar an. Eine Unternehmensberatung, die auch Mitglied der Stiftung ist, führte das zweitägige Seminar zum Thema „Strategieentwicklung“ durch. Ich war sehr begeistert von dem gelungenen Mix aus Theorie und eigener praktischer Arbeit und habe in den zwei Tagen viel gelernt.

Aus meiner bisherigen Erfahrung kann ich wirklich jedem nur empfehlen, sich für ein Stipendium zu bewerben. Ein Einser-Abi bzw. Noten-Schnitt muss nicht unbedingt sein, allerdings wird erwartet, dass man sich neben seinem Studium noch gesellschaftlich engagiert, wobei dieses Engagement von der Mitarbeit in Vereinen und Verbänden über das Training von Kindern im Sportverein bis hin zu der Aktivität in der Studentenvertretung reichen kann.

Ich engagiere mich in der Kieler Kommunalpolitik, u.a. als stellvertretender Ortsbeiratsvorsitzender Elmschenhagen/Kroog und bin bürgerliches Mitglied des Jugendhilfeausschusses der Stadt Kiel. Bei Fragen stehe ich gerne unter manuel.hinz@student.fh-kiel.de zur Verfügung." 

Mehr über Studienstiftungen können Sie am 30. Oktober erfahren. Dann veranstaltet die Fachhochschule Kiel zum ersten Mal einen Stiftungstag. Acht Begabtenförderungswerke stellen dann ihre Arbeit vor. Außerdem informiert der DAAD über seine Fördermaßnahmen von Studien- und Forschungsaufenthalten im Ausland. Die Innovationsstiftung Schleswig- Holstein (ISH) präsentiert ihr Förderprogramm „ISH-Gründerstipendien“. Daneben gibt es die Gelegenheit, mit Stipendiatinnen und Stipendiaten ins Gespräch zu kommen.

Hier finden Sie das Programm (PDF) des Stiftungstages.

Kiel, 24.10.2007